DeichStuben-Reporter Marius Winkelmann im Gespräch mit Werder-Profi Ole Käuper.
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DeichStuben-Reporter Marius Winkelmann im Gespräch mit Werder-Profi Ole Käuper.

Werder-Profi über Verletzungen, Kohfeldt und eine mögliche Leihe

Käuper im Interview: „Mein Körper ist nicht zu schwach“

Bremen - Dass Jungs aus Bremen von einer großen Karriere bei Werder träumen, kommt nicht selten vor – bei Ole Käuper war das früher nicht anders.

Im Vergleich zu den meisten seiner früheren Mitstreiter ist der 21-Jährige heute aber ganz nah dran. Ein Spiel in der Bundesliga hat Käuper schon absolviert - im Dezember 2017 auswärts bei Bayer Leverkusen -, noch vor Weihnachten soll möglichst das zweite dazukommen. Im Interview mit der DeichStube erklärt Käuper, wie er mit seinen Verletzungen umgegangen ist, was er über Werders Plan denkt, ihn im Winter auszuleihen – und weshalb er schleunigst noch einen Adventskalender basteln muss.

Herr Käuper, wie oft träumen Sie davon, ein Bundesligaspiel im Weserstadion zu bestreiten?

Ole Käuper: Als Kind habe ich das wirklich sehr oft getan – und inzwischen bin ich tatsächlich ziemlich nah dran. Leider haben mich die Verletzungen ein bisschen zurückgeworfen. Aber in jedem Training halte ich mir vor Augen, wofür ich trainiere: Ich will hier spielen.

Wie endeten denn Ihre Kindheitsträume?

Käuper: Mit ganz vielen Toren von mir und natürlich mit einem Werder-Sieg (lacht). Okay, das mit den Toren ist bei mir vielleicht nicht ganz so realistisch, aber ein Sieg sollte es schon sein.

Wie wichtig sind Träume gerade in längeren Verletzungspausen?

Käuper: Sehr wichtig, weil alles so eintönig ist. Der Tagesablauf ändert sich kaum. Man trainiert im Kraftraum ganz für sich alleine und kann nichts mit den anderen aus der Mannschaft machen.

Trainer Florian Kohfeldt hat gesagt, dass Ihre Verletzungspause auch eine Chance sein könnte, um körperliche Defizite aufzuarbeiten. Ist Ihnen das gelungen?

Käuper: Ich denke, da bin ich gut vorangekommen. Mit unserem Fitnesscoach Axel Dörrfuß habe ich ordentlich im Kraftraum gearbeitet.

Was genau hat Ihnen gefehlt?

Käuper: Es geht um meine Athletik im Allgemeinen. Ich habe mich immer sehr auf meine fußballerischen Fähigkeiten verlassen und habe in der Jugend nicht jede Krafteinheit so ernst genommen, wie es hätte sein sollen.

Moment mal, will man als angehender Profi keinen durchtrainierten Body haben?

Käuper: Das war mir nie wichtig. Ich bin lieber auf den Trainingsplatz als in die Muckibude gegangen. Und jetzt mache ich es auch nicht für mein Aussehen, es soll mich auf dem Platz weiterbringen.

Ole Käuper hat erst ein Bundesliga-Spiel bestritten: vor knapp einem Jahr gegen Leverkusen.

Florian Kohfeldt war schon Ihr Co-Trainer in der U17. Was zeichnet ihn aus?

Käuper: Er ist auf jeden Fall ein Taktikfuchs, der wirklich alles vom Gegner weiß. Er hat immer mindestens zwei Pläne in der Hand, wie wir gegen den Gegner spielen können.

Wie hat er Sie weitergebracht?

Käuper: Ich kann das nicht im Detail erklären, aber taktisch habe ich mich unter ihm absolut weiterentwickelt. Auch menschlich übrigens. Er redet viel mit mir und hat mir sehr geholfen, meine Verletzungszeit gut zu überstehen.

Sagen Sie eigentlich Flo, Florian oder Herr Kohfeldt zu ihm?

Käuper: Flo war für mich schon immer Flo und wurde geduzt – und das ist seit der U17 auch so geblieben. Damals war Viktor Skripnik unser Trainer. Ihn mussten wir siezen – also mit „Trainer“ und „Sie“. Aber ich habe mal gehört: Als Flo später die U16 als Trainer übernommen hat, da war er dann „Herr Kohfeldt“.

Sie sind schon in der U9 zu Werder gewechselt. Haben Sie noch ein Trikot aus dieser Zeit?

Käuper: Ja, tatsächlich! Ich bin damals vom ATSV Sebaldsbrück zu Werder gewechselt. Mein Vater hat mir ein Werder-Trikot geschenkt – mit Ole und der Nummer sieben hinten drauf. Ich glaube, zu der Zeit war „Kik“ noch Sponsor, das ist echt lange her (lacht).

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern von damals?

Käuper: Aus der Zeit nicht. Aber ich habe letztens tatsächlich mal nachgeguckt, wo die Spieler aus der U15-Zeit alle so geblieben sind. Zu einigen Spielern aus der U17 habe ich noch Kontakt, zu Spielern aus der U19 auch und aus der U23 sowieso.

Kommen in Bremen nie Spieler aus Ihrer damaligen U9 auf Sie zu und erinnern Sie an die alten Zeiten?

Käuper: Das ist wirklich neulich passiert. Ich habe mir mit Freunden das Bremen-Ligaspiel Oberneuland gegen den Bremer SV angeschaut. Da ist tatsächlich ein alter Mitspieler zu mir gekommen und hat gesagt: „Mensch, Ole, du bist es ja. Wir haben uns ja lange nicht gesehen.“ Und dann hat er mir erzählt, dass er mein erstes Bundesligaspiel in der Kneipe geguckt hat. Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Wege sind.

Haben Sie ihn wiedererkannt?

Käuper: Er musste sich schon vorstellen, aber dann hat es klick gemacht.

Werden Sie als Profi in Bremen nun anders wahrgenommen?

Käuper: Ja, vor allem hier rund um das Weserstadion hat sich das verändert, da erkennen mich die Leute schon. Aber wenn ich in der Stadt unterwegs bin, da kommt es wirklich sehr, sehr selten vor, dass mich jemand anspricht.

Ist das gut so?

Käuper: Ich spiele nicht Fußball, um berühmt zu werden. Das hört sich blöd an, oder? Ich habe kein Problem damit, wenn mich die Leute erkennen. Irgendwie ist es auch schön.

„Ich spiele nicht, um berühmt zu werden“, sagt Werder-Profi Ole Käuper.

Welcher ist Ihr Lieblingsort in Bremen?

Käuper: Natürlich das Weserstadion.

Das war klar. Aber wo sind Sie sonst noch gerne?

Käuper: Ich muss zugeben, dass ich inzwischen so oft wie möglich bei meiner Freundin in Hannover bin.

Das klingt stressig.

Käuper: Nein, überhaupt nicht. Das sind doch nur 50 Minuten mit dem Auto. Je näher die Spiele kommen, desto seltener fahre ich allerdings.

Wie sehen Sie bei der großen Konkurrenz im Mittelfeld Ihre Chancen auf Einsätze bei den Profis?

Käuper: Der Konkurrenzkampf ist wirklich groß. Aber nun hat sich Bargi (Philipp Bargfrede, Anm. d. Red.) verletzt. Nicht falsch verstehen, das freut mich auf keinen Fall. Aber natürlich verändert das meine Position. Ich bin jetzt wieder fit, versuche, mich in jedem Training anzubieten – und dann möchte ich möglichst viel spielen.

Und wenn es bis zur Wintertransferperiode nicht klappt?

Käuper: Ich bin ein junger Spieler, der ein, zwei Jahre durch Verletzungen verpasst hat. Deswegen muss ich in Zukunft auf jeden Fall spielen. Mein Ziel ist es, mich bei Werder durchzusetzen und hier ein Bundesligaspieler zu werden.

Wäre eine Ausleihe denkbar?

Käuper: Das werden wir besprechen. Ich habe einen sehr engen Kontakt zu Florian und Frank Baumann. Wir werden schon die beste Lösung für mich finden. Ich freue mich erst mal auf die nächsten Wochen. Es wäre toll, vor Weihnachten im Weserstadion aufzulaufen. Vor einem Jahr habe ich kurz vor Weihnachten mein Bundesliga-Debüt gegen Leverkusen gefeiert. Danach stand ich drei Mal im Kader, bis ich mich verletzt habe. Irgendwie würde das schon passen.

Welche Rolle spielen die Verletzungen noch in Ihrem Kopf?

Käuper: Ich habe absolutes Vertrauen in meinen Körper. Der ist auf keinen Fall zu schwach für die Bundesliga. Ich habe mich immer durch Fremdeinwirkung verletzt. In Worms bin ich einfach gefoult worden, da hätte sich jeder verletzt. Natürlich denke ich manchmal an diese Situation. Aber nicht, weil ich Angst habe, sondern weil ich überlege, wo ich ohne diese Verletzung vielleicht schon wäre. Aber das bringt eigentlich nichts. Also lasse ich das lieber.

Sie haben Weihnachten angesprochen: Kaufen Sie Ihre Geschenke noch klassisch im Geschäft oder nur noch online?

Käuper: Im Moment habe ich ganz andere Sorgen. Meine Freundin hat mir all die Jahre einen selbst gebastelten Adventskalender geschenkt, ich habe ihr dagegen immer nur einen gekauft. Dieses Jahr hat sie mir ein bisschen Druck gemacht.

Haben Sie schon angefangen zu basteln?

Käuper: Das wird nicht verraten, vielleicht liest sie hier ja mit.

Ole Käuper: Seine Karriere in Bildern

Ole Käuper ist gebürtiger Bremer. Seit 2005 spielt der Defensivmann schon für Werder. Mit dem Fußballspielen angefangen hatte er beim ATSV Sebaldsbrück. Seine Karriere in Bildern.
Ole Käuper ist gebürtiger Bremer. Seit 2005 spielt der Defensivmann schon für Werder. Mit dem Fußballspielen angefangen hatte er beim ATSV Sebaldsbrück. Seine Karriere in Bildern. © gumzmedia
Mit 15 Jahren absolvierte Käuper schon sein erstes Länderspiel für den DFB-Nachwuchs.
Mit 15 Jahren absolvierte Käuper schon sein erstes Länderspiel für den DFB-Nachwuchs. © imago
Bei Werder entwickelte sich das Ausnahmetalent immer weiter. Schon als B-Jugend-Spieler kickte er für 2013 erstmals für das Bundesliga-Team der A-Jugend. © imago
2014 war er fester Bestandteil der A-Jugend-Mannschaft, fiel aber nach seinen zwölf Pflichtspiel-Einsätzen aufgrund einer Knieverletzung für den Rest der Saison aus.
2014 war er fester Bestandteil der A-Jugend-Mannschaft, fiel aber nach seinen zwölf Pflichtspiel-Einsätzen aufgrund einer Knieverletzung für den Rest der Saison aus. © imago
In der Saison 2015/2016 zählte Käuper zu den Führungsspielern der U23 in der Dritten Liga.
In der Saison 2015/16 zählte Käuper zu den Führungsspielern der U23 in der Dritten Liga, hatte aber wieder mit Verletzungen zu kämpfen. © gumzmedia
In der Saison 2017/18 spielte trug Käuper meistens die Kapitänsbinde und wurde nach Florian Kohfeldts Beförderung zu den Profis ebenfalls hochgezogen... © gumzmedia
... und feierte sein Bundesliga-Debüt am 13. Dezember 2017. Der Bremer stand im Spiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) sogar überraschend in der Startelf, fiel in der Folge jedoch aufgrund einer Fußoperation bis Saisonende aus.
... und feierte sein Bundesliga-Debüt am 13. Dezember 2017. Der Bremer stand im Spiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) sogar überraschend in der Startelf, fiel in der Folge jedoch aufgrund einer Fußoperation bis Saisonende aus. © imago
Nun gehört er fest zum Profi-Kader - dank Florian Kohfeldt, der große Stücke auf Käuper hält. 
Nun gehört er fest zum Profi-Kader - dank Florian Kohfeldt, der große Stücke auf Käuper hält.  © gumzmedia
Leider verletzte er sich in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Wormatia Worms, musste zehn Minuten nach seiner Einwechslung wieder ausgewechselt werden. Die bittere Diagnose: Außenbandriss im Sprunggelenk.
Leider verletzte er sich in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Wormatia Worms, musste zehn Minuten nach seiner Einwechslung wieder ausgewechselt werden. Die bittere Diagnose: Außenbandriss im Sprunggelenk. © gumzmedia

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