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Otto Rehhagel ist mit dem „Sportbild Award“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Rudi Völler hatte die Laudatio gestaltet.

Trainer-Legende läuft bei Ehrung zur Höchstform auf

Rehhagel und der diametral abkippende Sechser

Hamburg - Da stand er nun auf der Bühne, die ein bisschen einem Boxring glich. Und das machte Otto Rehhagel durchaus angriffslustig. Dem 80-Jährigen gelang in der Fischauktionshalle in Hamburg so mancher Volltreffer.

Die 750 geladenen Gäste johlten zeitweise vor Freude. Neben dem „Sport Bild Award für sein Lebenswerk“ hätte Rehhagel am Montagabend gleich noch eine Auszeichnung für allerbeste Unterhaltung im Stile eines Hans-Joachim Kulenkampff bekommen müssen – gemeinsam mit seinem Laudator Rudi Völler.

Die zwei Ex-Bremer rockten den Hamburger Hafen, sorgten für den absoluten Höhepunkt des Abends, der die geballte deutsche Sportprominenz in den Norden gebracht hatte. In neun Kategorien wurden Preise vergeben – zum Beispiel an Gesa Felicitas Krause, die Europameisterin über 3.000 Meter Hindernis, oder an Bayern-Coach Niko Kovac für seinen Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt. Als Überraschung des Jahres wurde die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft für ihre Silbermedaille bei den Olympischen Spielen ausgezeichnet. In der Kategorie hatte auch Werder-Coach Florian Kohfeldt zur Wahl gestanden, doch die Leser der „Sport Bild“ entschieden sich für die Kufenflitzer.

Rehhagel und Völler entdecken Rune Bratseth

Otto Rehhagel musste nicht gewählt werden, er hatte es sich mit seinen vielen Erfolgen als Trainer einfach verdient – passend natürlich zum 80. Geburtstag. Und sein einstiger Spieler Rudi Völler hielt eine bemerkenswerte Laudatio. „Otto hat die Spieler immer besser gemacht“, betonte der 58-Jährige. 1982 hatte ihn Rehhagel von 1860 München zum SV Werder geholt.

Drei Mal wurden sie gemeinsam Vize-Meister – und gemeinsam entdeckten sie auch Rune Bratseth. „Mittwochs war eigentlich frei, aber einmal rief mich Otto an“, erinnerte sich Völler: „Er wollte einen großen Abwehrspieler aus Norwegen testen und mich dabei haben.“ Sozusagen als Sparringspartner. Rehhagel sei begeistert gewesen, habe Manager Willi Lemke sofort den Auftrag erteilt, den Spieler zu verpflichten. Als der nachfragte, warum, habe Rehhagel nur gesagt: „1,90 Meter kannst du nicht lernen.“

Es war längst nicht die einzige nette Anekdote, die Völler erzählte. Die Familien seien lange nach der gemeinsamen Zeit in Bremen gut befreundet gewesen. „Meine Frau Sabrina kommt ja aus Italien, sie sprach damals noch nicht so gut Deutsch und hat Otto immer noch gesiezt. Da hat er dann irgendwann zu ihr gesagt: Sabrina, du kannst jetzt Trainer zu mir sagen.“

Otto Rehhagel war eben stets ein besonderer Typ – oder wie er es ausdrückte: „Meine Karten lagen immer auf dem Tisch – und alle müssen wissen, dass Otto immer korrekt ist.“ Als Trainer sei er aber durchaus auch einsam gewesen. Und eines wurmte ihn dabei ganz speziell: „Im Fußball kommen Leute, die vielleicht kreditwürdig sind, in Amt und Würden und entscheiden dann, ob der Trainer gut oder schlecht ist. Das muss man sich mal vorstellen!“ Rehhagel hasste es, wenn ihm von außen reingeredet wurde – speziell von der Presse. Umso bemerkenswerter, dass er nun diesen Medienpreis in Empfang nahm und so viel Spaß daran hatte.

Rehhagel nutzte die große Bühne, um den jungen Konzepttrainern einen ordentlichen Seitenhieb zu verpassen. „Rudi war ein Weltklassespieler – und keine falsche Neun“, begann der Erfolgstrainer noch ganz harmlos, grinste schnippisch und fügte dann provozierend an: „Der diametral abkippende Sechser spielt die falsche Neun an. Ihr hört, ich bin mit den modernen Gegebenheiten vertraut. Ich kenne mich aus. Aber der diametral abkippende Sechser kann leider nicht mit links schießen.“

Völler: Rehhagel sagte DFB 2004 als Bundestrainer ab

Das Publikum lachte, aber Rehhagel war noch längst nicht fertig – er hatte noch eine klare Botschaft für einen Ehrengast in der ersten Reihe. „Herr Präsident“, hob der Ex-Coach an und meinte damit DFB-Boss Reinhard Grindel: „Sag’ deinen Leuten in den Trainingszentren, dass die Jungs mit rechts und mit links schießen können müssen. Dieser ganze theoretische Quatsch ist ja schön und gut, aber dadurch fällt kein Tor. Ich muss mein Handwerk beherrschen!“

Rehhagel hat sein Handwerk beherrscht – erst als Spieler, dann als Trainer. Er führte Werder zum Europapokalsieg, zu zwei Meisterschaften und zu zwei Pokalsiegen. Auch mit Kaiserslautern wurde der Coach Meister – und das als Aufsteiger. Noch sensationeller war sein EM-Titel 2004 mit Griechenland. Danach sollte er Bundestrainer werden. Rehhagel sagte ab, weil er bei den Griechen im Wort stand. „Da hat mich der DFB gebeten, ihn zu überreden“, verriet Völler, der 2004 nach einer verkorksten EM als Teamchef zurückgetreten war. Zwei Mal habe er es probiert, aber Rehhagel sei standhaft geblieben: „Auch das ist Otto.“

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„Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.“
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„Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“
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„Wenn ich ein paar Spiele verliere, lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“
„Wenn ich ein paar Spiele verliere, lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“ © imago
„In diesem Geschäft gibt es nur eine Wahrheit: Der Ball muss ins Tor.“
„In diesem Geschäft gibt es nur eine Wahrheit: Der Ball muss ins Tor.“ © imago
„Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.“
„Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.“ © gumzmedia
„Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich habe also Recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“
„Wer Erster ist, hat immer Recht. Ich habe also Recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“ © imago
„Marco, für Fußball interessieren Sie sich ja nicht. Sie spielen bei mir nur, weil meine Frau Sie mag und Sie Abitur haben.“ (über Marco Bode)
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„Modern spielt, wer gewinnt.“
„Modern spielt, wer gewinnt.“ © imago
„Es muss doch einfach nur einer der Schiedsrichter, die immer auf die Trainer aufpassen, oben vor dem Fernseher sitzen und herunterrufen: ‚Geben Sie das Tor.‘ Damit hat sich die Sache schon erledigt.“
„Es muss doch einfach nur einer der Schiedsrichter, die immer auf die Trainer aufpassen, oben vor dem Fernseher sitzen und herunterrufen: ‚Geben Sie das Tor.‘ Damit hat sich die Sache schon erledigt.“ © imago
„Die Griechen haben die Demokratie erfunden. Ich habe eine demokratische Diktatur eingeführt.“
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„Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.“
„Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.“ © gumzmedia
„Hier kann jeder sagen, was ich will.“
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„95 Prozent meiner Spieler merken, dass ich meine Spieler liebe.“
„95 Prozent meiner Spieler merken, dass ich meine Spieler liebe.“ © imago
„Die sollen sich nicht so anstellen, bei mir zählen nur glatte Brüche als Verletzungen.“
„Die sollen sich nicht so anstellen, bei mir zählen nur glatte Brüche als Verletzungen.“ © imago
„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“
„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“ © gumzmedia

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