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Werder-Co-Trainer Thomas Horsch im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Björn Knips.

Ungewöhnliche Karriere 

Thomas Horsch: Vom Papa-Coach zum Profi-Trainer  

Algorfa - Jugendtrainer, aufgepasst! Thomas Horsch hat gezeigt, was im Fußball alles möglich ist. Als sein Sohn begann, beim VfL 07 Bremen Fußball zu spielen, wurde er als dessen Coach quasi zwangsverpflichtet - jetzt ist er Co-Trainer des Bundesligisten SV Werder Bremen.

„Manchmal muss ich mich schon kneifen“, gesteht der 49-Jährige und schwärmt: „Ich habe einfach Spaß, weil mein Hobby zum Beruf geworden ist. Überragend, mehr geht nicht.“

2016 wurde Horsch abgeworben

Horsch wirkt beim Gespräch im Trainingslager in Algorfa sehr entspannt. Dabei ist es für ihn Neuland, dass plötzlich mehrere Kameras und Reporter vor ihm stehen. „In der Talentförderung gibt es das nicht“, sagt Horsch und lacht. Er hat in einer anderen Fußball-Welt gearbeitet, einer keineswegs unbedeutenden. Seit 2008 war er beim DFB als Stützpunktkoordinator in Bremen tätig. Ein guter Job, dort geht es um die Zukunft des Fußballs. Die Öffentlichkeit bekommt davon aber nicht viel mit. Werder natürlich schon. 2016 wurde Horsch abgeworben und Co-Trainer der U23 an der Seite von Florian Kohfeldt.

Ein gewagter Schritt aus den beamtenähnlichen Strukturen des DFB heraus in die rasante Welt des Profi-Fußballs – und das mit damals auch schon 48 Jahren. Aber dieses „biblische Alter“, sagt Horsch, „sorgt für Entspannung. Ich habe zwei erwachsene Söhne, bin bald 25 Jahre verheiratet. Ich muss mich nicht mehr in den nächsten 20 Jahren finanziell um meine Familie sorgen. Da kann man etwas gelassener an die Sache herangehen.“

Ein wichtiger Talentförderer

2008 war das noch ganz anders gewesen. Damals wollte ihn der DFB, allerdings zunächst nur auf Zeit. Nach 20 Jahren bei einer Krankenkasse (DAK) ein ziemlich großes Risiko für Horsch. Aber er sicherte sich bei seinem Ex-Arbeitgeber ein Rückfahrtticket, das er nicht mehr einlösen sollte. Fortan war Fußball sein Beruf. Aus dem ehemaligen Torwart von Atlas Delmenhorst (Regionalliga) und dem Bremer SV (Oberliga) war ein wichtiger Talenteförderer in Deutschland geworden. Für den DFB kümmerte er sich als Torwarttrainer zudem um die U20-Nationalmannschaft oder reiste mit der U17-Frauen-Auswahl zur EM. Außerdem war er für die Trainerausbildung tätig.

Seine eigene führte ihn übrigens zu einem prominenten Bremer: Thomas Schaaf. Der Werder-Coach ließ ihn 2011 ganz nah ran an den Bundesligisten. „Die haben mich einfach mit nach Belek ins Trainingslager genommen. Ich saß sogar bei den Testspielen gegen Kaiserslautern und Everton auf der Bank“, erinnert sich Horsch an sein Praktikum bei Werder während seiner Ausblldung zum Fußballlehrer.

Jetzt ist er ein echtes Mitglied des Trainerstabs von Werder. Doch so ein Riesenunterschied zu früher sei das gar nicht, behauptet Horsch: „Ein Jugendtrainer beim VfL 07 Bremen macht sich ähnliche Gedanken wie wir. Nur die Rahmenbedingungen sind ganz andere. Wir haben viel talentiertere Spieler.“

„Wir erarbeiten alles gemeinsam“

Und ein interessantes Trainerteam: Horsch ist mit 49 Jahren deutlich der älteste, es folgt Co-Trainer Tim Borowski mit 37 Jahren. Der Chef Florian Kohfeldt (35) ist der Jüngste. „Wir erarbeiten alles gemeinsam, es gibt keine Spezialgebiete“, sagt Horsch durchaus stolz, er fühlt sich dadurch voll eingebunden. Einerseits ist er dabei froh, „nicht in der ersten Reihe zu stehen und den ganz großen Druck zu haben. Aber der Reiz des Cheftrainerpostens ist es auch, die letzte Entscheidung zu treffen.“ Deswegen will er nicht ausschließen, dass es irgendwann sogar noch eine Stufe höher geht: „Ich stehe hier aber nicht am Spielfeldrand und hoffe auf Anrufe.“

Wer hätte das alles gedacht, als Horsch vor 17 Jahren seinen Sohn zum Training gebracht hat. „Da standen die Jugendtrainer wie in so vielen Vereinen nicht gerade Schlange“, erinnert sich Horsch und fügt noch schmunzelnd an: „Da bin ich nicht schnell genug weggekommen . . .“

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