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Ausstattung und Zustand des Nachwuchsleistungszentrums an Platz 11 sind Werder Bremen ein Dorn im Auge.

Problemzone Pauliner Marsch

Werders Pläne mit dem Nachwuchs-Leistungs-Zentrum gehen nur schleppend voran

Bremen - Werder Bremen will sein Nachwuchsleistungszentrum dringend modernisieren - sonst droht der Club von der Bundesliga-Konkurrenz abgehängt zu werden. Aber die Planungen gehen nur schleppend voran.

Die Besichtigung war fast vorbei, der umworbene Mann hatte sich alles in Ruhe zeigen lassen – zum Abschluss hatte er dann noch ein paar Nachfragen. Wo er denn hier zwischen den Einheiten essen könne, wollte er wissen. Und wo genau sich nochmal die Ruhe- und Athletikräume befänden. Sehr wohl gefühlt haben dürfte sich Björn Schierenbeck in diesem Moment nicht. Der Direktor von Werders Nachwuchsleistungszentrum musste dem potenziellen Neuzugang für die U23-Mannschaft möglichst behutsam erklären, dass es diese Räume im Gebäude an Platz 11 gar nicht gibt.

Wie genau der junge Fußballer daraufhin geguckt hat, ist nicht überliefert. Seine Reaktion hingegen schon: Er entschied sich gegen einen Wechsel zu Werder. Es ist nur eine kleine Episode, von der Schierenbeck erzählt, aber sie verdeutlicht, dass Werder im Rennen um Talente unter großem Druck steht, sein Nachwuchsleistungszentrum dringend modernisieren muss. Das wissen sie im Verein schon lange, eine baldige Lösung des Problems ist aber nicht absehbar.

Werder Bremen hängt der Konkurrenz hinterher

Im Vergleich zur Bundesliga-Konkurrenz genügen Zustand, Größe und Ausstattung des Bremer Nachwuchsleistungszentrums den Ansprüchen schon lange nicht mehr. Während Clubs wie beispielsweise Leipzig, Hamburg, Hannover und Hoffenheim die Talente mit luxuriösen Einrichtungen beeindrucken, versprühen die Kabinen von Platz 11 eher den Charme einer Bezirkssportanlage. „Wir müssen dringend etwas tun“, betont Björn Schierenbeck. „Sonst besteht die Gefahr, dass wir im Rennen um die Talente den Anschluss verlieren.“

Es gehe dabei weniger um Luxus und Stil, sondern vielmehr um die Funktion, sagt er. Die Anlage sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. „Alles hat sich weiterentwickelt. Die Kader und Trainerteams sind größer geworden, arbeiten aber immer noch in den alten und viel zu kleinen Räumen“, betont Schierenbeck – und bringt es letztlich auf den Punkt: „Wir brauchen keinen Hochglanztempel, aber einen gewissen Standard sollten wir bieten können.“

Björn Schierenbeck ist Leiter von Werders Nachwuchsleistungszentrum.

Ein Architekturbüro ist gerade dabei, Pläne für eine mögliche Modernisierung des Gebäudes in der Pauliner Marsch zu erarbeiten. Spätestens im Herbst will Werder damit auf Anwohner und Politik zugehen. „Das Ganze geht nur im Dialog“, weiß Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald. Der Bremer Sportsenatorin Anja Stahmann hat er die Anlage bei einer Besichtigung bereits vorgeführt. „Sie hat gesagt: Ich sehe ein, dass hier etwas passieren muss“, berichtet der 56-Jährige, der mit seinen Plänen eigentlich schon ein ganzes Stück weiter sein wollte.

Bereits im Januar – so die Vereinbarung – sollte ein beauftragter Architekt Werder mögliche Umbauvarianten vorlegen. „Dann war er für uns aber plötzlich nicht mehr zu erreichen“, ärgert sich Hess-Grunewald. Ein neuer Architekt musste her, der Club fing wieder von vorne an. Dadurch sei wertvolle Zeit verloren gegangen. „Es gibt für uns ja noch genug andere Hürden zu meistern“, weiß der Präsident.

Falls eine Modernisierung nicht geht, muss ein Umzug her

Die wohl größte sind die baurechtlichen Auflagen, die am Standort Pauliner Marsch berücksichtigt werden müssen. Nicht alles, was Werder gerne hätte, ist erlaubt, weil die Pauliner Marsch ein Überschwemmungsgebiet ist. Bei einem Weser-Hochwasser soll das Gebiet volllaufen und damit den Druck vom Osterdeich nehmen. Per Wasserhaushaltsgesetz ist die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen in Überschwemmungsgebieten untersagt, was die Modernisierungspläne in unmittelbarer Nähe zum Weserstadion stark einschränkt. Zudem müsste der Verein sehen, wie er die Anlage vor einem möglichen Hochwasser schützt.

Bisher ist nur das Stadion durch den Sommerdeich und zusätzliche Spundwände abgesichert, sämtliche Trainingsplätze und das Gebäude an Platz 11 sind es nicht. „Das ist ein ganz zentraler Punkt“, sagt Hess-Grunewald – und fasst zusammen: „Für uns ist die Frage entscheidend, in welchem Rahmen wir uns am Standort Pauliner Marsch entwickeln können.“ Sollte sich dieser Rahmen als nicht passend erweisen, komme Plan B auf den Tisch: ein Umzug. „Das muss man dann in Ruhe diskutieren, klar. Wir müssen uns als Verein weiterentwickeln“, sagt Klaus Filbry, der Vorsitzende von Werders Geschäftsführung.

Werder will die Bedingungen verbessern, damit Top-Talente wie David Philipp ihre Zukunft beim SVW sehen.

Werder hat in dieser Sache seine Fühler schon ausgestreckt, wie Jens Tittmann, der Sprecher von Bremens Bausenator Joachim Lohse, erklärt: „Es gab ein Gespräch zwischen Herrn Hess-Grunewald und Herrn Lohse, bei dem die Stadt zugesagt hat, Werder bei der Suche nach einer neuen Fläche zu helfen.“ Dass die Stadt Bremen Werders Nachwuchsleistungszentrum gerne innerhalb der Stadtgrenzen behalten möchte, ist klar.

Nach Informationen der DeichStube hat sich der Verein aber auch schon im niedersächsischen Umland umgesehen. Wirklich weg aus der Pauliner Marsch will bei Werder allerdings keiner, aktuell trainieren alle 45 Mannschaften des Vereins dort. Die Weser, das Stadion, die Nähe zur Stadt – das ist so etwas wie Werders DNA. „Wir sind alle Romantiker und wollen an diesem Standort bleiben“, betont Tim Steidten, Leiter der Abteilung Kaderplanung und Scouting, der sich als Aktiver früher – genau wie Schierenbeck – selbst in den Kabinen von Platz 11 umgezogen hat.

Filbry will in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Lösung

Ob nun Modernisierung in der Pauliner Marsch oder Neubau irgendwo anders –Klaus Filbry möchte das Thema in den „nächsten drei bis fünf Jahren“ umgesetzt haben. Im Frühjahr hatte Werder bei der Zertifizierung des Leistungszentrums von DFL und DFB zwar erneut die Bestwertung von drei Sternen erhalten – allerdings in erster Linie für die Punkte Konzeption, Qualität und Stellenwert im Verein. „Es gab den klaren Hinweis an uns, dass wir bei der Ausstattung etwas tun müssen“, berichtet Hess-Grunewald.

Wie genau Modernisierung oder möglicher Neubau finanziert werden sollen, steht laut dem Präsidenten noch nicht fest: „Ob wir es über den laufenden Haushalt, mit Hilfe eines Sponsors oder eines Darlehens machen, müssen wir sehen, wenn alles andere geklärt ist.“ Eine Sache dürfe es laut Hess-Grunewald in Zukunft jedenfalls nicht mehr geben. „Es kann nicht sein, dass die Hälfte unserer U23 bei Besprechungen in der Kabine auf dem Boden sitzen muss, damit wir eine Leinwand runterlassen können“, betont er. Das dürfte der Spieler, der Schierenbeck damals nach der Besichtigung einen Korb gab, ähnlich gesehen haben.

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