Soeben war Sebastian Prödel der späte Bremer Ausgleich gelungen. Deshalb wurde er von Tim Wiese, Clemens Fritz und Sandro Wagner verfolgt.

2:2 – Prödl krönt Werders fulminante Aufholjagd

Von Arne Flügge · Hurra, sie leben noch! Dank einer unglaublichen Energieleistung in der Schlussviertelstunde riss Werder Bremen gestern Abend ein fast schon verlorenes Spiel noch aus dem Feuer und feierte beim 2:2 (0:1) gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen nicht nur einen Punkt für die Moral, sondern auch einen ganz wichtigen im Abstiegskampf.

Nachdem Leverkusen die Bremer über weite Strecken klar dominiert hatte und nach Toren von Eren Derdiyok (42.) und des Ex-Bremers Simon Rolfes (67.) schon mit 2:0 geführt hatte, machte Werder das schier Unmögliche doch noch möglich. Zunächst unterlief Bayer-Stürmer Stefan Kießling ein Eigentor (82.). Nach einer Hereingabe von Florian Trinks hatte Per Mertesacker den Nationalstürmer hart bedrängt. „Merte“ war zunächst als Torschütze gefeiert worden, klärte später aber auf: „Ich hab’s leider nicht gemacht. Wichtig ist aber, dass ich es erzwungen habe.“

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 2:2

Werder Bremen hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einen wichtigen Punkt gerettet. Der Ex-Meister kam am Sonntag gegen den Tabellen-Zweiten Bayer Leverkusen nach einem 0:2-Rückstand noch zu einem 2:2 (0:1). © nordphoto
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So, wie sich die Bremer in einer fulminanten Schlussphase – angefeuert von knapp 38 000 Fans – mit Gewalt gegen die Niederlage gestemmt hatten. Mit Erfolg: In der Nachspielzeit köpfte Sebastian Prödl eine Hereingabe von Aaron Hunt zum 2:2 in die Maschen – und dann gab’s für den Österreicher kein Halten mehr. Prödl rannte fast über das gesamte Feld, konnte von seinen Kollegen kaum eingefangen werden. Mit beiden Händen formte der 23-Jährige immer wieder ein Herz. „Das galt meiner Freundin“, verriet der Nationalspieler später: „Dieses Tor zu erzielen, auch noch vor der Kurve unserer Fans, das war ein Super-Gefühl, ein schöner Moment, der mir sehr viel bedeutet.“ Wichtiger war ihm aber noch, dass die Mannschaft nach dem Rückstand wieder aufgestanden ist. „Wir haben gezeigt, dass wir da sind. Wir haben uns dieses Unentschieden erkämpft“, strahlte Prödl: „Es war ein gefühlter Sieg.“

Werders Noten gegen Leverkusen

Tim Wiese: So nah liegt bei Torhütern manchmal Welt- und Kreisklasse beieinander: Erst eine Riesenparade nach Derdiyok-Schuss, dann Sekunden später beim 0:1 eine ängstliche Irrfahrt durch den Fünf-Meter-Raum. Note 4 © nordphoto
Dominik Schmidt (bis 68.): Ein Arbeiter – mehr nicht auf der rechten Abwehrseite. Note 4 © nordphoto
Per Mertesacker: Sein Pannen-Derby hatte er gut verarbeitet. Ordentliche Abwehrarbeit, und vorne wieder wertvoll: Der Nationalspieler zwang Kießling im Stile eines Topstürmers zum Eigentor. Note 2,5 © nordphoto
Sebastian Prödl: Rettung in letzter Minute: Nach einer schwachen Leistung inklusive Tiefschlaf beim 0:1 sicherte er Werder per Kopf noch einen Punkt und sich die Note 3 © nordphoto
Mikael Silvestre: Gegen den schnellen Sam – wie sollte das nur gutgehen? Es ging, weil der Franzose hoch konzentriert und knallhart agierte. Note 3,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 59.): Fand als Frings-Ersatz vor der Abwehr einfach nicht ins Spiel. Kam nicht in die Zweikämpfe, fehlerhaft im Spielaufbau. Note 4,5 © nordphoto
Clemens Fritz: Vorbildliches Engagement im rechten Mittelfeld, aber wirklich effektiv war das viel zu selten. Note 4 © nordphoto
Tim Borowski (bis 37.): Nach diversen Verletzungen und Erkrankungen zurück in der Startelf, aber nur für 37 Minuten. Dann schied er mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus, Teamkollege Schmidt war ihm unglücklich in die Quere gekommen. Schade, Borowski hatte ordentlich gespielt. Note 3,5 © nordphoto
Florian Trinks: Werder brauchte dringend frisches Blut, und der 18-Jährige lieferte es. Tolles Startelf-Debüt – und das sogar als Spielmacher. Vorbereiter beim 1:2 mit einer Linksflanke, allerdings zuvor auch indisponiert beim 0:2. Deshalb nur die Note 3 © nordphoto
Sandro Wagner: Okay, torgefährlich war er nur einmal (76.). Aber ansonsten sehr aktiv, legte auch gut ab, wenngleich Probleme bei der Ballkontrolle nicht zu übersehen waren. Note 4 © nordphoto
Claudio Pizarro: Wieder da, aber kaum zu sehen. Ein unglückliches Comeback, mit einer vergebenen Riesenchance als negativer Krönung. Note 4,5 © nordphoto
Aaron Hunt (37.): Bis kurz vor Schluss konnten alle sehen, warum ihn Coach Schaaf auf die Bank verbannt hatte. Doch dann bereitete Hunt das 2:2 glänzend vor. Note 4 © nordphoto
Marko Marin (59.): Noch ein Verbannter, dessen einzige gute Szene Wagner nicht vollendete. Note 4,5 © nordphoto
Marko Arnautovic (ab 68.): Auffälliger als seine beiden ebenfalls geschassten Kollegen. Note - © nordphoto

Doch eben nur ein gefühlter. Die Sorgen im Abstiegskampf sind nicht geringer geworden. Werder rutschte durch den Sieg des VfL Wolfsburg vom 14. auf den 15. Platz ab, ist weiterhin nur einen Zähler vom Relegationsplatz entfernt. „Es ist wichtig, jetzt mal endlich drei Punkte einzufahren“, meinte Prödl, „ich denke aber, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wenn wir so weiter kämpfen.“

Diesen festen Glauben hatte auch Florian Trinks. Der 18-Jährige („Es war ein erster Schritt, jeder hat begriffen, um was es geht“) feierte ein gutes Startelf-Debüt im offensiven Mittelfeld: „Es war ein gutes Gefühl. Ich bin froh über das Vertrauen des Trainers und denke, etwas zurückgegeben zu haben.“ Die Bestätigung folgte umgehend von Thomas Schaaf: „Florian hat seine Sache sehr gut gemacht. Das freut mich für ihn.“ Aber auch für die anderen Spieler hatte der Coach ein Lob bereit: „Die Mannschaft hat den Glauben an sich nicht aufgegeben, ist ein unglaubliches Risiko gegangen und hat sich dafür belohnt.“

Schaafs Kollege Jupp Heynckes hingegen haderte mit der schwachen Schlussphase seiner Mannschaft, die nach der Gelb-Roten Karte für Arturo Vidal (87.) die Partie sogar in Unterzahl bestreiten musste. „Wir waren am Ende nicht clever und nicht cool genug und haben uns den Sieg noch aus der Hand nehmen lassen. Wir sind selbst schuld“, seufzte der 65-Jährige.

Quelle: kreiszeitung.de

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