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Neun Tore in elf Pflichtspielen 2019: Milot Rashica startet bei Werder Bremen durch.

„Milot kann noch sehr viel mehr“

Rashica-Berater Lala: Sommer-Abgang „absolut kein Thema“

Gelsenkirchen – Ballannahme mit links, zwei, drei Mal auf der Stelle getrippelt, dann ein Schritt Anlauf – und schon war das Geschoss unterwegs. Es war ein Bewegungsablauf, so schnell, so präzise und auf so engem Raum ausgeführt, dass das Wort „ansatzlos“ im Grunde gar nicht ausreicht, um ihn zu beschreiben.

Blitzartig war es, unerwartet, frech und vor allem wunderschön, was Milot Rashica am Mittwochabend in der 65. Minute zeigte: Per herrlichem Distanzschuss aus halbrechter Position brachte der Stürmer Werder Bremen im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Schalke 04 mit 1:0 in Führung. Ein Traumtor als Grundstein für den späteren 2:0-Erfolg. Und ein weiterer Beleg für Rashicas aktuelle Topform.

In nun elf Pflichtspielen im Jahr 2019 hat der 22-Jährige neun Tore erzielt. Seinen Berater Altin Lala überrascht das nicht. „Ich wusste immer, dass Milot mit seinen Fähigkeiten sehr viel erreichen kann“, sagt der Ex-Profi von Hannover 96 im Gespräch mit der DeichStube. Einen Sommer-Wechsel seines Schützlings schließt Lala aus. Er verspricht: „Milot kann noch sehr viel mehr.“ Und wer sollte das besser wissen als Lala? Schließlich verbindet Profi und Agent eine ganz besondere Beziehung – eine, die so im modernen Fußball eigentlich gar nicht mehr vorkommt.

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Lala trifft Rashica zufällig: „Den Jungen unterstütze ich“

Sechs Jahre ist es jetzt her, da saß Altin Lala in Hannover vor dem Fernseher, neben ihm sein Sohn, der für diese Geschichte noch wichtig wird – schließlich ist er eine Art Kronzeuge für das gute Auge des Vaters. U21-Testspiel, Kosovo gegen Ghana, „da ist mir sofort dieser Junge aufgefallen“, erinnert sich Lala. Milot Rashica, damals gerade einmal 16 Jahre alt, aber dennoch schon einer der besten in der U21 seines Heimatlandes. „Ich habe zu meinem Sohn gesagt: Auf den musst du achten, der ist richtig gut“, sagt Lala, der Rashica ein halbes Jahr später persönlich kennenlernen sollte. Wieder ein Zufall, denn den Namen des Talents hatte sich der ehemalige Mittelfeldspieler nach dem familiären Fernsehabend gar nicht gemerkt.

Da musste schon ein weiteres Länderspiel, eine weitere starke Leistung von Rashica her – und dieses Mal war Lala live im Stadion dabei. „Da sind wir in Kontakt gekommen, und sein Vater war auch dabei.“ Die Chemie stimmte, und in Lala reifte ein Plan: „Diesen Jungen unterstütze ich auf seinem Weg nach oben.“ Es sollte kein geradliniger Weg werden.

Ex-Profi und Spielerberater Altin Lala nahm Milot Rashica wie einen Ziehsohn bei sich in Hannover auf.

Kreuzbandriss verhindert Probetraining bei Hannover 96

In seiner Heimat Kosovo hatte Rashica als Kind in einer Fußballschule mit dem Kicken begonnen. Später, als 16-Jähriger, gibt er sein Debüt für den KF Kosova Vushtrria in der ersten Liga des Landes, lernt Lala kennen und wechselt nach Arnheim in die Niederlande. Für seinen Berater ist es damals allerdings nur Plan B, denn zuvor hatte Lala bereits versucht, Rashica bei seinem Ex-Club Hannover 96 unterzubringen.

„Ein Probetraining war schon organisiert, aber dann hat sich Milot das Kreuzband gerissen“, berichtet der 43-Jährige, der seinen Schützling daraufhin bei sich in Hannover aufnimmt. Operation, Reha – Lala organisiert alles, fast ein Jahr lang lebt Rashica bei ihm wie ein Sohn. Der Fahrplan des Duos: Drei Monate Hannover, dann zurück in den Kosovo, um dann – sobald möglich – wieder nach Deutschland zu kommen. „Er durfte wegen seines Aufenthaltsstatus nie länger als 90 Tage am Stück in Deutschland bleiben“, erklärt Lala, der sich in Rashica damals ein Stück weit wiedererkannt hat.

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„Milot, ich will ein Kind von dir“: Netzreaktionen zu #S04SVW

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Wechsel kein Thema: Rashica soll sich in Bremen entwickeln

Während einer Reise mit dem albanischen U16-Nationalteam war Lala einst nach Deutschland geflüchtet – mit dem Fußball als einzige Perspektive. SpVgg Hosenfeld, Borussia Fulda, Oberliga statt Oberhaus – für die große Karriere spricht lange Zeit nicht viel, ehe 1998 plötzlich Zweitligist Hannover 96 anklopft. Lala bestreitet in den kommenden 14 Jahren 320 Pflichtspiele für die Roten, wird zur Vereinslegende – und knüpft Kontakte für die Zeit nach der Karriere. Heute betreibt der Ex-Profi gemeinsam mit Dirk Rossmann 14 Drogerien im Kosovo und in Albanien. „Den Job als Spielerberater mache ich nur punktuell“, sagt er. „Ich möchte Talenten helfen.“ Es sind bodenständige Aussagen eines Mannes, der genau darauf achtet, dass auch Milot Rashicas Weg stetig und richtig und nicht zu steil und riskant verläuft.

Für Werder ist das nur gut – denn es bedeutet: Um einen Sommer-Abgang des Mannes, den sie in Bremen „Rakete“ nennen, müssen sich Fans und Verantwortliche nicht sorgen. „Nein, das ist für uns absolut kein Thema“, betont Lala, bei dem sich bisher auch noch kein Interessant gemeldet hat: „Es liegt nichts vor.“ Aber selbst wenn sich das ändern sollte: Lala würde Rashica dazu raten, bei Werder die nächsten Schritte zu machen. „Milots Vertrag läuft noch bis 2022. Erst seit drei Monaten spielt er in Bremen richtig gut“, sagt der Berater – und betont: „Wir bleiben ganz ruhig und wollen einen Step nach dem anderen machen.“ Altin Lala weiß schließlich aus eigener Erfahrung, dass sich das am Ende auszahlen kann.

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