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Fütterzeit: Andreas Reinke ist Landwirt geworden und versorgt seine Schweine, die er liebevoll "meine Bratwürstchen" nennt

Werder Bremens Meister-Torwart lebt heute als Landwirt zurückgezogen in seiner Heimat

Reinke – ein tierisches Vergnügen

Bremen/Bölkow - Von Arne Flügge - Eine himmlische Ruhe umgibt das abgelegene Dörfchen Bölkow. Hier, im Herzen Mecklenburgs, fernab von Mief und Lärm der Großstädte; hier, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, ist die Natur noch Natur geblieben.

Vom großen Inselsee, der einen Steinwurf entfernt liegt, zieht feucht-kalte Luft über die Wälder und Wiesen. Es riecht, als würde bald der erste Schnee fallen.

Am Ausgang des Dorfes liegt ein alter Gutshof mit Stallungen und einem Herrenhaus, vor dem sich eine große, alte Linde aufgebaut hat. Außer einem leisen Rauschen des Baumes ist nichts zu hören. Plötzlich durchschneidet das dröhnende Knattern einer Motorsäge die Stille. „Moin, moin“, ruft Andreas Reinke, nachdem er die Linde bearbeitet hat. Pullover, dunkle Weste und Hose sind mit Sägespänen übersät, die rote Kappe hat er tief ins Gesicht gezogen. In diesem Moment kann man sich nur schwer vorstellen, dass der Mann vor gut zwei Jahren noch das Tor von Fußball-Bundesligist Werder Bremen gehütet hat.

Ein Bild aus alten Tagen: Andreas Reinke mit der Meisterschale.

Wir sind zum Interview verabredet. Doch das muss warten. Es ist gerade Fütterungszeit, und die duldet keinen Aufschub. Fütterungszeit? Ja, es ist kaum zu glauben: Andreas Reinke ist Landwirt geworden. Und das mit Leib und Seele.

Wir gehen durch einen Stall hinaus auf eine kleine Weide. Und allein die Anwesenheit des Hausherren hier lässt das bislang noch leichte Grunzen seiner Schweine in ein ohrenbetäubendes Quieken und Kreischen umschlagen. In Windeseile scharen sich die Borstenviecher um Reinke, während er das Futter ausstreut. „Angefangen hat das an meinem 40. Geburtstag im Januar“, sagt Reinke, „da habe ich von Kumpels zwei Schweine geschenkt bekommen.“ „Kotelett“ und „Schnitzel“ hat er sie getauft. Reinke hatte schon immer Humor. Beide sind längst ihrer Bestimmung übergeben worden und in der Kühltruhe gelandet.

Mittlerweile hat Reinke acht neue Schweine. Namen hat er ihnen diesmal nicht gegeben. Er nennt sie nur „meine kleinen Bratwürstchen“. Dazu kommen drei Schafe, fünf Enten, drei Gänse, zwei Kaninchen – die gerade Nachwuchs erwarten – und sechs Hühner. „Es waren mal acht, doch zwei haben die Flucht ergriffen“, grinst Reinke. Bald sollen noch zwei Pferde sowie ein paar Kühe dazukommen. Und zu einem Hof gehört natürlich auch ein Hund. Die einjährige Leonberger-Hündin „Fira“ ist ständig an seiner Seite. Und sie ist – groß wie ein Kalb – Respekt einflößend! Die Landwirtschaft „liegt mir ein bisschen im Blut“, sagt Reinke. Seine Eltern und Großeltern hatten ebenfalls Tiere. „Und da war abzusehen, dass ich nach meiner Karriere auch mal so etwas mache.“

Lesen Sie den zweiten Teil der Reportage

Reinke – ein tierisches Vergnügen Teil 2

Wir sitzen mittlerweile bei Andi Reinke im Wohnzimmer. Der große Kamin knistert und strahlt eine wohlige Wärme aus. Das Holz zum Heizen macht Reinke natürlich selbst. Wie alles, was auf dem Hof an Arbeit anfällt. Als er das rund ein Hektar große Grundstück vor gut eineinhalb Jahren kaufte („Ein Glücksfall, so etwas findet man selten“), war noch eine Menge zu tun, besonders an den Stallungen. „Ich bin Handwerker durch und durch“, sagt der Ex-Bremer: „Da fällt es mir natürlich etwas leichter.“ Reinke räumt aber auch ein, dass es Knochenarbeit war und ist, seinen Traum vom eigenen Hof zu verwirklichen: „Die Kommunisten hatten das Anwesen doch völlig kleingekloppt.“ Auf das SED-Regime der ehemaligen DDR war Reinke nie gut zu sprechen. Und er ist es auch heute nicht. Weil er nie in die Partei eintreten wollte, durfte er nicht in der DDR-Oberliga spielen, blieb bis zur Wende bei seinem Heimatverein Dynamo Schwerin. „Damals wurdest du nicht transferiert, sondern delegiert“, erinnert sich Reinke. „Und wenn ich dann als Jugendlicher mal in der Disco über den Zappen gehauen habe, hatte ich gleich am nächsten Tag die ,feinen‘ Herren im Nacken…

Andreas Reinke - bei Werder und heute

Vor der Saison 2003/2004 wechselte Andreas Reinke aus Spanien an die Weser. © Nordphoto
In Spanien war der damals 34-Jährige zum Torwart des Jahres gewählt worden und auch... © Nordphoto
bei Werder knüpfte er an die starken Leistungen an. © Nordphoto
Die Saison 2203/2004 bleibt den Fans in bester Erinnerung, denn nicht nur die Meisterschaft durften sie bejubeln, sondern... © Nordphoto
auch der DFB-Pokal ging in die Reihen der Grün-Weißen über. © Nordphoto
Bis heute ist Andreas Reinke der einzige Stammkeeper dem es gelang, mit zwei Bundesligateams den Meistertitel zu holen. © Nordphoto
1998 wurde Reinke bereits mit dem 1. FC Kaiserslautern Meister © Nordphoto
Bis zum 8. Februar 2006 war Reinke Stammkeeper bei Werder, für die er in der Bundesliga insgesamt 91 Mal auf dem Feld stand. © Nordphoto
Dann kam das folgenschwere Spiel gegen den VfB Stuttgart. Nach einem Zusammenprall mit Martin Stranzl... © Nordphoto
musste Reinke mit mehreren Frakturen im Gesicht ins Krankenhaus gebracht werden. Im Anschluss daran bestritt er nur noch zwei Ligaspiele für die Grün-Weißen. © Nordphoto
Nach seinem Karriereende wurde Andreas Reinke auch offiziell im Weserstadion verabschiedet. © Nordphoto
Mittlerweile lebt der 40-Jährige zurückgezogen auf einem Hof in Bölkow. © Mediengruppe Kreiszeitung / Arne Flügge
Auch wenn sein Leben sich mittlerweile um die Landwirtschaft dreht, ... © Mediengruppe Kreiszeitung / Arne Flügge
dass Fußballspielen hat er dennoch nicht aufgegeben. © Mediengruppe Kreiszeitung / Arne Flügge
Reinke – ein tierisches Vergnügen Teil 2

Die Stasi hatte seine Familie ohnehin auf dem Kieker, weil seine Mutter in der Nähe von Bremen Westverwandtschaft hatte. Reinkes Vater war früher im Fernverkehr tätig. Auch er weigerte sich, das Parteibuch zu tragen. „Und abends in der Kneipe hat er dann nach drei Bier auch kein Blatt mehr vor den Mund genommen. Ruckzuck war er dann wieder seinen Führerschein los. Diese Typen saßen doch überall.“

Quelle: kreiszeitung.de

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