Sebastian Prödl kauft in London einen Weihnachtsbaum und lässt sich stilecht neben einer englischen Telefonzelle ablichten.

Ex-Werder-Profi will rund um Weihnachten endlich gewinnen

Sebastian Prödl: Erst Tafelspitz, dann volles Rohr

London - Besinnliche Feiertage? Nicht für Fußballer in England. Die spielen, was das Zeug hält. Und Ex-Werder-Profi Sebastian Prödl will rund um Weihnachten und Silvester mit dem FC Watford endlich mal gewinnen.

Der Hinweis schmerzt. „Echt?“, fragt Sebastian Prödl ungläubig zurück. Die DeichStube hat den ehemaligen Werder-Profi soeben aufgeklärt, dass er noch kein Spiel am und rund um den verrückten Boxing Day in der Premier League gewonnen hat. „Das wird sich ändern, jetzt bin ich noch motivierter“, verspricht Prödl, der seit zweieinhalb Jahren für den FC Watford verteidigt. Auf ihn wartet ein Mammutprogramm mit vier Spielen in elf Tagen – und das ohne Rücksicht auf Weihnachten und den Jahreswechsel.

„Die englischen Fußball-Fans lieben diese Zeit“, sagt Prödl: „Und als Spieler hast du das Gefühl, die ganze Welt schaut zu.“ Das gilt ganz speziell für den 26. Dezember, also den 2. Weihnachtstag, der auf der Insel Boxing Day genannt wird. Geschenkschachteltag heißt das übersetzt. Früher wurden da Bedienstete von ihren Chefs beschenkt, heute ist es vor allem ein verkaufsoffener Feiertag mit großen Rabattschlachten. „Da geht es in der Stadt richtig rund“, berichtet Prödl.

Sebastian Prödl: Seine Karriere in Bildern

Sebastian Prödl
Sebastian Prödl begann seine Laufbahn in der Jugend des österreichischen Clubs Sturm Graz, ab 2007 lief er für die Profis auf. © imago
Sebastian Prödl
Im Sommer 2008 verpflichtete Werder Bremen den jungen Innenverteidiger. © nordphoto
Sebastian Prödl
Bereits nach der ersten Saison gab es einen Titel. Prödl gewann den DFB-Pokal nach einem 1:0 im Finale gegen Bayer Leverkusen. © nordphoto
Sebastian Prödl
Während er anfangs immer wieder von Verletzungen gebremst wurde, war er nach zwei Jahren fest in der Verteidigung gesetzt und ab da ein sicherer Rückhalt für das Team.  © nordphoto
Sebastian Prödl
Auch vorne fiel Prödl ab und zu auf, er erzielte in seiner Zeit an der Weser zehn Tore für die Grün-Weißen.  © nordphoto
Sebastian Prödl
Im Sommer 2015 zog es ihn schließlich ins Ausland, der englische FC Watford wurde sein neuer Verein.  © imago
Sebastian Prödl
Sein Debüt für die österreichische Nationalmannschaft gab er bereits 2007, zuvor spielte er in den Junioren-Teams. © imago
Sebastian Prödl
Mit Österreich nahm er auch 2008 an der Europameisterschaft teil, schied allerdings in der Vorrunde aus.  © imago
Sebastian Prödl
2016 gab es die zweite EM-Teilnahme für Prödl, nach der Vorrunde war auch hier Endstation.  © imago

Der Österreicher kennt das allerdings nur vom Hörensagen, denn der 30-Jährige steht an diesem Tag auf dem Rasen. Die Premier League lässt schon ab mittags spielen – und das bis in den Abend hinein. Prödls FC Watford empfängt Leicester City: „Ein Heimspiel ist dann natürlich super.“ Nicht nur wegen der eigenen Fans, sondern auch wegen der Familie. Die kommt zu Weihnachten zahlreich aus Österreich angereist und hat dank des Heimspiels in London, wo der FC Watford beheimatet ist, etwas mehr von ihrem Sebastian.

Nur am 23. Dezember nicht, denn da beginnt für Prödl die verrückte Zeit mit dem Auswärtsspiel bei Brighton & Hove Albion. Heiligabend wird natürlich trainiert, am ersten Weihnachtstag ebenso. „Dazwischen hoffe ich schon auf ein paar besinnliche Stunden mit meiner Freundin und meiner Familie“, sagt Prödl. Damit sich alle wohlfühlen, hat er selbstverständlich einen Weihnachtsbaum besorgt. „Natürlich einen echten. Ich brauche diesen Duft. Und wir sind eine Tischler-Familie, da kann ich ja keinen Plastikbaum aufstellen.“ Prödl lacht. Weihnachten macht ihm doppelt Spaß: Viel Fußball, viel Familie – das passt.

Prödl: „Wir dürfen trotz Weihnachten nicht träumen“

Nur beim Essen wird es etwas schwierig. „Da musst du als Profi schon einen Spagat hinkriegen“, gesteht Prödl. Er freut sich auf das Tafelspitz seiner Mutter an Heiligabend. „Das schmeckt super, aber zu viel darf ich auch nicht schlemmen.“ Schließlich ist das nächste Spiel am 2. Weihnachtstag schon in Sichtweite. Und die Premier League kennt auch danach keine Gnade. Weiter geht es für den FC Watford bereits am 30. Dezember gegen Swansea City und dann am 2. Januar bei Manchester City. „Das ist schon hart“, gesteht Prödl und stöhnt: „Dieses Jahr gab es auch noch zwei Englische Wochen direkt vor Weihnachten.“

Für Watford lief es dabei nicht so gut. „Wir haben zwar gar nicht so schlecht gespielt, aber nicht gepunktet. Deswegen ist der Druck doch etwas gestiegen.“ Der Club steht zwar im Mittelfeld, hat aber nur sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Die seien bei so vielen Partien in so kurzer Zeit schnell mal verspielt. „Diese Zeit ist wegweisend“, glaubt Prödl: „Deswegen dürfen wir trotz Weihnachten nicht träumen, sondern müssen volles Rohr geben.“

DeichBlick-Kolumnen von Sebastian Prödl:

„Wenn nicht jeder hellwach ist, droht der Super-Gau!“

„Ein Debakel hätte alle aufgerüttelt!“

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare