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Sebastian Prödl – vor seinem Friseur-Besuch.

Vor Länderspiel Österreich gegen Deutschland

Prödl im Interview: „Wir wollen nicht nur ein Sparringspartner sein“

Bremen - Anruf bei Sebastian Prödl – und der Österreicher ist bestens gelaunt. „Ich sitze gerade beim Friseur“, sagt der Ex-Werder-Profi und lacht. Auch das gehört zur Vorbereitung auf das Länderspiel am Samstag gegen Deutschland (18 Uhr/ZDF).

„Das ist schon ein besonderes Match für uns“, gesteht der 30-Jährige, der im Interview mit der DeichStube aber nicht nur über seine Frisur und den Vergleich mit Deutschland spricht, sondern auch über die Rückkehr seines Landsmannes Martin Harnik zu Werder und seine eigenen Pläne beim FC Watford in der Premier League.

Herr Prödl, wir erwischen Sie gerade beim Friseur. Lassen Sie sich einen speziellen Schnitt für das Länderspiel gegen Deutschland verpassen – vielleicht sogar etwas Kämpferisches?

Sebastian Prödl: (lacht) Nein, nein – so etwas brauche ich nicht. Aber das ist bei der Nationalmannschaft schon ganz praktisch. Da kommt immer ein sehr guter Friseur. Aber keine Sorge: Ich bleibe ich.

Am Samstag geht es gegen den Weltmeister – sind Sie schon ein wenig nervös?

Prödl: Natürlich ist das ein besonderes Match für uns, ein ziemlich schwieriges sogar. Da müssen wir ein ganz dickes Brett bohren. Die Deutschen werden voll motiviert sein, wollen sich optimal auf die WM vorbereiten. Wir sind leider nicht dabei, aber auch wir wollen uns vorbereiten – auf die Nations League im Herbst.

Was wäre denn ein gutes Ergebnis?

Prödl: Ein 1:1 oder ein 2:2 wäre schon gut für uns. In Heimspielen gegen Deutschland hatten wir immer eine Chance und haben dann doch nicht gewonnen. Das würde ich schon mal gerne ändern. Wir wollen nicht nur ein Sparringpartner sein, sondern dafür sorgen, dass die Deutschen an ihre Grenzen gehen müssen.

Auf welchen deutschen Nationalspieler freuen Sie sich am meisten?

Prödl: Nils Petersen natürlich – mit ihm und auch Mesut Özil habe ich bei Werder gespielt. Ich hoffe, dass er auch zum Einsatz kommt, dann wird er sicher mein Gegenspieler sein.

Sebastian Prödl: Seine Karriere in Bildern

Sebastian Prödl
Sebastian Prödl begann seine Laufbahn in der Jugend des österreichischen Clubs Sturm Graz, ab 2007 lief er für die Profis auf. © imago
Sebastian Prödl
Im Sommer 2008 verpflichtete Werder Bremen den jungen Innenverteidiger. © nordphoto
Sebastian Prödl
Bereits nach der ersten Saison gab es einen Titel. Prödl gewann den DFB-Pokal nach einem 1:0 im Finale gegen Bayer Leverkusen. © nordphoto
Sebastian Prödl
Während er anfangs immer wieder von Verletzungen gebremst wurde, war er nach zwei Jahren fest in der Verteidigung gesetzt und ab da ein sicherer Rückhalt für das Team.  © nordphoto
Sebastian Prödl
Auch vorne fiel Prödl ab und zu auf, er erzielte in seiner Zeit an der Weser zehn Tore für die Grün-Weißen.  © nordphoto
Sebastian Prödl
Im Sommer 2015 zog es ihn schließlich ins Ausland, der englische FC Watford wurde sein neuer Verein.  © imago
Sebastian Prödl
Sein Debüt für die österreichische Nationalmannschaft gab er bereits 2007, zuvor spielte er in den Junioren-Teams. © i mago
Sebastian Prödl
Mit Österreich nahm er auch 2008 an der Europameisterschaft teil, schied allerdings in der Vorrunde aus.  © imago
Sebastian Prödl
2016 gab es die zweite EM-Teilnahme für Prödl, nach der Vorrunde war auch hier Endstation.  © imago

Werden Sie ihm dann helfen, dass er sich für die WM empfehlen kann?

Prödl: (lacht) Lustige Idee. Natürlich wünsche ich es Nils, dass er zur WM fährt. Aber auf dem Platz werde ich ihm nichts schenken und alles dafür tun, dass er gegen uns nicht trifft. Trotzdem wünsche ich ihm ein gutes Spiel.

Ihr ehemaliger Nationalmannschafts-Kollege Martin Harnik kehrt nach Bremen zurück – wann spielen Sie wieder für Werder?

Prödl: (lacht) Das wäre was. Nein, aktuell ist da nichts geplant. Ich habe mich in Bremen wirklich wohl gefühlt, aber ich möchte schon noch ein paar Jahre in der Premier League bleiben. London gefällt mir sehr gut, beim FC Watford ist es toll. Ich bin zufrieden. Und ich freue mich für Martin und für Werder, das passt doch sehr gut.

Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic hat es zurück in die Heimat gezogen, er spielt künftig bei RB Salzburg. Wollen Sie Ihre Karriere irgendwann auch in Österreich ausklingen lassen?

Prödl: Ausschließen möchte ich das nicht, obwohl es da keine Pläne gibt. ,Zladdi’ ist schon jemand, den es sicher noch mehr in die Heimat zieht als mich. Trotzdem hat es mich vom Zeitpunkt her etwas überrascht. So alt ist er ja auch noch nicht (30 Jahre, Anm. d. Red.). Aber ich kann ihn schon verstehen.

Samstag gegen Deutschland, dann gibt es noch einen Test gegen Brasilien – sind das für Sie auch die Topfavoriten auf den WM-Titel?

Prödl: Die beiden Mannschaften werden im Finale stehen, da bin ich mir sicher. Und sorry, ich glaube nicht, dass Deutschland dann seinen Titel verteidigen wird. Aber vielleicht liege ich auch völlig falsch. Für uns sind es auf jeden Fall zwei richtig tolle Heimspiele vor jeweils ausverkauftem Haus. Das ist eine große Bühne für uns.

Ärgert es Sie da nicht noch mehr, dass Österreich mit dieser alles andere als schlechten Mannschaft die WM-Qualifikation verpasst hat?

Prödl: Natürlich. Wir hatten uns eigentlich mit der Situation schon abgefunden. Aber vor diesen Spielen spürst du schon, wie groß der Wunsch ist, zu so einem großen Turnier zu fahren. Deswegen werden wir alles tun, um bei der EM 2020 dabei zu sein. Na ja, und wenn in Russland jetzt plötzlich eine Mannschaft ausfallen sollte, wir würden sofort kommen (lacht).

Ein Ex-Bremer und ein Bald-wieder-Bremer: Sebastian Prödl und Martin Harnik haben in der österreichischen Nationalmannschaft zusammengespielt.

Was machen Sie während der WM?

Prödl: Urlaub, ganz viel Urlaub. So eine Saison in England schlaucht schon gewaltig – und jetzt noch die Testspiele. Da ist es mal ganz gut, ganz wenig zu tun. Natürlich werde ich die WM verfolgen.

Wo?

Prödl: In Italien. Das passt doch gut, da können wir dann gemeinsam vor dem Fernseher leiden (lacht).

Wann sind Sie mal wieder in Bremen?

Prödl: Ich war gerade erst dort. Bremen gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich werde die Liebe zur Stadt und zu Werder weiter pflegen.

Was wird aus Werder in der neuen Saison?

Prödl: Werder wird eine solide Saison spielen – ohne großes Zittern um den Klassenerhalt. Unter Trainer Florian Kohfeldt traue ich der Mannschaft wirklich einiges zu. Da ist schon eine Menge Potenzial trotz einiger Abgänge. Das wird Frank Baumann schon mit neuen Leuten kompensieren können. Mit Martin Harnik ist das doch schon ganz gut gelungen.

FC Watford oder SV Werder – wer spielt eher international?

Prödl: Schwer zu sagen. In England ist das schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Da gibt es die sechs Topteams, der Rest kämpft praktisch gegen den Abstieg. Wenn wir solide durchkommen, dann ist das ein großer Erfolg – so wie in der vergangenen Saison. Bei Werder kann ich mir schon eher vorstellen, dass der Club in den nächsten Jahren mal wieder international dabei ist. Der Verein ist groß genug, die Stadt auch, die Fankultur ist eine ganz besondere – die Möglichkeiten sind wirklich nicht schlecht.

Was macht der Haarschnitt, ist der Friseur schon fertig, es ist gar nichts mehr zu hören?

Prödl: Nein, nein – ich hatte so lange Zotteln, das braucht ein bisschen länger...

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