HSV-Trainer Tim Walter (l.) war nach der Nordderby-Pleite gegen den SV Werder Bremen aufgrund der strittigen VAR-Entscheidungen von Schiedsrichter Daniel Siebert (re.) außer sich.
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HSV-Trainer Tim Walter (l.) war nach der Nordderby-Pleite gegen den SV Werder Bremen aufgrund der strittigen VAR-Entscheidungen von Schiedsrichter Daniel Siebert (re.) außer sich.

Schiedsrichter beim Derby im Fokus

Nach strittigen Szenen bei Werder Bremens Derby-Sieg - Schiri Daniel Siebert bedankt sich, HSV tobt: „Lächerlich!“

Hamburg – Für Tim Walter war die Sache klar, der Trainer des Hamburger SV fühlte sich bei der 2:3-Heimpleite gegen den SV Werder Bremen von Schiedsrichter Daniel Siebert und dessen Video-Kollegen deutlich benachteiligt. Der Unparteiische wiederum verteidigte seine Entscheidungen und überraschte mit einem seltenen Dank an die Protagonisten.

„Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich zu mich bedanken. Das habe ich auch schon bei beiden Kapitänen gemacht“, meinte Daniel Siebert nach der Partie des SV Werder Bremen bei „Sky“: „Ich fand es einfach klasse, dass mich trotz der Bedeutung des Spiels, der strittigen Situationen und der hitzigen Atmosphäre wirklich beide Mannschaften als Schiedsrichter akzeptiert haben. Das ist nicht selbstverständlich.“ Nach der Partie musste sich Siebert dann allerdings einiges anhören – mal direkt von HSV-Sportvorstand Jonas Boldt, mal über die Mikros der TV-Sender oder bei der Pressekonferenz.

Werder Bremen holt Derbysieg - und der HSV hadert mit Schiri Daniel Siebert: „Das ist einfach lächerlich“

Vor allem HSV-Coach Tim Walter war mit der Leistung des Fifa-Schiedsrichters, der auch in der Champions League pfeift und bei der EM 2021 dabei war, überhaupt nicht einverstanden. „Wenn man Situationen so beurteilt, dann hat man selbst noch nie Fußball gespielt“, ereiferte sich Walter und hatte dabei drei Szenen im Blick: beide Handelfmeter für Werder Bremen und ein zurückgepfiffenes Tor des HSV. Der Reihe nach:

1. Der Handelfmeter in der zehnten Minute: Beim Torschuss von Ömer Toprak drehte sich Jonas Meffert im Strafraum des Hamburger SV weg und bekam dabei den Ball an die Hand. Siebert selbst hatte es nicht gesehen, Video-Assistent Pascal Müller meldete sich und schickte seinen Kollegen in die Review-Area. „Das ist leider nach aktueller Auslegung ein strafbares Handspiel. Die Hand ist seitlich vom Körper leicht ausgestreckt“, erklärte Siebert später eher sachlich seine Elfmeter-Entscheidung. Meffert dagegen tobte: „Ich muss mich gerade etwas zurückhalten. Normalerweise ist die Regel, dass der Videoschiedsrichter (VAR) eingreift, wenn es eine klare Fehlentscheidung ist. Das ist niemals eine klare Fehlentscheidung. Ich werde aus einem Meter Entfernung angeschossen und ziehe die Hand sogar noch zurück. Dafür gibt es dann Elfmeter. Das ist für mich einfach nur lächerlich.“ Und was meinte Werder Bremen dazu? Nichts! Ole Werner machte es wie eigentlich immer bei solchen Szenen. Er wollte sie nicht bewerten, weil er noch keine TV-Bilder gesehen habe, sagte er rund eine Stunde nach dem Spiel bei der offiziellen Pressekonferenz.

HSV-Coach Tim Walter schiebt nach Nordderby-Pleite gegen Werder Bremen Schiri-Frust: „Nicht verdient“

2. Das nicht gegebene 1:1 des HSV in der 19. Minute: Bevor der Ball bei Moritz Heyer landete und dann im Tor, war Toprak zu Boden gegangen. Schiedsrichter Daniel Siebert entschied auf Freistoß für Werder Bremen. „Es ist ein Foul von Glatzel, er schiebt ihn in den Torwart rein, ohne zum Kopfball zu springen“, meinte der Unparteiische. Walter war ganz anderer Meinung: „Ich glaube, jeder hier im Stadion hat gesehen, dass es kein Foulspiel war. Also wenn ich mich mit einer Körpergröße von 1,90 Meter einfach hinlege, dann ist es kein Foul.“ Ein harter Vorwurf gegenüber Toprak, einem der robustesten und besten Akteure auf dem Platz.

Und auch Siebert musste sich noch einen heftigen Vorwurf von Tim Walter gefallen lassen: „Es gibt immer auch die Möglichkeit, die Szene nachträglich zu überprüfen. Aber dort hatte sich der Schiedsrichter überlegt, einfach schon mal vorher die Aktion abzupfeifen, damit er danach nicht in eine brenzlige Situation kommt.“ Diese Aussage verwunderte zudem, weil der HSV-Coach kurz zuvor noch moniert hatte: „Ich glaube, dass vor allem die 25.000 Zuschauer und die 22 Akteure auf dem Platz es nicht verdient haben, dass von außen ständig eingegriffen wird.“

Nach Derby-Sieg des SV Werder Bremen gegen den HSV: Schiri Daniel Siebert verteidigt strittige Pfiffe

3. Der Handelfmeter in der 51. Minute: Der HSV hatte kurz zuvor das 1:1 erzielt, da gab es erneut Strafstoß für Werder Bremen, weil ein Schuss von Mitchell Weiser die Hand von Bakery Jatta getroffen hatte. „Hier ist die Handposition noch deutlicher, die ist fast auf Kopfhöhe“, erklärte Siebert seine Entscheidung. „Wenn du ohne Arme springen sollst, wird es schwer“, hielt Walter dagegen und betonte noch, dass der Spieler sich weggedreht habe. Doch das sei nicht relevant, so Siebert und bezog dabei auch das erste Handspiel mit ein: „In beiden Szenen war der Ball erwartbar. Es ist dann kein Alibi, wenn sich der Spieler wegdreht.“

Eigentlich gab es auch noch eine vierte strittige Szene, über die sich aber eher die Bremer hätten aufregen dürfen. Weiser machte das auch, nachdem er in der 21. Minute von Hamburgs Faride Alidou im Strafraum unsanft gestoppt worden war. „Ich sehe die Hand im Gesicht, aber es reicht mir nicht für einen Elfmeter“, meinte Siebert: „Und jetzt mal ganz ehrlich und ein bisschen Schiedsrichter-Einmaleins: Wenn ich vorher zwei strittige Situationen gegen den HSV habe, dann gebe ich nicht noch eine dritte Entscheidung gegen den HSV, wenn sie nicht ganz klar ist. Man kann da Foul geben, muss es aber nicht.“

Nordderby-Niederlage gegen Werder Bremen für HSV-Coach Tim Walter kein Rückschlag

Für den HSV war das ein schwacher Trost – nach der bitteren 2:3-Heimpleite durchaus nachvollziehbar. Die Hamburger drohen wieder einmal auf der Zielgeraden das Ziel Aufstieg aus den Augen zu verlieren, haben als Tabellenvierter jetzt drei Punkte Rückstand auf Rang zwei und drei, auf Zweitliga-Spitzenreiter Werder Bremen sogar vier. Doch von einem Rückschlag wollte Tim Walter nichts wissen: „Mit 70 Prozent Ballbesitz gegen einen tief stehenden Gegner haben wir es grandios gemacht, am Ende hätten wir uns nur noch belohnen müssen. Großes Kompliment an unsere Mannschaft.“

Dass Werder Bremen vor der Pause hätte deutlich höher führen können, wischte Walter mit dem Hinweis, „die Bremer können auch ein bisschen Fußball spielen“, vom Tisch. Es sei nun gar nicht so einfach, diese junge Mannschaft wieder aufzubauen – vor allem wegen der Benachteiligungen während des Spiels. Viel Zeit bleibt nicht, schon am Mittwoch geht es für den HSV im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Karlsruher SC weiter. (kni)

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