Bruno Pezzey von Eintracht Frankfurt köpft aufs Tor von Hermann Rülander vom SV Werder Bremen
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Ein bemitleidenswerter Torhüter: Hermann Rülander von Werder Bremen kassierte 1981 gegen Eintracht Frankfurt neun Gegentore.

Vor dem 6. Spieltag in der Fußball-Bundesliga

So viel Werder steckt in Eintracht Frankfurt: Eine Entlassung als glückliche Fügung

Die Eintracht war sein Schicksal. Was er in jenem Moment als deftigen Nackenschlag empfunden haben mag, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Glückstag in seinem Leben. „Etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können“, erinnert sich Hermann Rülander vom SV Werder Bremen an die Partie im Frankfurter Waldstadion, wo seine Karriere und auch sein Lebensweg die alles entscheidende Wende nahmen.

Es war am 14. November 1981. Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen. Auf dem Papier eine Partie, die nicht sonderlich großes Interesse weckte damals in Fußball-Deutschland. Stangenware im Terminkalender. Doch die 90 Minuten der beiden Mittelklasseteams sollten in die Geschichte eingehen. Mittendrin im Spektakel: Hermann Rülander, der talentierte Keeper, der sich bei den Amateuren bewährt hatte und bei den Profis auf dem Sprung stand.

Eine Woche zuvor hatte er sein Debüt in der Elf von Otto Rehhagel gegeben. Stammtorwart Dieter Burdenski hatte sich verletzt, Rülander bekam seine Chance und musste gegen den 1. FC Köln in der Schlussphase ein Tor von Klaus Fischer zum 1:1 kassieren. Eine Woche später: „Budde“ weiter nicht einsatzfähig, Rülander von Beginn an zwischen den Pfosten.

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Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: Vertrag von Hermann Rülander kurz nach 9:2-Klatsche aufgelöst

Es wurde ein tragischer Nachmittag für den gebürtigen Emsländer. Mehrfach griff er daneben, seine Nervosität wuchs, ein Fehler nach dem anderen. Dreimal traf Ronny Borchers, zweimal Norbert Nachtweih, je einmal Bernd Nickel und Bum-kun Cha, sieben Gegentreffer mit kräftiger Mithilfe des Werder-Torhüters. Rehhagel reagierte: In der 78. Minute musste der bedauernswerte Rülander runter, für ihn kam ein gewisser Robert Frese, der noch Tore durch Nickel und Bum-kun Cha einstecken musste. 2:9 stand es am Ende, einer der bittersten Niederlage, die Werder in der Main-Metropole einstecken musste.

Das Nachspiel: „König“ Otto demonstrierte seine Macht. Er dachte nicht daran, den jungen Rülander aufzurichten. Im Gegensatz: Er inszenierte dessen Abschied. Nicht mal zwei Wochen später wurde der Vertrag aufgelöst. Das Ende einer erhofften Bundesliga-Karriere.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: Hermann Rülander findet nach der Entlassung sein Glück

„Für mich eine glückliche Fügung“, sagt Rülander heute, der sich mit Kommentaren über den später gefeierten Erfolgstrainer Rehhagel zurückhält. „Das kann jeder für sich bewerten.“ Einerseits müsse er „Herrn Rehhagel“ sogar dankbar sein, so der in Papenburg wohnende Senior, der am 21. November sein sechstes Lebensjahrzehnt vollendet. Die Entlassung in Bremen erwies sich für ihn als Volltreffer: Rülander heuerte beim SV Meppen an. Mit ihm als Rückhalt schaffte der Kultclub aus dem Norden den Aufstieg in die 2. Liga, Rülander war unumstritten, Stammtorwart mit 224 Einsätzen im Unterhaus.

Neben dem sportlichen Ruhm fand er dort auch beruflich sein Glück: Gönner des Vereins boten ihm die Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen. Er stieg ins Versicherungsgeschäft ein – mit sagenhaftem Erfolg. Seine Agentur zählt bei dem weltweit anerkannten Unternehmen zu den besten der Republik.

Wie ist es anderen Berufskollegen mit der Nummer eins auf dem Rücken ergangen? In Klaus Funk und Hans-Jürgen Gundelach wechselten zwei Torwarte aus Frankfurt nach Bremen. Beide hatten in der Otto-Ära ihren Stammplatz auf der Bank sicher, weil der Mann, der schon Rülander im Weg gestanden hatte, der legendäre Burdenski, einfach nicht zu verdrängen war. Funk, mit der Eintracht 1979/80 Europacupsieger, brachte es 1981 auf drei Spiele, Gundelach kam von 1992 bis 1997 nur sieben Mal zum Einsatz.

Werder Bremen und Eintracht Frankfurt: Felix Wiedwald wechselte zwei Mal zwischen den Clubs

Den umgekehrten Weg von der Weser an den Main ging Felix Wiedwald, gleich zweimal. Für den 30-Jährigen, inzwischen in den Niederlanden beim FC Emmen gelandet, sind von 2018 bis 2020 drei Spiele in Frankfurt notiert, von 2013 bis 2015 keine Berufung. Bei Werder lief es bei seinem zweiten Engagement besser: 59 Spiele in zwei Spielzeiten von 2015 an.

Insgesamt zahlten sich die „Wechselbeziehungen“ zwischen den Hessen und den Hanseaten aus. Bei der Eintracht bewährte Stützen erwiesen sich bei Werder Bremen ebenfalls als Verstärkungen: vor allem Rigobert Gruber bis zu seiner Invalidität 1984 und der Silvester 1994 verstorbene Austria-Star Bruno Pezzey, von 1983 bis 1987 eine Führungspersönlichkeit, für zwei Jahre auch die Ikone Willi Neuberger, der berühmte Allrounder, in Bremen an der Seite von Klaus Fichtel wesentlicher Teil des Abwehrbollwerks und 63 Mal in der Elf, sowie Dieter Schlindwein von 1986 bis 87.

Auch der Erstligist aus der Main-Metropole bediente sich häufig bei dem norddeutschen Konkurrenten. Einige Transfers namhafter Profis, die nach der Werder-Zeit ihre Karriere dort fortsetzten: Nelson Valdez, Thorsten Legat, Arie van Lent, Andree Wiedener und Alexander Ignjovski.

Werder Bremen: Trainer Thomas Schaaf und Felix Magath wurden bei Eintracht Frankfurt nicht glücklich

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Wanderbewegung, die bei den Trainern stattfand. Den Anfang machte Felix Magath, der Letzte aus dem Quartett der glücklosen Rehhagel-Nachfolger. Nach seinem gescheiterten Versuch, Werder auf den Erfolgspfad zu führen, heuerte dieser 1999 sofort bei der Eintracht an und scheiterte ebenso. Aus nach gut zwölf Monaten.

Und dessen Erbe bei Werder, der den Club wieder auf Vordermann brachte und eine ähnlich ertragreiche Ära wie Rehhagel begründete, ging diesen Weg, wenn auch anders: Thomas Schaaf, die nun als Technischer Direktor schaffende lebende Legende, machte nach seiner rekordverdächtigen, mit 14 Jahren und fünf Tagen in die Geschichtsbücher eingegangen Amtszeit bei den Grün-Weißen zunächst mal eine Pause.

Nach einem Sabbat-Jahr übernahm der Coach, der im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird, die Frankfurter Eintracht. Er landete mit ihr auf dem neunten Platz. Wegen fehlender Rückendeckung vom Aufsichtsrat kündigte Schaaf am 26. Mai 2015 seinen Kontrakt von selbst. Schnelles Ende der Schaffenszeit wie auch in Hannover, wo er bei 96 nach zehn Niederlagen seine beispiellose Karriere beschloss. Die Moral von der Geschichte: Sowohl für Magath als auch für Schaaf war die Eintracht-Episode keine so glückliche Fügung wie für Hermann Rülander. (hgk)

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