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Wölfe-Sportchef Rebbe: "Schmidt ist der richtige Mann für die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen".

VfL-Sportchef überzeugt von Martin Schmidt

Rebbes letzter Schuss?

Wolfsburg. Die Vereinsbosse hatten es mit der Entlassung von Andries Jonker nach nur vier Spieltagen ja vorgemacht: Der VfL Wolfsburg hat keine Zeit zu verlieren.

Also hielt Martin Schmidt, der neue Mann auf der Trainerbank, es genauso. Schon vor der Vertragsunterschrift schlüpfte er in seinen neuen Trainingsanzug und stürzte sich in die Arbeit. Team kennenlernen, Gespräche führen, das Abschlusstraining vorbereiten. Denn schon am Dienstagabend sitzt der Schweizer gegen Werder Bremen (20.30 Uhr) auf der Wölfe-Bank.

„Ich musste und konnte auch nicht lange überlegen“, sagte der 50-Jährige über die Knall-auf-Fall-Entscheidung, die Nachfolge des erst am Montagmorgen entlassenen Jonker zu übernehmen. Zwischen Rauswurf des einen und Einstellung des anderen lagen nur dreieinhalb Stunden. Allerdings: Völlig überrascht wurde Schmidt wohl nicht vom Wolfsburger Interesse. Im Winter, als er noch in Mainz auf der Bank saß, war der Schweizer schon einmal Trainerkandidat beim VfL gewesen, doch stattdessen kam damals Jonker. Der Niederländer schaffte mit dem gefallenen Ex-Meister mit Ach und Krach noch den Klassenerhalt über den Umweg der Relegation, verlor aber zuletzt immer mehr an Rückhalt und musste nach nur 203 Tagen im Amt wieder gehen.

Vertrag bis 2019

Schmidt, der ehemalige Skilehrer, erhält beim VW-Club einen Vertrag bis 2019 und steht vor einer riesigen Aufgabe. Denn seit dem Sieg im DFB-Pokal und der Vizemeisterschaft 2015 konnten weder Dieter Hecking noch Valerien Ismael oder Jonker das Team wieder in die Spur bringen.

Doch Schmidt ist hart im Nehmen - und ein Kämpfer. „Mein Arzt hat mal gesagt, ich stecke Kreuzbandrisse weg wie andere Menschen Erkältungen“, berichtete der Mann mit der „Matte“ einst schmunzelnd. Insgesamt siebenmal krachte es ganz böse in seinem Knie, zudem brach er sich einmal zwei Halswirbel. Nun soll er den Patienten VfL Wolfsburg wieder gesund pflegen.

Neuer VfL-Coach Martin Schmidt: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Unterschrift hat es nur wenige Stunden gedauert.

„Er ist der richtige Mann für die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen. Wir sind davon überzeugt, dass er mit seiner Erfahrung und seinen Stärken sehr gut zum VfL passt“, sagte VfL-Sportchef Olaf Rebbe, der nun auch immer mehr in den Fokus rückt. Die Erfolgsbilanz des einstigen Assistenten des früheren Sportchefs Klaus Allofs ist überschaubar. Kurz nach Rebbes Beförderung Ende 2016 zum Allofs-Nachfolger war der damalige Chefcoach Valerien Ismael bei VW in Ungnade gefallen. Rebbe hielt dennoch an dem Ex-Werder-Profi fest, korrigierte die Entscheidung aber schon im Februar mit dessen Beurlaubung wieder.

Geht die Schmidt-Verpflichtung schief, würde das sicher Konsequenzen für Rebbe haben

Rebbe, der schon bei Werder Bremen zu Allofs’ engsten Mitarbeitern gehört hatte, verpflichtete den als Chefcoach unerfahrenen Jonker, der den VfL aber auch nicht zu alter Stärke führte. Anders als der FSV Mainz, der sich trotz des Klassenverbleibs vom neuen VfL-Coach Schmidt trennte, hielt Wolfsburg an Jonker fest. Auch dies korrigierte Rebbe nun: Keine sieben Monate nach dessen Verpflichtung und nach nur 19 Pflichtspielen unter dem Niederländer. Martin Schmidt dürfte deshalb wohl sein letzter Schuss sein - geht der daneben, würde das ziemlich sicher auch für Rebbe Konsequenzen haben.

Andries Jonker nach nur sieben Monaten auf der VfL-Bank entlassen.

Dabei sollte in dieser Saison - mal wieder - alles anders, besser und vor allem ruhiger werden beim VW-Club. Mehr als 50 Millionen Euro investierte Rebbe im Sommer in zehn neue Spieler. Als Saisonziel benannten die VW-Bosse einen einstelligen Tabellenplatz. Eine Entwicklung oder gar Verbesserung ist in der freilich noch jungen Saison indes nicht zu sehen. Geduld hatte der Club aber wie in der jüngeren Vergangenheit auch nicht. Schmidt ist nach der Trennung von Dieter Hecking im Oktober 2016 nun bereits der vierte Coach binnen einen Jahres, der sich beim VfL versuchen darf.

Baumann will von Trainerwechsel nichts wissen

Eine kleine Spitze konnte sich Werder-Sportchef Frank Baumann daher nicht verkneifen. „Ich kann die Situation in Wolfsburg nicht beurteilen. Dafür fehlen mir die Insider-Kenntnisse“, sagte er, um dann aber auf den eigenen Club umzuschwenken: „Wir haben die Ruhe, und das hat uns auch immer ausgezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Weg, den wir hier gehen, erfolgreich sein werden.“ Von einem Trainerwechsel bei Werder, das nur einen Punkt aus vier Spielen holte, will er nichts wissen.

Bei Werder wurde das schnelle Stühlerücken in Wolfsburg einen Tag vor dem Nordduell ohnehin skeptisch verfolgt. „Es tut mir leid für Andries Jonker“, sagte der Berufskollege Alexander Nouri über die Entlassung des Niederländers, den er auf der letzten Bundesligatrainer-Tagung kennengelernt hatte: „Ich schätze ihn als Kollegen sehr.“ Dass der VfL durch den Trainerwechsel zu einem unberechenbaren Gegner wird, sei einerseits klar, andererseits aber auch nicht so schlimm, so Nouri: „Natürlich will sich jetzt jeder Spieler vor dem neuen Trainer beweisen. Aber das gilt bei uns auch. Wir sind auf alles vorbereitet.“

Werder-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Wolfsburg

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