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Stadionsprecher Arnd Zeigler spricht im Interview mit DeichStuben-Reporter Björn Knips über den Aufschwung seines SV Werder Bremen.

Stadionsprecher schwärmt von der Mannschaft

Arnd Zeigler im Interview: „So etwas habe ich bei Werder noch nicht erlebt“

Er fehlt bei keinem Heimspiel des SV Werder – natürlich nicht, Arnd Zeigler ist schließlich Stadionsprecher. Aber nicht nur das. Der Radio- und TV-Moderator, der gerade mit seiner „Wunderbaren Welt des Fußballs“ auf Tour ist, lebt und liebt diesen Club – und das in dieser Saison sogar noch ein bisschen mehr.

Der 53-Jährige kann sein Glück kaum fassen, dass Werder nicht mehr gegen den Abstieg spielt, sondern tatsächlich von Europa träumen darf. Im Gespräch mit der DeichStube erklärt Zeigler auch, warum die Einlaufmusik bei den Spielen im Weserstadion verändert wurde.

Arnd Zeigler, spätestens seit Freitagabend klingt das „Europapokal, Europapokal“ der Werder-Fans in unseren Ohren, wie ist es bei Ihnen?

Arnd Zeigler: Genauso – und ich singe das auch gerne im Stadion mit. Das Schöne daran: Es ist ja nicht absurd, sondern eine realistische Geschichte, die aus dem Nichts kommt und uns quasi von Werder geschenkt wird. Vor einem Jahr hätte sich doch niemand vorstellen können, dass so etwas in so kurzer Zeit passiert.

Als Stadionsprecher sind Sie ganz dicht dran. Ist die Stimmung da unten auf dem Rasen noch intensiver spürbar als auf der Tribüne?

Zeigler: Die Stimmung ist doch gerade überall ziemlich toll. Das liegt vor allem an diesem wirklich vorzeigbaren Kader. Da sind richtig tolle Typen dabei. Und so viele klasse Fußballer auf einem Haufen wie in diesem Jahr hatten wir gefühlt schon lange nicht mehr. Das ist überhaupt kein Vergleich zu den letzten drei, vier Jahren, als wir gegen den Abstieg gespielt haben. Ich sehe ja, wie die Spieler am mir vorbei aus dem Tunnel gelaufen kommen. Da spürt man einfach, dass sie unbedingt wollen, dass sie einfach Bock haben auf dieses Stadion und auf diese Stimmung.

Als Einlaufmusik wird seit dieser Saison „Lebenslang Grün-Weiß“ gespielt. Warum?

Zeigler: Das haben wir gemeinsam mit der Mannschaft entschieden. Die Spieler haben uns erzählt, dass es ordentlich pusht, wenn bei „Lebenslang Grün-Weiß“ die Schals hochgehen und alle mitsingen. In diese Atmosphäre, in diese grün-weiße Arena würden sie gerne einlaufen. Also machen wir das in dieser Saison so – und ich finde, es funktioniert richtig gut.

Wer ist Ihr aktueller Lieblingsspieler?

Zeigler: Das Irre ist ja, dass man das bei Werder gerade gar nicht sagen kann. Vor zwei Jahren war Max Kruse der Leuchtturm, also die prägende Figur. Ich finde Max immer noch toll, aber inzwischen eben auch viele andere. Ich war zum Beispiel mega geflasht, als Claudio Pizarro verpflichtet wurde. Da habe ich ihn aber wie alle mehr als Maskottchen erwartet, und jetzt ist er so fit und wertvoll wie lange nicht mehr. Dann ist da ein Yuya Osako, den ich einfach großartig finde. Davy Klaassen übrigens auch. Nuri Sahin ebenfalls.

Niklas Moisander fand ich schon immer gut, genauso wie Philipp Bargfrede. Die Entwicklung von Maxi Eggestein ist atemberaubend, die von Milos Veljkovic auch. Theo Gebre Selassie liefert seit Jahren gehobenes Bundesliganiveau ab. Irgendwann kommt auch noch Fin Bartels wieder dazu. Milot Rashica, Florian Kainz, und Martin Harnik haben wir ja auch noch. Das ist so eine geballte Potenz, ich kann mich nicht erinnern, wann das in der jüngeren Vergangenheit mal so war. Und in dieser Aufzählung habe ich jetzt einige sogar noch ausgelassen.

Wie zum Beispiel Johannes Eggestein, der die Werder-Fans am Freitagabend mit seinem ersten Bundesliga-Tor fast zu Tränen gerührt hat.

Zeigler: Ich habe direkt hinter dem Tor gesessen und aus nächster Nähe sehen dürfen, wie er aufs Tor zuläuft und ihn reinmacht. Das muss so geil für ihn gewesen sein. Er hatte über Jahre so viele Vorschusslorbeeren. Man hat zuweilen Spiele von ihm in der Dritten Liga gesehen, da hat man ihn kaum wahrgenommen. Jetzt wissen alle: Der Junge braucht nicht in der U23 zu spielen, Johannes ist einer für ganz oben.

Sie klingen sehr euphorisch, ist das nicht auch gefährlich?

Zeigler: Wir haben ja auch eine verdammt gute Mannschaft. Aber ich weiß auch, dass wir das Rad nicht neu erfunden haben und es nicht von null auf hundert in die Champions League gehen wird. Sicherlich werden Rückschläge kommen. Und keiner sollte glauben, dass wir jetzt jede Mannschaft aus dem Weserstadion fiedeln werden. Aber diese Mannschaft hat sich so viel Vertrauen erworben, dass ich davon überzeugt bin: Wir werden deutlich mehr gute als schlechte Spiele erleben.

Arnd Zeigler lebt und liebt Werder Bremen wie kaum ein anderer.

Dafür ist auch Trainer Florian Kohfeldt verantwortlich. Machen Sie sich Sorgen, wenn Sie ihn da am Spielfeldrand in Ekstase erleben?

Zeigler: Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie entspannt Florian vor den Spielen ist. Er vermittelt wirklich den Eindruck, dass er alles aufsaugt, dass ihm das einen wahnsinnigen Spaß macht, dass es ihn erfüllt, wie die Mannschaft seine Ideen umsetzt. Er ist als Typ einfach total authentisch. Dieses Wort verwenden alle, die ihn beschreiben. Ich glaube, dass es dazu gehört, wie er am Spielfeldrand abgeht. Das ist bei ihm, anders als bei anderen Trainern, aber keine Masche. Er will kein Image erfüllen. Florian Kohfeldt ist ein totaler Glücksfall für Werder.

Nach der Länderspielpause geht es mit den schweren Spielen auf Schalke und daheim gegen Leverkusen weiter. Entscheidet sich dann, ob Werder oben dran bleibt?

Zeigler: Es wäre schon schön, auf Schalke zu punkten und gegen Leverkusen zu gewinnen. Aber Platz zwei oder drei sollten nicht unser Maßstab sein. Ich habe vor der Saison Platz sieben getippt. Mittlerweile würde ich mich auch nicht gegen Platz fünf wehren. Werder muss sich hinter kaum einer Mannschaft verstecken, vielleicht im Moment hinter Dortmund.

Sogar die Bayern stehen hinter Werder.

Zeigler: Und von denen haben wir doch alle gedacht, dass sie im März mit 20 Punkten Vorsprung schon Meister sind. Bei Werder spürt man einfach, dass Florian Kohfeldt in jedem Spiel Fußball spielen lassen will und auch gewinnen will. Egal, ob auswärts und gegen welchen Gegner.

Also darf tatsächlich von der Europa League geträumt werden?

Zeigler: Es ist wirklich unglaublich. Nach der Vorbereitung haben die Verantwortlichen wie Frank Baumann plötzlich gesagt, Europa wäre ja nicht schlecht. Dann kamen einzelne Spieler und formulierten, dann noch einer und plötzlich war es die ganze Mannschaft. Du selbst hast gedacht: Okay, wir sind jetzt ein paar Mal fast abgestiegen, das mit Europa ist schon echt mutig. Aber dann unterfüttert die Mannschaft ihre Aussagen tatsächlich mit Leistung – und zwar in allen Spielen. Als wäre in der Sommerpause ein Knopf gedrückt worden und die Mannschaft hätte übermütig drei Treppenstufen auf einmal genommen. Sie hat plötzlich die nötige Qualität für große Ziele. So einen rasanten Prozess habe ich bei Werder noch nicht erlebt.

Fotostrecke: Gute Laune in der Länderspielpause 

Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen. © gumzmedia
Die Werder-Profis beim Training am Dienstagmorgen.
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