Frank Baumann sitzt bei einer Pressekonferenz, sein Kopf ist durch den Bildschnitt nur halb zu sehen, im Hintergrund prangt die Raute des SV Werder Bremen
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Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, kritisiert, dass beim Treffen der Profi-Clubs am Mittwoch einige Clubs ausgeschlossen werden.

Streitpunkt TV-Gelder in der Bundesliga

Die Bundesliga führt Zukunftsgespräche - mit Werder, aber nicht mit allen: Frank Baumann äußert sich kritisch

Frankfurt/Main – Es geht um die Gegenwart und Zukunft des deutschen Profi-Fußballs. Doch wenn am Mittwoch in Frankfurt über die brennenden Themen der Branche diskutiert wird, hat die Zusammenkunft der Erstligisten schon deshalb einen Makel, weil sie von vornherein vier Clubs außen vor lässt. Der FC Augsburg, Arminia Bielefeld, Mainz 05 und der VfB Stuttgart fehlen, weil sie in der Frage der Verteilung der TV-Gelder Positionen vertreten, die nicht allen schmecken. Welche Position Werder Bremen in dieser Frage einnehmen wird, ist noch unklar.

Die Bremer sind aber dabei im Frankfurter „Airport Club“. Geschäftsführer Klaus Filbry wird an dem Meeting teilnehmen, sein Kollege Frank Baumann hat sich im Vorfeld aber bereits kritisch über die Veranstaltung geäußert. „Angesichts der Themen, die besprochen werden, und im Sinne der Solidarität innerhalb der Liga hätten wir uns gewünscht, dass alle Bundesligisten eingeladen werden und man niemanden ausschließt“, sagte der Sportchef des SV Werder Bremen, dem „kicker“.

Es ist eben ein elitäres Meeting, das da von Bayern München initiiert worden ist – und der Ort des Treffens betont diesen Charakter. Wenn die Bosse der 15 eingeladenen Profi-Clubs die drängenden Fragen des deutschen Fußballs erörtern, sind sie im „Airport Club“ von Luxus umgeben. Glitzernde Kronleuchter, Möbel aus Edelholz und exquisites Essen erwartet die Vereinsvertreter in den Räumlichkeiten. Das fragwürdige Ambiente für ein Treffen in Krisenzeiten sorgt allerdings weniger für Aufregung als die Ausbootung der 21 restlichen Vereine, die draußen bleiben müssen.

Werder Bremen befürwortet Umverteilung der TV-Gelder

Vor allem die ausgebliebene Einladung an die Bundesligisten aus Augsburg, Bielefeld, Mainz und Stuttgart darf als Strafmaßnahme gedeutet werden. Schließlich waren es diese Clubs, die sich zuletzt gemeinsam mit zehn Zweitligisten in einem Positionspapier für eine Umverteilung der Medieneinnahmen von oben nach unten ausgesprochen haben. Dieser Vorstoß stieß bei den Topclubs wie auch bei einigen Vereinen aus der zweiten Reihe auf Ablehnung.

Unter den eingeladenen Clubs gibt es aber auch Befürworter einer Umverteilung – Werder Bremen, der SC Freiburg und der 1. FC Köln bilden diesen Kreis. Vor diesem Hintergrund muss auch Baumanns Kritik verstanden werden. Sollten es sich die Bremer trauen, auf der Versammlung, zu der auch Zweitliga-Spitzenreiter Hamburger SV geladen wurde, für Veränderungen bei der Weitergabe der TV-Millionen plädieren, würden vier Unterstützer fehlen. „In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen“, so Baumann, „sollte aber die Zusammenarbeit aller Clubs im Vordergrund stehen.“

Die nicht eingeladenen Mainzer prangern den schlechten Stil an. Es sei „legitim, dass man sich austauscht“, aber ein „merkwürdiges Verhalten, wenn Teile der Liga ausgeschlossen“ würden, kommentierten die Rheinhessen in der „Frankfurter Rundschau“ das Treffen. Finanzvorstand Jan Lehmann fügte hinzu, dass das fragliche Positionspapier zwar im kleineren Kreis erarbeitet worden ist - jedoch seien alle Clubs darüber informiert worden.

Werder Bremen und Co.: DFL-Präsidium entscheidet über Aufteilung der Medienerlöse

Die Mediengelder sind die mit Abstand größte Einnahmequelle der Vereine, die sich komplett am 7. Dezember zu ihrer Vollversammlung treffen wollen. Es geht um die Verteilung der Erlöse ab der kommenden Spielzeit. Für die Rechte im deutschsprachigen Raum hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) 1,1 Milliarden Euro pro Saison erzielt, die internationalen Einnahmen werden wohl bei 250 Millionen Euro liegen.

Wie die Medienerlöse tatsächlich aufgeteilt werden, liegt allerdings nicht in den Händen der Clubs. Entscheiden wird das DFL-Präsidium um den scheidenden Chef Christian Seifert. Bis zum Jahresende soll in dem neunköpfigen Gremium, in dem die kleinen und mittleren Clubs seit dem vergangenen Jahr die Mehrheit stellen, ein Ergebnis erzielt werden. Die unterschiedlichen Interessengruppen streiten seit Monaten über die Ausschüttungs-Varianten.

Versammlung von Bundesliga-Clubs: Christian Seifert-Nachfolge, DFB-Weg und Corona-Krise als Themen

Den „G15“ geht es am Mittwoch aber nicht nur um die Mediengelder. Auch Beratungen über die Nachfolge von Christian Seifert, der im Juni 2022 aufhören will, stehen auf der Agenda. Formell ist der DFL-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Peter Peters genau wie Seifert nicht zu dem Treffen eingeladen wurde, dafür zuständig. Das gilt auch für die Frage, ob es künftig einen Chef geben oder die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden soll. Am Votum der Vereine wird bei diesen Themen aber kein Weg vorbeiführen.

Wohin der Weg des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) führen wird, wollen die Vereinsverantwortlichen ebenso besprechen. Die seit Jahren anhaltende Krise des Verbandes, die sich zuletzt mit dem Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius weiter zugespitzt hat, bereitet den Clubs zunehmend Sorge. In Frankfurt wird eine Rückendeckung für den reformwilligen Keller erwartet.

Positionieren wollen sich die Geladenen auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie, die das unseriöse Wirtschaften zahlreicher Clubs aufgedeckt hat und deren Existenz bedroht. Welche Lehren daraus zu ziehen sind und wie die Vereine auf Vorgaben der Politik reagieren sollen, steht ebenfalls auf der Tagesordnung. (sid/csa)

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