Oliver Kreuzer ist seit November 2016 als Sportdirektor beim Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC tätig. Am Samstag trifft er mit dem KSC auf den SV Werder Bremen.
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Oliver Kreuzer ist seit November 2016 als Sportdirektor beim Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC tätig. Am Samstag trifft er mit dem KSC auf den SV Werder Bremen.

Kreuzer im DeichStube-Gespräch

KSC-Manager Oliver Kreuzer: „Auch mit Markus Anfang wäre Werder Bremen nach oben gekommen“

Karlsruhe - Die Frage nach den Aufstiegsfavoriten beantwortet Oliver Kreuzer eindeutig. „Werder ist eine gefestigte Mannschaft, die nun den Rhythmus gefunden hat. Ich habe Bremen ganz oben auf dem Zettel, auch weil der mediale Druck nicht so groß ist wie in Hamburg oder auf Schalke.“ Der Manager des Karlsruher SC, der den Club seit November 2016 betreut, spricht im Interview mit der DeichStube über die erneute Ausleihe des Werder-Profis Benjamin Goller, über die Corona-Lage und über den im Sommer geplatzten Transfer des Bremer Wunschkandidaten Philipp Hofmann. Der 56-Jährige rückblickend über die damaligen Verhandlungen mit Sportchef Frank Baumann: Werder habe ein „sauberes Angebot“ vorgelegt, doch der Zeitpunkt sechs Tage vor dem Ende der Transferperiode habe einfach nicht gepasst.

Große Betriebsamkeit am Ende der Transferperiode. Der Karlsruher SC hat am letzten Tag mit Benjamin Goller noch einen Leihspieler vom SV Werder Bremen zurückgeholt. Was waren die Gründe für diesen Last-Minute-Transfer, Oliver Kreuzer?

Wir wollten normalerweise nichts machen, haben aber immer die Augen und Ohren offengehalten. Die erneute Knieverletzung von Leon Jensen, der lange ausfällt, hat uns zu einem Umdenken veranlasst. Es wurde uns signalisiert, dass etwas gehen könnte mit Benjamin Goller. Daher haben wir gehandelt.

Mit Benjamin Goller kommt ein alter Bekannter zum KSC. War dies auch ausschlaggebend für den Transfer?

Natürlich hat das eine Rolle gespielt. Benjamin hat in der letzten Saison bei uns gespielt. Wir kennen ihn, Benjamin kennt den KSC. Ich betonte, dass wir in diesem Winter nicht jeden Spieler verpflichtet hätten. Es musste schon passen. Mit Benjamin Goller passt es.

KSC-Manager Oliver Kreuzer über Ex-Werder-Spieler Benjamin Goller: „Er kann uns helfen in der Rückrunde“

Schon im Sommer wollten Sie ihn halten und die Leihe mit ihm verlängern. Warum hat es damals nicht geklappt?

Es hätte klappen können. Wir wollten Benjamin länger an uns binden, der Spieler konnte sich dies auch vorstellen. Doch von Werder kam das grüne Licht für diese Transaktion leider recht spät. Wir hatten schon anders geplant, mussten daher absagen. Goller ist nach Darmstadt gegangen, hat beim Spitzenreiter einige Partien absolviert. Ein Vorteil für uns: Benjamin Goller steht voll im Saft und kann uns helfen in der Rückrunde.

Werder Bremen gegen den Karlsruher SC gibt es hier im DeichStube-Liveticker!

Ein anderer Ex-Bremer spielt auch eine wichtige Rolle in Karlsruhe. Ist Jerome Gondorf ein Schlüsselspieler im Team?

So kann man es umschreiben. Jerome ist Kapitän, Kopf der Mannschaft sowie eine absolute Respektsperson, dessen Wort in der Mannschaft Gewicht hat.

Corona hat den KSC gebeutelt. Wie ist der momentane Stand?

Einen Tag nach dem Pokalspiel bei 1860 München hatten wir einige Infektionen zu verzeichnen. Die Fälle häuften sich: 18 Spieler sowie acht Mitglieder aus dem Trainer- und Funktionsteam. Somit war die Absage des Sandhausen-Spiels nicht zu vermeiden. Doch nun sind fast alle Spieler wieder im Training. Sie konnten sich vor dem letzten Wochenende freitesten.

KSC-Manager Oliver Kreuzer vor Werder-Spiel: „Vorbereitung auf Bremen läuft problemlos“

Und was ist mit Trainer Christian Eichner?

Bei ihm fiel zunächst der Test zum Freitesten nicht eindeutig negativ aus. Er musste einen Tag warten bis zur Gewissheit am letzten Samstag, als auch er hundertprozentig negativ getestet worden ist. Seitdem kann er das Training wieder leiten. Unsere Vorbereitung auf Bremen verläuft also problemlos, ohne die Störungen in der jüngsten Vergangenheit.

Wie sehen Sie es, dass die zwischendurch angeordneten Geisterspiele nun wieder der Vergangenheit angehören?

Nach den harten Restriktionen gab es bundesweit Lockerungen, doch zunächst auch Verwirrung und Unverständnis wegen der unterschiedlich zugelassenen Zahl an Zuschauern. Ich weiß, dass in Bremen nun 10.000 Besucher das Spiel sehen dürfen. Bei uns waren zunächst nur 500 zugelassen, inzwischen ist dies gelockert worden – wir dürfen 6000 Fans ins Stadion lassen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung beim Gegner Werder?

Die Mannschaft hat nun ihren Rhythmus gefunden. Ich spüre einen unglaublichen Teamgeist in der Truppe, eine bewundernswerte Mentalität. Diese Pluspunkte kommen noch zu der herausragenden Qualität, die der bestens besetzte Kader bietet.

War der Trainerwechsel entscheidend? Welchen Anteil hat Ole Werner an dieser „neuen Werder-Elf“?

Ole Werner hat sicherlich einen Anteil, doch aus meiner Sicht ist er nicht allein der Grund für den Aufschwung. Ich behaupte, auch mit Markus Anfang wäre Werder nach oben gekommen. Vor seinem Ausscheiden hat Werder schließlich die Formsteigerung angedeutet mit guten Vorstellungen gegen St. Pauli und in Nürnberg.

Ist Werder für Sie ein Kandidat für den Aufstieg?

Natürlich zählt der Club zu den Favoriten. Ihre Klasse hat die Mannschaft zuletzt beim beeindruckenden 4:3 in Paderborn nachgewiesen. Es sind diese Momente in einer Saison, die enorme positive Auswirkungen haben, die dem ohnehin schon vorhandenen Selbstvertrauen nochmals einen Schub geben.

Alle Welt spricht lobend über den Werder-Sturm. Sie auch?

Natürlich, ich halte Marvin Ducksch für einen wichtigen Faktor bei Werder. Sein Kauf von Hannover 96 hat sich ausgezahlt. Er hebt die Werder-Elf auf ein anderes Niveau, zumal das Zusammenspiel mit Niclas Füllkrug bestens funktioniert.

Die Aufstellung von Werder Bremen gegen den KSC: Wie sieht die Startelf aus?

KSC-Manager Oliver Kreuzer vor dem Spiel gegen Werder Bremen: „Wir müssen achtsam sein“

Statt Ducksch sollte im Sommer eigentlich ein anderer Stürmer verpflichtet werden. Werder hatte KSC-Torjäger Philipp Hofmann auf dem Zettel. Warum ist es nicht dazu gekommen?

Ich möchte betonen, dass es damals faire Gespräche waren. Werder hat ein sauberes Angebot vorgelegt, nur passte der Zeitpunkt dieser Offerte nicht. Sechs Tage vor dem Ende der Transferzeit konnten wir darauf nicht eingehen, weil wir so schnell keinen Ersatz für Philipp Hofmann hätten finden können. Ich habe zu Frank Baumann auch gesagt, dass sich die Zeitnot für uns katastrophal auswirken kann und wir in einen Teufelskreis kommen könnten. So ergab sich wiederum der oft entstehende Konflikt zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Perspektive. Wir mussten uns für Letzteres entscheiden, weil wir uns nicht schwächen wollten.

Der KSC steht auf dem zehnten Rang, mit etwas Abstand zu den davor Platzierten. Stimmen Sie folgender Aussage zu: Der KSC ist das Beste vom Rest der Liga?

So eine ähnliche Formulierung habe ich unlängst selbst gewählt. Es trifft zu.

Reicht es noch zum Eingriff in den Kampf an der Spitze?

In dieser Liga ist vieles bis alles möglich. Wenn du in einen Flow kommst und eine Serie mit sieben bis neun Punkten am Stück hinlegst, mischt du wieder ganz vorn mit. Doch andererseits kann es bei drei Niederlagen in Folge so kommen, dass du dich ganz schnell am Tabellenende wiederfindest. Es kann in beide Richtungen gehen. Das heißt: Wir müssen achtsam sein.

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KSC-Manager Oliver Kreutzer über Werder Bremen: „Die Mannschaft ist gefestigt“

Sie haben mit den Badenern den Wiederaufstieg in die 2. Liga geschafft. Ihr Tipp als Experte für den Aufstieg: Wer macht das Rennen?

Wie ich schon gesagt habe, steht Werder ganz oben auf meiner Liste. Der Vorteil: Die Mannschaft ist gefestigt. Zudem ist der mediale Druck nicht ganz so groß wie in Hamburg oder auf Schalke. Ich bin gespannt, ob Darmstadt es durchziehen kann. Neben Werder werden die Vereine vorn landen, die in der Rückrunde die nötige Konstanz verkörpern werden.

Sie haben den Ruf eines Titelhamsters, haben als Spieler mit Bayern Trophäen gewonnen, als Manager in Österreich und der Schweiz das Double geholt sowie insgesamt sechs Titel. Der KSC ist noch im DFB-Pokal dabei. Ist ein Pokalsieg mit Ihrem jetzigen Arbeitgeber möglich? Was sagen Sie zum Los HSV?

In Hamburg sprechen viele von einem Glückslos für den HSV. Mal abwarten. Wir haben zuletzt zweimal 1:1 gegen den HSV gespielt. Warum sollten wir nicht auch in Hamburg gewinnen? Es ist eine schöne Zweitliga-Paarung, in der ich uns keineswegs chancenlos sehe. Leider haben wir nach drei Auswärtsspielen in diesem Wettbewerb wieder das Pech, in der Fremde antreten zu müssen. Doch ich meine, es hätte uns schlimmer treffen können. Immerhin sind wir einem Erstligisten aus dem Weg gegangen. (hgk)

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