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Jan de Witt stellte sich im Interview den Fragen von DeichStube-Reporter Björn Knips.

Der besondere Blickwinkel

Wie Tennis-Experte Jan de Witt Werder hilft, aber auch sich selbst

Bremen – Jan de Witt brauchte mal eine Pause – eine Pause vom Tennis. Der 54-Jährige hatte in den vergangenen Wochen hart mit seinem Schützling Nikolos Bassilaschwili – die Nummer 18 der Weltrangliste – gearbeitet.

„Ich musste mal raus“, sagt de Witt. Sein Weg führte ihn aber nicht auf eine einsame Insel zur Erholung, sondern nach Bremen zum Arbeiten beim SV Werder. Was er dort gemacht hat, erklärt der aktuell wohl beste Tennis-Trainer Deutschlands im Gespräch mit der DeichStube.

„Ich bin ein Beobachter“, sagt de Witt. Er sieht sich keineswegs als Teil des Trainerteams, sondern maximal als gelegentlicher Berater: „Ich kann ein konstruktives Feedback geben.“ Dabei geht es eher um die individuellen Einheiten oder das Üben in kleinen Gruppen. Für das Mannschaftstraining sieht er sich nicht als geeigneten Analysten. „Dafür habe ich zu wenig Ahnung vom Fußball“, gesteht de Witt und fügt lachend noch an: „Ich gehöre zu den zig Millionen Bundestrainern in Deutschland...“

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Kohfeldt hilft de Witt und Tennis-Star Bassilaschwili

Also schaut de Witt darauf, wie die einzelnen Spieler bei Werder gefördert werden. Dieser Bereich kommt ihm in Teamsportarten oft zu kurz. Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte offenbar einen ähnlichen Eindruck. Schon länger ist er mit de Witt befreundet, bei der Entwicklung eines Top-Talente-Programms für Werder vor einigen Jahren arbeitete er mit dem Tennis-Coach zusammen. Inzwischen stehen sie in regelmäßigem Austausch, helfen sich gegenseitig. „Das ist keine Einbahnstraße“, betont de Witt. Sein Spieler Bassilaschwili habe oft Probleme gehabt, mit einem Satzgewinn umzugehen. „Da hatte Florian eine gute Idee“, erinnert sich de Witt: „Diese Situation gibt es auch im Fußball nach einem Tor – oder wenn du mit einer Führung in die Halbzeit gehst.“ Da habe Kohfeldt seine Erfahrungen weitergeben. Was genau will de Witt nicht verraten, die Gegner sollen es nicht erfahren.

Das Beispiel demonstriert trotzdem: Fußball und Tennis sind zwar sehr unterschiedlich, trotzdem können die Protagonisten voneinander profitieren. De Witt zeigt dabei nicht nur Möglichkeiten der individuellen Förderung auf, er schaut sich auch das Coaching an, vergleicht es mit seinen Erfahrungen. Wie ist die Wirkung auf den Sportler? „Ich habe da einen besonderen Blickwinkel, weil ich aus einem anderen Sport komme“, sagt der Tennis-Trainer – und nennt noch einen Vorteil: „Da ich nur in großen Abständen hier bin, nehme ich Entwicklungen anders wahr, als man es vielleicht im Alltag tun würde. Auch im Profisport kann es mal zu einer Betriebsblindheit kommen.“

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Werder lässt sich offenbar gerne hin und wieder die Augen öffnen. De Witt lobt jedenfalls „die Grundoffenheit“ im Club. Ihm gefällt auch der Mut, der die Profi-Mannschaft seit Sommer mit dem hohen Ziel Europa begleitet. Genauso zufrieden ist er mit der Individualisierung im Training – gerade im körperlichen Bereich. Es werde inzwischen auch sehr positionsspezifisch gearbeitet. „Die Mannschaft trainiert anders als vor zehn Wochen und ganz anders als vor anderthalb Jahren. Da gibt es große Entwicklungen“, sagt de Witt, will sich das aber keineswegs auf seine Fahne schreiben: „Die Trainer hier haben selbst genügend Ideen und entscheiden letztlich, was sie machen.“

Ihm macht es einfach Spaß, Anregungen zu geben – vor allem, weil er in Bremen aufgewachsen und glühender Werder-Fan ist. Für de Witt könnte es also kaum einen besseren Ort geben, um sich von seinem stressigen Job als Tennis-Trainer eines Weltklassespielers zu erholen. Am Wochenende geht es allerdings zurück auf die Tour – zum nächsten Turnier in Miami. Bassilaschwili wartet schon auf ihn.

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