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Thomas Schaaf hat Martin Harnik 2007 bei Werder Bremen zum Bundesliga-Spieler gemacht.

Zweiter Anlauf des Neuzugangs

Schaaf über Harnik und Kruse: „Die Harmonie ist entscheidend“

Bremen - Darf man Entdecker sagen? Ja, schon. Schließlich war Thomas Schaaf 2006 der Trainer, als bei Werder Bremen zwei ungewöhnliche grün-weiße Karrieren begannen.

Die eine Karriere gehört Max Kruse, der schon vor zwei Jahren nach Jahren des Reifens in der Ferne zurückgefunden hatte zum SV Werder. Die andere gehört Martin Harnik, der neuesten Bremer Neuverpflichtung. Schaaf hatte beide von 2006 bis 2009 begleitet, dann sahen sowohl Harnik als auch Kruse keine Zukunft mehr für sich bei Werder.

Dass nun beide wieder das Bremer Trikot tragen werden, sei eine „gute Sache“, meint der 57-Jährige und lässt seinen Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart schweifen. Martin Harnik gestern, heute und morgen – so sieht ihn sein Ex-Trainer.

Der erste Anlauf: „Ein mächtiger Konkurrenzkampf“

Nach dreieinhalb Jahren Anlauf in der U19 und U23 wartet Harnik im Sommer 2009 auf den Durchbruch im Bundesliga-Team. Aber um diesen Durchbruch zu schaffen, muss er massive Mauern einreißen – auf ihnen stehen die Namen Claudio Pizarro, Hugo Almeida, Markus Rosenberg, Boubacar Sanogo sowie Marcelo Moreno.

„Es war ein mächtiger Konkurrenzkampf damals“, meint Schaaf: „Da war es für Martin eine berechtigte Frage, ob er sich bei uns weiterentwickeln kann.“ Die Antwort fiel negativ aus, und Harnik entschied, sich an Zweitligist Fortuna Düsseldorf ausleihen zu lassen. Aus Schaafs Sicht absolut nachvollziehbar: „Wir haben immer das Talent in ihm gesehen. Auf der anderen Seite wussten wir aber auch, dass er bei uns vielleicht nicht so viel Einsatzzeit bekommen würde. Es war eine Chance für ihn, nach Düsseldorf zu gehen.“

Martin Harnik: Seine Karriere in Bildern

Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen.
Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen. © imago
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder.
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder. © imago
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß!
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß! © imago
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht.
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht. © imago
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal.
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal. © imago
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte.
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte. © Witters
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi.
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi. © imago
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga.
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga. © imago
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg.
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg. © imago
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt.
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt. © nordphoto
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil.
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil. © imago

Im selben Jahr verließ auch Max Kruse, der wie Harnik 2006 vom SC Vier- und Marschlande nach Bremen gekommen war, den Club. Gleiche Situation, gleiche Reaktion. Schaaf: „Es gibt ja diese Mär, dass wir Max Kruse damals nicht halten wollten. Aber das ist völliger Unsinn. Bei der Entscheidung, wie es mit einem jungen Spieler weitergeht, ist auch die Geduld des Spielers ein wichtiger Faktor. Der eine sagt: ,Das hier ist meine Welt, ich möchte meinen Weg hier gehen und warte auf meine Situation.‘ Der andere ist ungeduldig und geht in die Zweite Liga – dorthin, wo er sofort einen höheren Stellenwert hat. So war die Situation bei Max und auch bei Martin.“

Eine Anekdote aus Harniks ersten 17 Bundesliga-Spielen für Werder ist die, dass Schaaf den Stürmer auch mal als rechten Verteidiger aufbot. Ein seltsam anmutendes Experiment. Aber der Ex-Coach erklärt: „Wir haben auch einen Torsten Frings auf dieser Position zum Nationalspieler gemacht, weil damals im Mittelfeld der Platz fehlte. Bei Martin war es so, dass wir ihm die Chance geben wollten. Wir wollten sehen, ob er von hinten seine Schnelligkeit und seinen Zug nach vorne ausspielen kann. Diese Dynamik, die Martin hat, wenn er auf Geschwindigkeit kommt, ist für mich immer noch das Außergewöhnliche an ihm.“ Dennoch: Harnik gefiel die Rolle wenig.

Der zweite Anlauf: „Mehrere Möglichkeiten der Spielanlage“

Die Rückkehr ist festgezurrt. 31 Jahre alt wird Martin Harnik beim Trainingsauftakt am 2. Juli sein. Was von ihm noch zu erwarten ist? Schaaf sagt es so: „Martin hat in der Offensive ein sehr breites Spektrum. Auch wenn er keiner ist, der in jeder Saison 15 bis 20 Tore schießt, trifft er doch regelmäßig. Und er bereitet vor oder schafft Räume, von denen andere profitieren. Die Wege zu machen, Geschwindigkeit reinzubringen, andere in Position zu bringen oder selbst zum Torabschluss zu kommen – das könnten die Ideen sein, weshalb er für Werder wieder interessant ist.“

Ein besonderes Augenmerk gehört natürlich Harniks enger und langjähriger Freundschaft mit Max Kruse. Ein Vorteil für Werder, glaubt Schaaf: „Sie kennen sich aus der Vergangenheit und haben damals gut miteinander harmoniert. Wenn sie das jetzt fortsetzen können, ist es eine gute Sache.“ Und Egoismen seien von den beiden sowieso nicht zu erwarten, ein funktionierendes Miteinander mit allen anderen ist aus Schaafs Sicht ziemlich sicher: „Entscheidend ist letztlich, dass mehrere Spieler da sind, die Tore machen können und dass alle miteinander harmonieren. Die Chance sehe ich allemal.“

Max Kruse: Seine Karriere in Bildern

Max Kruse
Max Kruse spielt zum zweiten Mal für die Bremer. In der Jugend kickte der Angreifer für den SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselte er in die U19 des SV Werder. © Gumz
Max Kruse
Sein Bundesliga-Debüt bei den Werder-Profis gab Kruse unter Trainer Thomas Schaaf am 29. September 2007 gegen Arminia Bielefeld. © imago
Max Kruse
Werder feierte einen 8:1-Kantersieg, Kruse konnte Sturmkollege Markus Rosenberg ein Tor auflegen. Hier jubeln beide nach dem Treffer. © imago
Max Kruse
Der Durchbruch gelang dem Angreifer in Bremen aber nicht. Kruse wechselte 2009 von der Weser nach Hamburg zum FC St. Pauli. © nordphoto
Max Kruse
Bei den „Kiezkickern“ hielt es den gebürtigen Hamburger drei Jahre, dann folgte der Wechsel zum SC Freiburg. © nordphoto
Max Kruse
Die Freiburger reichten Kruse nach einer Saison weiter an Borussia Mönchengladbach. Dort spielte der Stürmer bis 2015... © nordphoto
Max Kruse
...ehe sich der VfL Wolfsburg die Dienste des Offensivmannes sicherte. © nordphoto
Max Kruse
Im August 2016 dann die Rückkehr. Kruse unterschrieb beim SV Werder. © nordphoto
Max Kruse
Nach einer langen Verletzung aus der peinlichen 1:2-Pokalpleite gegen Drittligist SF Lotte startete Kruse in Bremen richtig durch. © nordphoto
Max Kruse
Allein in der Rückrunde erzielte der Stürmer 13 Tore. © nordphoto
Max Kruse
Beim 4:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 30. Spieltag gelang dem begehrten Torjäger sogar ein Viererpack - sorgte im Alleingang für drei Punkte. © nordphoto
Max Kruse
Zu Beginn der Saison 2017/18 lief es aber noch nicht so rund - und Kruse brach sich am vierten Spieltag sein Schlüsselbein. Nur fünf Wochen später stand er aber schon wieder auf dem Platz. © nordphoto
Max Kruse
Im vierten Spiel nach seiner Verletzung war er dann wieder komplett zurück: Kruse gelang ein lupenreiner Hattrick beim 4:0-Sieg über Hannover 96 am zwölften Spieltag. © nordphoto
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler.
Max Kruse ist nun nicht mehr nur Torjäger sondern agiert in der Saison 2017/18 viel zwischen den Abwehrlinien als Ballverteiler. © gumzmedia

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