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Thomas Schaaf bereitet der Hype um junge Spieler ein wenig Sorgen.

Werders Technischer Direktor kritisiert Hype um junge Profis

Schaaf und die Windeln der Talente

Bremen – Der Profi-Fußball wird immer jünger, die Jagd nach Talenten ist mehr denn je eröffnet – und Spieler wie der erst 18-jährige Jadon Sancho von Borussia Dortmund werden schon wie Superstars gefeiert.

Thomas Schaaf bereitet das ein wenig Sorgen. Der Technische Direktor des SV Werder warnt in der „Sport-Bild“ vor zu großem Druck für jungen Spieler: „Heute ist der Hype um ein Talent so groß. Da hat es gerade die Windeln abgelegt, und es heißt dann: Du musst in der Bundesliga sein.“

Die Geduld der Spieler, aber vor allem des Umfelds werde immer geringer. Natürlich wären einige Spieler schon bereit, den Sprung in die Profi-Mannschaft zu schaffen, aber dabei sei eine besondere Sorgfalt gefragt. „Unsere Maxime lautet: So schnell, wie es geht, und so lange, wie es braucht. Wir wollen unsere Talente langfristig im Profi-Bereich sehen. Bestes Beispiel ist Maxi Eggestein“, sagt Schaaf.

DeichBlick-Kolumne von Thomas Schaaf: „Die Eggesteins werden die richtige Entscheidung treffen“

Eggesteins und Sargent Werders große Talente

Eggestein hatte schon mit 17 Jahren in der Bundesliga debütiert, brauchte dann aber ein paar Jahre, um sich zu etablieren. Zwischenzeitlich ging der Mittelfeldspieler sogar in die U23 zurück. Seit einem Jahr ist Maximilian Eggestein unumstrittener Stammspieler in der Bundesliga-Mannschaft – und sogar auf dem Sprung in die Nationalmannschaft.

Auf einem ähnlichen Weg befinden sich Maximilians Bruder Johannes (20) und Josh Sargent (18). Der US-Amerikaner sorgte im Dezember mit seinem Tor direkt beim Bundesliga-Debüt für Furore. Trainer Florian Kohfeldt dosiert die Einsätze des Stürmers und betonte kürzlich erst, Sargent nicht verheizen zu wollen – nicht nur körperlich, sondern vor allem auch nicht mental.

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Schaaf lobt Kohfeldt: „Er tut Werder gut“

Das ist ganz im Sinne von Schaaf, der ohnehin nur lobende Worte für Kohfeldt findet: „Er macht einen Klasse-Job, identifiziert sich total mit der Aufgabe. Er hat ein gutes Maß an Anspannung und Relaxtheit und ist trotzdem sehr ehrgeizig dabei. Dazu ist er sehr detailversessen. Er tut Werder gut.“

Schaaf betont zudem, dass für ihn eine Rückkehr auf den Trainerposten vorerst kein Thema sei. „Ich habe in Bremen einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Solange ich hier diesen Job als Technischer Direktor mache, bin ich weder intern noch extern für einen anderen Job verfügbar“, sagt der 57-Jährige und fügt noch an: „Meine Aufgabe ist jetzt, sich um fußballerische Inhalte zu kümmern und die Ausbildung unserer jungen Spieler.“

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Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab.  © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft.  © imago
Thomas Schaaf
Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit.  © imago
Thomas Schaaf
Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel.  © imago
Thomas Schaaf
In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser...  © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen.  © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer.  © imago
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft...
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft...  © imago
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende.
...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende.  © imago
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen.
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen.  © imago
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend.
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend.  © imago
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz.
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz.  © imago
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt.
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt.  © imago
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)..
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)..  © imago
 ...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation.
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation.  © imago
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen.  © Gumz
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors.
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors.  © gumzmedia

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