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Alexander Nouri ist gemeinsam mit Werders Mediendirektor im Iran.

Filbry: „Wir sondieren vor Ort den Markt“

Nouri bringt Werder in den Iran

Bremen/Teheran - Zurück zu den Wurzeln: Alexander Nouri besucht in diesen Tagen den Iran, die Heimat seines Vaters – und hat den SV Werder mitgenommen.

Also nicht den ganzen Club, aber immerhin Michael Rudolph. Und der Mediendirektor soll den im Iran so populären Trainer nicht nur bei den vielen Terminen unterstützen, sondern auch Werders Interessen vertreten. „Wir sondieren vor Ort den Markt“, erklärt Werder-Boss Klaus Filbry: „Der Iran ist nicht uninteressant für uns. Wir müssen sehen, was sich daraus entwickelt.“

Eine Möglichkeit gibt es sogar schon für diesen Sommer. Werder liegt die Einladung für ein Vorbereitungsspiel vor. Filbry hält eine Zusage zwar für „eher unwahrscheinlich“, schließlich sei die Vorbereitung mit den Trainingslagern im Zillertal und in Schneverdingen schon ziemlich durchgeplant, „aber ich will es auch nicht ausschließen“. Zumal Filbry den Erfahrungen von Nouri und Rudolph vor Ort nicht vorgreifen will. In den dortigen Gesprächen soll es auch um mögliche Kooperationen zu Vereinen gehen.

Nouri ist Co-Kommentator fürs iranische Fernsehen

Auslöser für die ganze Geschichte ist natürlich Alexander Nouri. Sein Vater stammt aus dem Iran. Nouri selbst ist in Buxtehude geboren und aufgewachsen. Er besitzt auch die iranische Staatsbürgerschaft. „Der Iran ist ein Teil von mir“, hat der 37-Jährige mal in einem Interview mit der DeichStube betont und von seiner bis dato letzten Reise in den Iran berichtet: „Das war 2005. Ich habe gemeinsam mit meinem Vater eine mehrwöchige Reise in die interessantesten Städte des Landes unternommen. Ich wollte wissen, woher ich komme. Das war wichtig für mich, um eine Art Identität zu finden.“

Jetzt ist er auf Einladung eines TV-Senders wieder mit seinem Vater dort – und als Bundesliga-Trainer ein Star. Der Werder-Coach wurde auf dem Weg vom Flughafen in die Haupstadt Teheran mit einem 40 Meter langen Banner, das über der Autobahn angebracht war, begrüßt. Beim WM-Qualifikationsspiel am Montagabend zwischen dem Iran und Usbekistan in Teheran wird Nouri als Co-Kommentator für das Fernsehen arbeiten. Weitere Medientermine sind vorgesehen. Da kommt es ihm entgegen, dass er sich durchaus verständigen kann: „Ich spreche ein wenig Farsi.“

Das öffnet vor Ort sicher nicht nur Türen, sondern auch die Herzen. „Natürlich spielt Alex in den Beziehungen zum Iran eine ganz besondere Rolle, er ist quasi unser Vehikel“, sagt Filbry. Dass der Iran politisch gesehen kein unumstrittenes Land ist, weiß Filbry natürlich. „Wir werden uns selbstverständlich mit dem Land als solches auseinandersetzen“, versichert der 50-Jährige: „Aber der Iran ist ein Land, das sich immer mehr öffnet und dadurch auch wirtschaftlich interessant wird.“

Filbry verweist dabei auf die Reise einer Wirtschaftsdelegation der Bremer Handelskammer vor gut einem Jahr. „Der Iran bietet praktisch allen Teilnehmern große Chancen“, hatte Eduard Dubbers-Albrecht, Vizepräses der Handelskammer, anschließend gesagt. Und Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, empfahl: „Jetzt muss man dabei sein.“ Werder ist nun dabei, wenngleich Filbry betont: „Wir sind noch in der Bewertungsphase.“ Nach der Reise des Trainers und des Mediendirektors soll dann in Bremen diskutiert werden, wie es mit Werder und dem Iran weitergeht.

Alexander Nouri: Seine Karriere in Bildern

Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil.
Bereits im Jugendbereich lief Alexander Nouri für Werder Bremen auf. Dort schaffte er es in die deutsche U16-Nationalmannschaft und nahm 1996 sogar an der EM in Österreich teil. © imago
Bis 2001 spielte der spätere Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen.
Bis 2001 spielte der spätere Bremer Chefcoach für die Amateurmannschaft an der Weser und war zwischenzeitlich für wenige Monate an Seattle Sounders ausgeliehen. © gumzmedia
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte.
Nouri verließ die Hanseaten für den KFC Uerdingen, wo er drei Jahre in der Regionalliga Nord kickte. © imago
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Club den Aufstieg in die Zweite Liga und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL.
Anschließend wechselte er zum VfL Osnabrück. 2007 schaffte er mit dem Club den Aufstieg in die Zweite Liga und erzielte in insgesamt 93 Pflichtspielen neun Treffer für den VfL. © imago
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte.
Nach vier Jahren in Osnabrück zog es Nouri zu Holstein Kiel, wo er zwei weitere Spielzeiten verbrachte. © imago
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete.
2010 wechselte der gebürtige Buxtehuder zum VfB Oldenburg, wo er 2012 seine Karriere als aktiver Spieler beendete und seine Laufbahn als Trainer startete. © imago
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung.
Zur Saison 2014/15 kehrte Nouri nach Bremen zurück. Zunächst war er Co-Trainer der U23, dann wurde er befördert und übernahm als Cheftrainer die volle Verantwortung. © gumzmedia
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert.
Noch in der gleichen Spielzeit führte Nouri Werders Reservemannschaft in die Dritte Liga. Von seinen Spielern wurde er dafür gefeiert. © gumzmedia
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach entlassen. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer.
Sein Aufstieg als Trainer ging weiter: Nach dem dritten Spieltag der Saison 2016/2017 wurde bei den Profis Viktor Skripnik als Coach entlassen. Nouri übernahm zunächst als Interimstrainer. © gumzmedia
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte zunächst auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser.
Der emotionale Nouri baute nicht nur Strukturen um, sondern brachte zunächst auch neue Leidenschaft in die Mannschaft von der Weser. © gumzmedia
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer standen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite.
Die Belohnung: Anfang Oktober wurde der 37-Jährige zum Cheftrainer befördert. Als Co-Trainer standen ihm Florian Bruns und Markus Feldhoff zur Seite. © gumzmedia
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe.
Die Zeiten blieben aber schwierig. Werder verlor die ersten vier Spiele nach dem Jahreswechsel und stürzte erneut auf den Relegationsplatz. Nouris Job stand stand arg auf der Kippe. © gumzmedia
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel.
Doch dann starteten die Bremer eine nicht für möglich gehaltene Erfolgsserie. Zwischen Mitte Februar und Anfang Mai 2017 blieb Werder in elf Spielen in Folge ungeschlagen, gewann neun davon - und ging voll auf Kurs Europa League. Nouri saß plötzlich ganz fest im Sattel. © gumzmedia
Der Werder-Trainer hatte auch mehrfach das Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit politisch zu positionieren. Nouri zeigte US-Präsident Donald Trump für ein verhängtes Einreiseverbot die „Rote Karte“. Und sagte bei einer Pressekonferenz: „Ich habe nichts gegen das Wort Europa - ich bin ja nicht die AfD.“
Der Werder-Trainer hatte auch mehrfach das Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit politisch zu positionieren. Nouri zeigte US-Präsident Donald Trump für ein verhängtes Einreiseverbot die „Rote Karte“. Und sagte bei einer Pressekonferenz: „Ich habe nichts gegen das Wort Europa - ich bin ja nicht die AfD.“ © gumzmedia
Am Ende der Spielzeit 2016/17 verpasste Werder die Europa League aber knapp als Tabellen-Achter.
Am Ende der Spielzeit 2016/17 verpasste Werder die Europa League aber knapp als Tabellen-Achter. © gumzmedia
In der Folgesaison konnte Werder in den ersten zehn Pflichtspielen keinen Sieg einfahren. Die Folge: Trainer Nouri wurde am 30. Oktober 2017 vom Verein freigestellt. 
In der Folgesaison konnte Werder in den ersten zehn Pflichtspielen keinen Sieg einfahren. Die Folge: Trainer Nouri wurde am 30. Oktober 2017 vom Verein freigestellt.  © gumzmedia
Von Ende September bis Ende November 2018 - länger ging das Engagement von Alexander Nouri als Trainer beim Zweitligisten FC Ingolstadt nicht. Seine Bilanz: drei Punkte aus acht Spielen, kein Sieg.
Von Ende September bis Ende November 2018 - länger ging das Engagement von Alexander Nouri als Trainer beim Zweitligisten FC Ingolstadt nicht. Seine Bilanz: drei Punkte aus acht Spielen, kein Sieg. © imago

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