Starke Vorstellung nach seiner Einwechslung: Werder-Stürmer Hugo Almeida belohnte sich mit einem Tor und der Vorarbeit zum zwischenzeitlichen 2:1.

Werder-Stürmer schmort gegen Leverkusen erst auf der Bank – dann holt er den „Hammer“ raus

Trauriger, glücklicher Almeida

Werder-Bremen - Von Arne Flügge (Eig. Ber.) · Waren es taktische Gründe, oder war‘s gar eine Strafversetzung auf die Bank, weil er in der Champions League bei Inter Mailand klarste Chancen ausgelassen hatte? Zumindest war es überraschend, dass Stürmer Hugo Almeida am Sonntagabend beim 2:2 (0:1) in Leverkusen nicht in der Startelf von Werder Bremen stand.

Und der 25-Jährige, vor Wochenfrist mit einem Doppelpack beim 3:2 im Nordderby gegen den Hamburger SV immerhin noch Matchwinner und Held der Hanseaten gewesen, machte später aus seinem Herzen auch keine Mördergrube. „Ich bin total enttäuscht und traurig, dass ich nicht von Beginn an gespielt habe“, seufzte der Portugiese.

Warum das der Fall war, darauf hatte Almeida keine Antwort. „Es liegt nicht an mir, diese Entscheidung hat der Trainer zu verantworten“, erklärte der bullige Angreifer, gab sich dann aber gleich wieder – ganz Almeida eben – kämpferisch: „Ich bin nicht der Typ, der sich unterkriegen lässt. Ich hebe nach der ersten Enttäuschung gleich wieder den Kopf und gebe mein Bestes.“

Werder holt einen Punkt in Leverkusen

Werder holt Punkt in Leverkusen

Bundesliga - siebter Spieltag: Werder Bremen ist zu Gast © dpa
bei Bayer04 Leverkusen © dpa
In einem phasenweise hochklassigen Spiel trennten sich Werder Bremen und Bayer Leverkusen am Sonntagabend mit 2:2. Nach der frühen Führung durch Patrick Helmes bekam Werder durch die Einwechslung von Hugo Almeida frischen Wind. Der Portugiese erzielte ein Tor und bereitete eins vor. Eren Derdiyok glich kurz vor dem Ende jedoch aus. © dpa
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Thomas Schaaf, der Trainer, hatte in seinem taktischen 4-2-3-1-System Neuzugang Marko Arnautovic den Vorzug gegeben. Doch die einzige Bremer Spitze blieb stumpf wie ein ungeschliffenes Rasenmähermesser. Der Österreicher konnte die Erwartungen – wieder einmal – überhaupt nicht erfüllen, wirkte uninspiriert, lethargisch, suchte nicht den Abschluss und strahlte damit kein bisschen Torgefahr aus. Werder fand offensiv in Durchgang eins nur selten statt. Und wenn, dann ging die Gefahr von den Mittelfeldspielern aus, Arnautovic blieb nur die Statistenrolle. Für einen so hochgradig talentierten Offensivspieler war das viel zu wenig. Gerade angesichts der personellen Sorgen an der Weser hätte man sich gewünscht, dass Arnautovic vielleicht jetzt endlich durchstartet. Doch der 21-Jährige tritt weiter auf der Stelle. Unterm Strich hatte auch Arnautovic somit durch seine Passivität Anteil daran, dass Bayer Leverkusen zur Pause durch ein Tor von Patrick Helmes (16.) mit 1:0 in Führung lag.

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten der Werder-Spieler

Tim Wiese: Dieses Trikot wollte er nie tragen, doch nach 24 Gegentoren in elf Spielen war es so weit. Die bittere Erkenntnis: Auch in Orange klingelt’s in Wieses Kasten. Beim ersten Tor entschied sich der Keeper allein gegen Patrick Helmes sehr früh für die kurze Ecke. Auszeichnen konnte sich Wiese nur bei einem Schuss von Sidney Sam (45.). Note 3,5
Petri Pasanen: Diesmal wurde er auf der rechten Abwehrseite gebraucht, allerdings nicht, um das Abseits beim 0:1 aufzuheben und beim 0:2 zu passiv zu sein. Es gab aber auch den zupackenden Finnen. Note 4,5
Per Mertesacker: Bis zur 78. Minute der Turm in der Schlacht, räumte im Strafraum konsequent ab – bis Eren Derdiyok kam, Mertesacker austanzte und den Ausgleich erzielte. Dazu passte auch das etwas zu zaghafte Zweikampfverhalten des Bremers vor dem 0:1. Note 4
Sebastian Prödl: Eine üble Kerze im eigenen Strafraum, eine vergebene Hundertprozentige elf Meter vor dem Tor – in den letzten Sekunden machte sich der Österreicher eine ordentliche Leistung noch kaputt. Note 4,5
Mikael Silvestre: Immerhin blieben seine Fehler diesmal ohne direkte Folgen. Aber mit dem einst so starken Silvestre in der Premier League hat dieser Linksverteidiger nichts mehr gemeinsam. Note 5 © nordphoto
Wesley: Der Duracell-Hase ist eine Schlaftablette gegenüber dem Brasilianer. Immer unter Strom, ständig unterwegs – ob zunächst als Sechser oder später weiter vorne. Einziges Manko: Abgesehen von dem langen Ball vor dem Führungstreffer kommt dabei noch zu wenig rum. Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 45.): Zweimal Retter in höchster Not, einmal dabei sogar auf der Torlinie (15.). Nach vorne nicht so stark, deshalb fand die Aufholjagd ohne ihn statt. Note 3,5
Marko Marin: Erster Bundesliga-Treffer in dieser Saison, und den hatte er sich auch verdient. Zuvor zwei gute Torchancen und ein Quasi-Assist, weil er den Freistoß zum Ausgleich herausgeholt hatte. Note 2,5
Daniel Jensen: Nach Tim Borowski in Mailand durfte sich diesmal Jensen als Spielmacher probieren. Erst scheiterte er an Bayer-Keeper Rene Adler (13.), dann an Schiedsrichter Manuel Gräfe, der den Dänen zu Unrecht wegen Abseits zurückpfiff (29.). Als Sechser nach der Pause wertvoller. Note 3,5
Aaron Hunt (bis 86.): Der Mittelfeldspieler quälte sich lange Zeit in die Partie, wurde nach der Pause endlich stärker und krönte seine Leistung mit der feinen Vorarbeit zum Führungstreffer. Note 3,5
Marko Arnautovic (bis 83.): Positiv: Der Österreicher versuchte immer, direkt zu spielen und hatte damit gelegentlich auch Erfolg. Negativ: Die lange Zeit einzige Spitze strahlte keinerlei Torgefahr aus – und irgendwie wirkte der ganze Auftritt zu pomadig. Note 5
Hugo Almeida (ab 46.): Warum bloß hat er nicht von Beginn an gespielt? Der Portugiese brachte Werder zurück ins Spiel, erst mit viel Kampf, dann mit einem Hammer-Freistoß (53.) und schließlich noch mit einem starken Pass vor dem 2:1. Allerdings: Beim Stand von 2:1 zerstörte er fahrlässig einen vielversprechenden Konter. Note 2,5
Onur Ayik (ab 83.): Kurios: Auch beim zweiten Bundesliga-Einsatz des 20-jährigen Stürmers hieß der Gegner Leverkusen und lautete das Endergebnis 2:2. Note -
Said Husejinovic (ab 86.): Saisonpremiere dank Personalnot. Note -

Immerhin revidierte Schaaf nach 45 Minuten seine Entscheidung, Almeida auf der Bank schmoren zu lassen. Der Bremer Coach brachte den portugiesischen Nationalstürmer für den defensiven Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede.

Während Arnautovic sich nun ins Mittelfeld zurückzog und auch dort unterging, machte Almeida im Bremer Sturmzentrum sofort richtig Alarm und stellte die bis dato fast beschäftigungslosen Leverkusener Innenverteidiger Manuel Friedrich und Sami Hyypiä gleich vor ernsthafte Probleme. Es war Leben in der Bremer (Angriffs-)Bude – und Almeida, von den Werder-Fans schon nach seiner Einwechslung als Heilsbringer gefeiert, sollte jetzt auch in die Rolle des Hauptdarstellers einer wesentlich besseren Bremer Aufführung schlüpfen.

Zunächst traf Almeida mit einem satten Linksschuss per Freistoß zum 1:1 (53.). Dass er eine gehörige Portion Wut und Frust mit in diesen „Hammer“ gelegt hatte, wollte er später nicht zugeben. „Ich habe ihn halt geschossen, wie man einen Freistoß schießen muss“, grinste Almeida nur und zwinkerte mit den Augen. Neun Minuten später leitete der Werder-Stürmer einen langen Ball von Wesley in der Luft direkt weiter auf Aaron Hunt, der dann mit dem Außenrist Marko Marin bediente – und Werder führte 2:1. Auch dank der Handlungsschnelligkeit von Almeida hatte Werder das Spiel gedreht. „Natürlich kann ich persönlich mit meiner Leistung zufrieden sein. Ich habe ein Tor gemacht, eines mit vorbereitet und viele Räume geöffnet“, zeigte sich der Werder-Stürmer zufrieden.

Nun ja, fast jedenfalls. „Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten die drei Punkte geholt“, sagte Almeida, „deswegen bin ich auch ein wenig enttäuscht. Im zweiten Durchgang waren wir viel konzentrierter und entschlossener. Da haben wir an unsere Qualitäten geglaubt und wussten, dass wir ins Spiel zurückfinden können. Doch durch eine Unachtsamkeit haben wir noch das Gegentor bekommen.“

Der Treffer zum 2:2-Endstand fiel in der 78. Minute durch den eingewechselten Eren Derdiyok, weil Per Mertesacker einen Schritt zu spät dran war, seine Kollegen Petri Pasanen und Daniel Jensen nicht halfen. „Ich werde zwar deswegen jetzt keine schlaflosen Nächte haben, aber es beschäftigt mich schon sehr“, räumte Mertesacker ein, der ansonsten ein klasse Spiel in der Innenverteidigung gemacht hatte. Unterm Strich gehe das Unentschieden auch in Ordnung.

Das fand auch Hugo Almeida, zumindest in der Bundesliga derzeit Werders Lebensversicherung: „Leverkusen war ein starker Gegner.“

Nach seiner guten Leistung ist Almeida gestern Mittag mit breiter Brust zur portugiesischen Nationalelf geflogen. „Ich habe sehr viel Selbstbewusstsein im Gepäck, weil ich gut drauf bin“, lachte der Stürmer, der es jetzt auch in der EM-Qualifikation gegen Dänemark und Island krachen lassen will. Am liebsten natürlich von Beginn an und nicht wieder erst als Joker . . .

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