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Geschäftsführer Klaus Filbry hat Werders Bilanzen für das Geschäftsjahr 2017/2018 vorgestellt.

Filbry: „Finanziell stärker geworden“

TV-Geld statt Transfererlöse: Werder finanziert sich anders

Bremen - Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die Verantwortlichen des SV Werder immer wieder die große Abhängigkeit von Transfereinnahmen hervorgehoben. Der Bundesligist müsse einfach die besten Spieler verkaufen, um zu überleben, das sei quasi das Geschäftsmodell. Doch das hat sich in der Saison 2017/18 extrem verändert. Werder-Boss Klaus Filbry legte am Montagabend bei der Mitgliederversammlung in der Werder-Halle eine sehr interessante Bilanz vor.

Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr von 123,5 Millionen Euro auf 118,7 gesunken, genauso wie der Gewinn von 700.000 Euro auf 500.000. Klingt eigentlich nicht so gut, doch die Einnahmeseite lässt aufhorchen. Denn Werder benötigte für das positive Ergebnis Transfererträge von nur 6,5 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 33,8 Millionen Euro gewesen. Haupteinnahmequelle war der Bereich Medien: Aus den verschiedenen TV-Töpfen gab es dank des neuen Fernseh-Vertrags für die Bundesliga 49,9 Millionen Euro statt 34,1 im Vorjahr. Und im Bereich Sponsoring und Spielbetrieb steigerte sich der Club ebenfalls.

„Wir sind sehr zufrieden mit den Zahlen, denn wir sind finanziell deutlich stärker geworden“, sagte Filbry im Vorgespräch mit der DeichStube: „Es ist schon ein ganz gutes Gefühl, dass man auf Transfererlöse nur noch bedingt angewiesen ist.“ Er warnte aber zugleich, dass die TV-Gelder auch schnell wieder sinken würden, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Dann müsse Werder möglicherweise auch wieder sein kickendes Tafelsilber verkaufen.

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Winter-Transfers? Werder hat Handlungsspielraum

Aktuell sieht es ganz anders aus. Werder könnte sogar im Winter noch nachlegen – zum Beispiel für den Fall, dass Philipp Bargfrede mit seinen Achillessehnenproblemen länger ausfallen sollte. „Handlungsspielraum ist da“, meinte Filbry, „aber es ist nichts geplant.“

Das Ziel bleibe, Werder wieder auf die internationale Bühne zu bekommen. Denn das würde durch weitere Einnahmen die Abhängigkeit von Transfererlösen noch mehr verringern. Zum dritten Mal in Folge hat es der Club geschafft, nach vier Jahren mit zum Teil tiefroten Zahlen wieder eine positive Bilanz vorzulegen. „Der Trend stimmt“, meinte Filbry: „Aber es ist auch jedes Mal harte Arbeit.“ Das zeigt ein Blick in die Aktualität, in der zum Beispiel die Sponsoring-Einnahmen durch den Wegfall eines chinesischen Partners und dem nun geringer dotierten Vertrag von VW noch nicht auf Vorjahresniveau sind.

Werder Bremens wirtschaftliche Entwicklung (Klicken zum Aufklappen)

Woher kommt das Geld, wohin fließt es?

Wie Werder in der Saison 2017/18 sein Geld eingenommen und auch wieder ausgegeben hat, zeigt diese Übersicht.

Transfers

Die Verkäufe von Jerome Gondorf (SC Freiburg), Sambou Yatabare (Royal Antwerpen), Laszlo Kleinheisler (FC Astana), Leon Guwara (FC Utrecht), Ulisses Garcia (Young Boys Bern) und zwei Nachwuchsspielern brachten Werder 6,5 Millionen Euro ein. Kein Vergleich zum Vorjahr, als über Transfers 33,8 Millionen Euro eingenommen wurden. Damals hatten speziell Jannik Vestergaard (Borussia Mönchengladbach) und Anthony Ujah (Liaoning FC) die Bremer Kasse gefüllt.

Achtung: Bei Sommer-Transfers ist es sehr unterschiedlich, welchem Geschäftsjahr sie zugerechnet werden. Die Ablöse für Thomas Delaney (20 Millionen Euro von Borussia Dortmund) macht sich positiv für Werder erst in der nächsten Bilanz bemerkbar, die Sonderabschreibung des Restbuchwerts schon jetzt.

Medien

Die TV-Gelder sprudeln so stark wie niemals zuvor. 49,9 Millionen Euro kassierte Werder – dank des Erreichens des DFB-Pokal-Viertelfinals, aber vor allem dank des neuen Fernseh-Vertrags. „Das haben wir uns als Liga erarbeitet, aber auch als Verein“, sagte Filbry und hob hervor: „Werder ist eine starke Marke, und auch wegen Clubs wie Werder zahlen TV-Anstalten mehr Geld.“ In den nächsten Jahren wird noch mehr Geld ausgeschüttet – und zum größten Teil nach dem Abschneiden der Clubs ausgezahlt.

Werbung

Die Einnahmen stiegen von 20,7 auf 24,2 Millionen Euro. Das ist ein Plus von sehr ordentlichen 17 Prozent. Verantwortlich dafür waren ein verbesserter Vertrag mit Hauptsponsor Wiesenhof, höhere Zahlungen von Ausrüster Nike und zwei neue Partner aus China. Einer davon hat sich schon wieder verabschiedet.

Spielbetrieb

Weil das Weserstadion eigentlich immer voll ist, sind Steigerungen eigentlich nur durch zusätzliche Spiele möglich. Da hat der Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale geholfen, dort kassiert Werder auch als Auswärtsmannschaft. Statt 23,2 Millionen Euro im Vorjahr gab es diesmal 25,9 Millionen.

Personalkosten

Mit 56,1 Millionen Euro sind die Personalkosten der größte Einzelposten auf der Ausgabenseite. Fußball-Profis verdienen eben nicht so schlecht. Wenngleich von dieser Summe auch weitere Mitarbeiter bezahlt werden. Im Vergleich zum Vorjahr gab Werder für sein Personal 1,4 Millionen Euro mehr aus.

Polizeikosten

Vor Gericht wird noch gestritten, aber Werder hat schon gehandelt: Eine Million Euro wurde als Rücklage gebildet, falls sich der Bundesligist tatsächlich an den zusätzlichen Polizeikosten bei Hochrisikospielen beteiligen muss. Die bisher gestellten Rechnungen des Landes Bremen liegen zusammen bei zwei Millionen Euro. DFL und Werder gelten als Co-Veranstalter.

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