Ivan Klasnic hat vor Gericht gewonnen. (Archivfoto)
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Ivan Klasnic hat vor Gericht gewonnen.

Urteil im Gerichtsprozess

Sieg auf ganzer Linie für Ivan Klasnic

Bremen - Sieg auf ganzer Linie für Ivan Klasnic: Das Landgericht Bremen hat am Freitag in einem Grundsatz- und Teilurteil die von dem ehemaligen Werder-Profi beklagten Parteien zu einer Zahlung von 100.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Update (11:27 Uhr): "Endlich ist das Resultat erreicht. Aber gesund werde ich dadurch auch nicht mehr", sagte Ivan Klasnic nach dem Urteilsspruch am Freitag gegenüber der DeichStube. "Ich habe nur das Recht geholt, das mir zusteht. Ich habe keine Märchen erzählt. Die Ärzte haben schlampig gearbeitet."

An die Adresse seines ehemaligen Team-Arzts Dr. Götz Dimanski sagte Klasnic: "Er hat immer gesagt, er könne in Ruhe schlafen. Vielleicht kann er sich jetzt mal Gedanken machen. Er war mein Team-Arzt, er hätte reagieren müssen."

Die Gerichtskammer hatte bei den Ärzten Dr. Götz Dimanski (ehemaliger Werder-Team-Arzt) und Dr. Manju Guha (Internistin) im Zeitraum zwischen Mai 2003 und Oktober 2005 "grobe Behandlungsfehler" festgestellt. Nach dem Urteil der Kammer konnten die Beklagten nicht beweisen, dass die Behandlungsfehler nicht die Ursache für die Nierenschäden Klasnics waren.

Deshalb müssen Dimanski, Guha, die beklagte Werder Bremen GmbH sowie das Rehazentrum Bremen für alle bislang entstandenen sowie entstehenden materiellen und immateriellen Schäden bei Klasnic aufkommen. Im Grundsatz bestätigte das Gericht Klasnics Anspruch auf Schadensersatz. Die Höhe der Summe muss allerdings in einem weiteren Verfahren festgelegt werden. Klasnic hatte zunächst auf eine Zahlung in Höhe von 1,1 Millionen Euro geklagt.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Bremen, Clemens Bolay, warf Dr. Dimanski vor, "mehrere Fehler begangen" zu haben. Diese Fehler sind aus Sicht der Kammer der Grund, weshalb sich Klasnics Nierenfunktion über die Jahre erheblich verschlechtert hat und schließlich ganz ausfiel. "Diese Fehler dürfen einem Arzt schlechterdings nicht passieren", sagte Bolay. Dr. Guha haftet in gleichem Umfang wie Dimanski. Auch ihr attestierte der Richter ein "grob fehlerhaftes" Vorgehen.

"Ich bin extrem überrascht", sagte Dimanski nach der Urteilsverkündung und startete einen neuen Versuch der Rechtfertigung: "Ich gehe davon aus, dass ich der Einzige bin, der die Fakten richtig kennt. Aber das ist immer eine Frage der Interpretation." Der SV Werder Bremen äußert sich zum Urteilsspruch nicht.

Ivan Klasnic lebt seit März 2007 mit einer Spenderniere. Seit September 2016 ist er Dialysepatient und wartet erneut auf ein Spenderorgan.

Update (11. November 2020): Nun kommt es offenbar zum Vergleich: Vier Millionen Euro für Ivan Klasnic?

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