Mit Werder gewann Valerien Ismael 2004 das Double – am Freitag trifft er nun als Chefcoach des VfL Wolfsburg im Bundesliga-Kellerduell auf seine alte Liebe von der Weser.
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Mit Werder gewann Valerien Ismael 2004 das Double – am Freitag trifft er nun als Chefcoach des VfL Wolfsburg im Bundesliga-Kellerduell auf seine alte Liebe von der Weser.

VfL-Trainer trifft Freitag mit auf seinen Ex-Club Werder

Valerien Ismael: „Diese Liebe vergesse ich nie“

Wolfsburg - Von Carsten Sander. Am Freitagabend (20.30 Uhr) trifft Valerien Ismael als Coach des VfL Wolfsburg auf seinen Ex-Club SV Werder, mit dem er 2004 als Spieler das Double gewann. Das Match ist ein Keller-Knaller.

Valerien Ismael steht mit hinter dem Rücken verschränkten Armen auf dem Trainingsplatz. Er sagt wenig, gibt nur selten Kommandos. Manchmal hört man ihn, wie er mit dem unverwechselbaren französischen Akzent seinen Spielern etwas zuruft. Doch das meiste erledigen seine Co-Trainer. Ismael selbst schaut zu, beobachtet, macht sich seine Gedanken. Im Hintergrund erhebt sich die VW-Arena, und dort wird der Trainer Ismael mit dem VfL Wolfsburg am Freitag Werder Bremen empfangen.

Das Spiel ist ein Keller-Knaller in der Fußball-Bundesliga, ein Duell zweier Teams, die beide eine Problemsaison erleben. Wolfsburg als aktuell Tabellen-14., Werder zwei Plätze dahinter. Für Valerien Ismael ist es aber auch ein Duell der Gegenwart mit der Vergangenheit. Denn Werder, das war mal seine ganz große Liebe. Damals, 2004, als die Bremer das Double gewannen. Mit Ismael in der Innenverteidigung. „Werder“, sagt er mit einem Lächeln, in dem mehr Aussagekraft liegt als in seinen Worten, „war der Startschuss und der Höhepunkt meiner Karriere.“

Ismael spricht nach dem Training in einer kleinen Medienrunde über das bevorstehende Spiel. Das Thema Werder-Double will er im Vorfeld eigentlich gar nicht behandeln, Interview-Anfragen hat er deshalb samt und sonders abgelehnt. Der naheliegende Grund: Es passt nicht zur angespannten Wolfsburger Lage, dass der Coach in rosaroten Erinnerungen schwelgt, während die Mannschaft in Abstiegsgefahr schwebt. Aber vollständig ausklammern lässt es sich eben auch nicht, wenn Ismael auf Werder trifft. Noch dazu das erste Mal als Trainer – jedenfalls auf Bundesliga-Ebene. In der Regionalliga hat es den Vergleich schon viermal gegeben. Nie hat Ismael verloren. So soll es nach seinen Wünschen auch am Freitag sein.

VfL-Trainer ist in Bedrängnis geraten

„Wir müssen gewinnen“, sagt er und fordert von seiner Mannschaft eine klare Reaktion auf die 0:3-Niederlage bei Borussia Dortmund am vergangenen Spieltag. „Dieses Team hat zwei Gesichter, und wir müssen am Freitag unser gutes Gesicht zeigen, müssen uns etwas zutrauen und mit Herz spielen.“ Gegen Dortmund habe all das gefehlt, der Auftritt dort sei „halbherzig“ gewesen, ohne Entschlossenheit. Valerien Ismael ist dadurch mal wieder in Bedrängnis geraten. Er wackelt als Trainer, nach nur 14 Spielen als Chefcoach steht er auf der Kippe. In Wolfsburg wird gemunkelt, dass bei einer Niederlage gegen Werder das Ende für den 41-Jährigen gekommen sein könnte.

Es wäre gewiss eine miese Schurkerei des Schicksals, wenn ihm ausgerechnet der Club, bei dem er seine beste Zeit als Spieler erlebt hatte, zum Verhängnis wird. Die zwei Jahre an der Weser nennt er „eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. In Bremen hat für mich einfach vom ersten Tag an alles gepasst. Es waren zwei Jahre voller positiver Emotionen, wie ein Traum“. Im ersten Jahr gewann Ismael Meisterschaft und Pokal, im zweiten Jahr spielte er Champions League. Zu einem dritten Jahr kam es nicht mehr, der FC Bayern kaufte den Franzosen für 8,5 Millionen Euro aus Bremen weg. Gekostet hatte Ismael etwas mehr als eine Million.

Ismael schwärmt von seiner Zeit als Werder-Spieler

Werder hatte also gut verdient an ihm. Aber Valerien Ismael auf die Zahlen in der Geschäftsbilanz zu reduzieren, wäre beleidigend. Er war schließlich Fan-Liebling und Führungsfigur. Zwar erreichte er nicht die Popularität eines Johan Micoud oder Ailton, aber die Wertschätzung war dennoch groß, ist es im Grunde immer noch. Denn überall im Weserstadion finden sich noch Bilder von Ismael – mit Pokal, mit Meisterschale. Er weiß davon, spürt auch, dass das Gewesene nachwirkt: „Diese Liebe, die ich zurückbekommen habe, ist etwas, was ich nie vergessen werde.“ Auch die Bindung zu der Mannschaft von 2004 sei immer noch da. Zuletzt habe er Andi Reinke, Torhüter des Double-Teams, während des VfL-Trainingslagers in La Manga getroffen, berichtet Ismael. Reinke lebt dort phasenweise.

Nach Bremen pflegt Valerien Ismael indes nicht mehr viele Kontakte. Zu Frank Baumann, dem Werder-Sportchef, schon noch, auch wenn es „in den vergangenen Monaten weniger geworden ist“. Aber einen Haufen Freunde, die er regelmäßig besucht, hat er nicht mehr in der Hansestadt. Es ist ja auch alles schon ganz schön lange her. Aktuell hegt Ismael auch nicht die Absicht, sich neue Freunde in Bremen zu machen – jedenfalls nicht am Freitagabend. Denn das Spiel gegen die alte Liebe soll für Valerien Ismael nicht das letzte als Trainer des VfL Wolfsburg sein.

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