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Ein Bild, das Werder richtig weh tut: Max Kruse verlässt im Heimspiel gegen Schalke verletzt den Platz. Später sollte sich herausstellen, dass sich der Stürmer das Schlüsselbein gebrochen hat und nun rund acht Wochen lang nicht zur Verfügung steht.

Keine Zeit zum Hadern

Warum Werder optimistisch bleibt

Bremen - Es war schon Abend geworden, Schalkes Mannschaftsbus hatte Bremen längst verlassen, da muss Thilo Kehrer irgendwo auf der Autobahn zu seinem Handy gegriffen haben.

In wenigen Sätzen formulierte der Abwehrspieler bei Instagram seine Sicht auf eine Szene, die am Nachmittag im Weserstadion für große Aufregung gesorgt hatte. Nach einem harten Foul des 20-Jährigen an Werders Max Kruse musste dieser verletzt raus, die spätere Diagnose: Schlüsselbeinbruch, acht Wochen Pause.

Werders Leistung bietet Grund für Optimismus

„Ich gebe zu, es war ein hartes Einsteigen und ein Foul von mir“, beginnt Kehrers Text. Er endet mit: „Deswegen wünsche ich Max gute Besserung und eine schnelle Genesung.“ Es war eine anständige Geste des Schalkers, mit der für Werder ein Tag zu Ende ging, der nicht schlechter hätte laufen können. Kruse verletzt, das Spiel mit 1:2 (1:1) verloren – die Enttäuschung war allen Bremern nach dem Schlusspfiff deutlich anzumerken gewesen. Da war aber noch etwas: Der Glaube daran, dass Werder trotz aller Rückschläge in den nächsten Spielen Punkte holt.

In Wolfsburg am Dienstag, gegen Freiburg am Samstag – das sind Werders kommende Aufgaben in der Bundesliga. Viel Zeit zum Hadern bleibt nach dem bitteren Schalke-Spiel also nicht. „Wir müssen uns so schnell wie möglich schütteln und uns auf die nächste Aufgabe fokussieren“, sagte Trainer Alexander Nouri. „Schon am Dienstag haben wir wieder die Möglichkeit, uns für ein gutes Spiel zu belohnen.“ Ein gutes Spiel – genau das hatte Werder auch gegen Schalke gezeigt. Wie schon an den ersten drei Spieltagen lieferte die Mannschaft eine ansprechende Leistung ab, die durchaus Grund für Optimismus bot. Was allerdings einmal mehr nicht stimme: der Ertrag.

Werder-Sportchef Frank Baumann bleibt trotz Ergebniskrise ruhig. Er erinnert sich an die vergangene Rückrunde.

Nach den Treffern von Lamine Sane (20.), Milos Veljkovic (22./Eigentor) und Leon Goretzka (84.) stand die dritte Bremer Pleite im vierten Spiel zu Buche. In der Tabelle heißt das: ein Punkt, Platz 17. Für Nouri wiegen die guten Auftritte seiner Elf allerdings schwerer als die bisherigen Zahlen. „An den ersten zehn Spieltagen gucken die Pessimisten und Optimisten auf die Tabelle“, sagte der Coach, „die Realisten gucken erst später.“ Werders „Art und Weise“ auf dem Platz fühle sich gut an, „und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dich für gute Leistungen irgendwann belohnst.“

Das soll am besten schon in Wolfsburg passieren, nun eben ohne den in der Offensive so wertvollen Max Kruse. Abwehrchef Lamine Sane nannte den Ausfall des 29-Jährigen zwar einen „herben Rückschlag“, betonte aber auch: „Wir haben viele gute Spieler in unserer Mannschaft und müssen optimistisch bleiben.“ Angesichts der mageren Ausbeute und den schlechten Erinnerungen an die Hinrunde der Vorsaison, in der Kruse auch wochenlang verletzt fehlte, dürfte das den Bremer Profis nicht immer leicht fallen.

Delaney: „Es wird eine harte Woche“

Sane fürchtet aber kein wiederholtes Bremer Feststecken im Tabellenkeller, „weil ich sehe, wie gut wir spielen“. Sein Teamkollege Maximilian Eggestein pflichtete ihm bei. „Wenn man ein, zwei Spiele gewinnt, sieht es am Anfang der Saison schnell wieder ganz anders aus“, sagte der 20-Jährige. Werders Kapitän Thomas Delaney brachte es noch deutlicher auf den Punkt: „Wir wollen den ersten Sieg, und der wird kommen. Es wird eine harte Woche. Da haben wir keine Zeit, um viel nachzudenken.“

Sportchef Frank Baumann sieht es ebenfalls als Vorteil, dass sein Team in der englischen Woche schnell wieder gefordert wird. Noch kein Sieg, künftig ohne Kruse – „wir sind alle Profis genug, um das wegzustecken“, sagte er. Auch zu Beginn der vergangenen Rückrunde habe Werder gut gespielt und zu wenig mitgenommen. „Trotzdem haben wir die Ruhe bewahrt und sind weiter mutig und geschlossen aufgetreten.“ Genau das, stellte Baumann klar, sei nun wieder das Bremer Rezept.

Einzelkritik: Quirliger Kainz - Wundertüte Belfodil

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Zum schnellen Schalker 1:1 hätte es nicht kommen müssen, wenn Pavlenka die Kunst des Herauslaufens besser beherrschen würde. Tut er aber nicht. So blieb der Ball nach verunglückter Faustabwehr „heiß“ und landete schließlich hinter Pavlenka im Tor. Ansonsten blieb der Keeper ohne Fehler. Note 3,5 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Er nahm Konoplyanka weitgehend aus dem Spiel und agierte solide. Aber beim 1:2 hätte er gedankenschneller sein müssen, Goretzka schlich sich in seinem Rücken weg. Note 3,5 © dpa
Lamine Sane
Lamine Sane: Erst ein Abstauber ins Schalker Tor, dann ein verhängnisvoller Fallrückzieher vor dem eigenen Kasten, der ihm aber nicht zwingend als Fehler ausgelegt werden muss. Sane war der Hauptdarsteller in den turbulenten Minuten 20 bis 22. Als zentraler Innenverteidiger spielte er zuverlässig, gönnte Schalkes Sturmtank Guido Burgstaller kaum Aktionen. In der Schlussphase noch als Stürmer eingesetzt. Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Giftig in der Bewachung von Amine Harit, aktiv im Spiel nach vorne: Es war okay, was Veljkovic vor den Augen des serbischen Nationaltrainers bot. Das Eigentor war unglücklich. Note 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie (bis 84.): Er war dabei, er spielte mit. Er machte keine großen Fehler, hatte aber auch keine auffälligen Szenen. Kurz: Es war eine typische Theodor-Gebre-Selassie-Leistung. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Ihm unterliefen zwei, drei Fehlpässe, die nicht hätten sein müssen. Eggestein interpretierte die Rolle im defensiven Mittelfeld diesmal noch defensiver als sonst, rückte oft in die Abwehrkette ein. Note 3,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Sorgte in der ersten Halbzeit für viel Leben auf der linken Seite. Der Schwede hatte gute Aktionen – unter anderem der Kopfball, der an den Pfosten klatschte und von Sane doch noch veredelt wurde. Dazu die prima Flanke auf Kainz, die fast das 2:1 gebracht hätte. Nach der Pause nicht mehr so auffällig. Note 3 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz: Der Österreicher spielte quasi die Rolle eines Zehners. Sehr offensiv, sehr zentral. Kainz trug die Bälle nach vorne, verteilte sie. Dabei war er enorm quirlig. Stark, wie er sich nach Augustinsson-Flanke zum Kopfball in die Luft schraubte. Pech, dass Schalke-Keeper Fährmann gerade noch die Hände hochriss und den Treffer verhinderte. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Seine Serie mit Toren in drei aufeinanderfolgenden Spielen für die dänische Nationalelf und Werder ist beendet. Delaney war auch nicht der Mann, der die Partie prägte. Er machte seinen Job im Mittelfeld, ohne zu überraschen. Note 3,5 © nordphoto
Fin Bartels
Fin Bartels: Sehr fleißig, sehr laufstark, aber genau genommen brachte Bartels kaum eine Aktion erfolgreich zu Ende. Bezeichnend war, dass bei der aussichtsreichen Zwei-gegen-eins-Situation der Pass auf Belfodil nicht ankam (40.). Schwach auch der Abschluss nach Belfodil-Vorlage (60.). Note 4,5 © Gumz
Max Kruse
Max Kruse (bis 19.): Der große Pechvogel. Kruse brach sich bei einem Foul von Schalkes Thilo Kehrer das Schlüsselbein, fällt nun acht Wochen aus. Note - © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (ab 19.): Kam für Kruse und so zu seiner Heimpremiere im Weserstadion. Belfodil wirkte oft schwerfällig, fast träge. Aber dann kamen doch Aktionen heraus, die man nicht erwartet hätte. Zweimal setzte er sich stark in Szene. Ein paar Bälle versprangen ihm aber auch. Note 3,5 © Gumz
Izet Hajrovic
Izet Hajrovic (ab 84.): Bundesliga-Comeback nach neun Monaten Verletzungspause. Hajrovic fiel aber nur noch durch Meckern auf, wofür er „Gelb“ kassierte. Note - © nordphoto
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