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Den Saison-Auftakt hat sich Werder-Coach Kohfeldt anders vorgestellt.

Werder ärgert sich über 1:1 gegen Hannover

Dieses Tempo reicht nur für einen Punkt

Bremen. Für Davy Klaassen war die Sache klar. „Bei allem Respekt vor Hannover“, sagte der Werder-Profi: „Aber gegen diese Mannschaften müssen wir zu Hause gewinnen. Wir sind enttäuscht.“

Schließlich will Werder nach Europa. Das ist das Ziel. Da passt dieses 1:1 (0:0) zum Bundesliga-Auftakt eigentlich nicht ins Bild. Doch Neuzugang Klaassen betonte, „dass wir jetzt nicht die Köpfe hängen lassen werden“. Es sei erstens nur das erste Spiel gewesen und zweitens: „Wenn du zehn Minuten vor Schluss in Rückstand gerätst, dann kann man auch glücklich sein, noch das 1:1 geschafft zu haben.“

Blackout der Bremer Abwehr

Hendrik Weydandt hatte Werder in der 77. Minute in einen wahren Schockzustand versetzt. Eigentlich waren die Gastgeber nach der Einwechslung von Claudio Pizaro drauf und dran gewesen, die starke 96-Defensive zu knacken, doch dann schlug ein Nobody, der vor vier Jahren noch in der Kreisliga gekickt hat, eiskalt zu. Weydandt nutzte direkt nach einer Pizarro-Chance einen Blackout der Bremer Abwehr. Trainer Florian Kohfeldt nannte es einen „Abstimmungsfehler“ und die „ganze Viererkette plus Sechser“ als Verursacher, wenngleich auch andere Spieler nicht auf ihren Positionen gewesen seien. Dass er diese Kritik äußern musste, ärgerte Kohfeldt ganz besonders, denn eigentlich war er mit der Defensive „sehr zufrieden, wir haben ansonsten keine Chance zugelassen“.

76. Minute: Der Gast führt. Bebou hebt den Ball perfekt in den Lauf von Weydandt, der taucht alleine vor Pavlenka auf und schiebt ein. Die Bremer Defensive hatte auf Abseits gespielt.

Zur Wahrheit des Spiels gehört allerdings auch, dass Werder selbst auch große Probleme hatte, Chancen zu kreieren. „Ich gebe zu“, meinte Kohfeldt, „Ich hatte bis auf die letzten zehn Minuten nie das Gefühl, dass gleich ein Tor fällt.“ Ein sehr ehrliches Geständnis. Erst Theodor Gebre Selassie ließ die Bremer im mit 42.100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion jubeln – und das kurz vor knapp in der 86. Minute. Nach einer Flanke von Milot Rashica war er mit dem Kopf zur Stelle gewesen. Zum Glück hatte Pizarro den Ball zuvor knapp verpasst, ansonsten wäre der Torschütze im Abseits gewesen. Schiedsrichter Felix Brych hatte extra noch mal bei seinem Videoassistenten nachgefragt – wie übrigens auch schon beim Führungstreffer der Hannoveraner.

In der 85. Minute Gebre Selassie mit dem Kopf zum 1:1.

Alles war sauber. Das passte zum Spiel, das zwar intensiv, aber nie unfair geführt wurde. Werder war sichtlich bemüht gewesen, Dominanz auszustrahlen. Das gelang allerdings nur phasenweise. Kohfeldt sprach später trotzdem davon, dass Werder die Spielkontrolle hatte. Damit war er genauso zufrieden wie mit dem Faktor Geduld. Die Bremer wollten schließlich nicht ins offene Messer laufen. Doch es gibt da noch einen dritten Punkt im Kohfeldtschen Fußball-Verständnis: Tempoaktionen. „Die fehlten uns heute“, monierte der Coach. Sei es auf den Flügeln oder aber auch im Strafraum, da kam Werder nicht so flott zum Zuge, wie es gegen so eine starke Defensive nötig gewesen wäre.

„Erst mit Claudio wurden wir gefährlicher“

„Wir haben die Abwehr lange Zeit nicht öffnen können“, ärgerte sich Klaassen: „Erst mit Claudio wurden wir gefährlicher.“ Gemeint war Pizarro, dieser 39-Jährige, für dessen Verpflichtung viele Fans kein Verständnis hatten. Der Peruaner bewies nach seiner Einwechslung in der 67. Minute, wie wertvoll er noch sein kann. Er belebte sofort das Angriffsspiel, verteilte die Bälle, erarbeitete sich Chancen. Nur ein Tor wollte ihm einfach nicht gelingen, seine Bälle segelten über oder neben das Tor. „Das wird sich bald ändern“, kündigte Teamkollege Maximilian Eggestein an.

Fotostrecke: Werder Bremen mit Remis gegen Hannover 96

Innehalten vor dem Anpfiff.
Innehalten vor dem Anpfiff. © Gumz
Nach 10 Minuten setzte der nordische Regen ein - und der kann sehr nass sein.
Nach 10 Minuten setzte der nordische Regen ein - und der kann sehr nass sein. © Gumz
Bremen läuft früh in der gegnerischen Hälfte an. Im Bild Werders Neuzugang Yuya Osako.
Bremen läuft früh in der gegnerischen Hälfte an. Im Bild Werders Neuzugang Yuya Osako. © Gumz
Florian Kainz im Duell mit Oliver Sorg.
Florian Kainz im Duell mit Oliver Sorg. © Gumz
In der 43. Minute die Beinahe-Führung der Bremer: Klaassen legt wunderbar ab auf Augustinsson, der kommt frei aus 13 Metern zum Abschluss und setzt den Volley rechts vorbei. Eine Riesenchance.
In der 43. Minute die Beinahe-Führung der Bremer: Klaassen legt wunderbar ab auf Augustinsson, der kommt frei aus 13 Metern zum Abschluss und setzt den Volley rechts vorbei. Eine Riesenchance. © Gumz
Zwei Trainer, ein Ziel: Drei Punkte zum Bundesliga-Auftakt für ihre Mannschaft. 96-Coach Breitenreiter hat in seiner aktiven Karriere übrigens die meisten Tore gegen Werder geschossen - vier an der Zahl, so viel wie gegen keinen anderen Verein.
Zwei Trainer, ein Ziel: Drei Punkte zum Bundesliga-Auftakt für ihre Mannschaft. 96-Coach Breitenreiter hat in seiner aktiven Karriere übrigens die meisten Tore gegen Werder geschossen - vier an der Zahl, so viel wie gegen keinen anderen Verein. © Gumz
In der 52. Minute humpelt Käpt'n Kruse angeschlagen vom Platz - für ihn kommt Rashica.
In der 52. Minute humpelt Käpt'n Kruse angeschlagen vom Platz - für ihn kommt Rashica. © Gumz
In der 67. Minute wurde es laut im Weserstadion: Claudio Pizarro gab mal wieder ein Comeback für die Bremer. Der Altmeister kam für Florian Kainz.
In der 67. Minute wurde es laut im Weserstadion: Claudio Pizarro gab mal wieder ein Comeback für die Bremer. Der Altmeister kam für Florian Kainz. © Gumz
Kurz nach seiner Einwechslung schreibt er fast ein kleines Fußballmärchen: Eggestein flankt von rechts auf den Zweiten Pfosten, dort ist Pizarro recht frei und nickt den Ball nur knapp drüber.
Kurz nach seiner Einwechslung schreibt er fast ein kleines Fußballmärchen: Eggestein flankt von rechts auf den Zweiten Pfosten, dort ist Pizarro recht frei und nickt den Ball nur knapp drüber. © Gumz
76. Minute: Der Gast führt. Bebou hebt den Ball perfekt in den Lauf von Weydandt, der taucht alleine vor Pavlenka auf und schiebt ein. Die Bremer Defensive hatte auf Abseits gespielt.
76. Minute: Der Gast führt. Bebou hebt den Ball perfekt in den Lauf von Weydandt, der taucht alleine vor Pavlenka auf und schiebt ein. Die Bremer Defensive hatte auf Abseits gespielt. © Gumz
Bäm der Ausgleich: In der 85. Minute Gebre Selassie mit dem Kopf zum 1:1.
Bäm der Ausgleich: In der 85. Minute Gebre Selassie mit dem Kopf zum 1:1. © Gumz
Die Enttäuschung ist den Bremern nach Abpfiff deutlich anzusehen. Drei Punkte wären zum Auftakt im heimischen Stadion drin gewesen.
Die Enttäuschung ist den Bremern nach Abpfiff deutlich anzusehen. Drei Punkte wären zum Auftakt im heimischen Stadion drin gewesen. © Gumz
Die blaue Raute auf dem Werder-Auswärts-Trikot kommt nicht überall gut an!
Die blaue Raute auf dem Werder-Auswärts-Trikot kommt nicht überall gut an! © Gumz
Für mehr Toleranz: Auch Werder setzt am CSD ein Zeichen im Weserstadion.  
Für mehr Toleranz: Auch Werder setzt am CSD ein Zeichen im Weserstadion.   © gumzmedia

Gut möglich, dass Pizarro schon am nächsten Samstag in Frankfurt noch früher gebraucht wird. Denn Werder bangt um Max Kruse, der wegen einer Oberschenkelverletzung kurz nach der Pause ausgewechselt werden musste.

Es war eben ein etwas unrunder erster Spieltag – aus Bremer Sicht. Doch Klaassen machte sich und seinen Kollegen Mut: „Die Automatismen müssen noch besser werden. Aber das wird wachsen, da bin ich mir sicher.“

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