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Bleibt er bei Werder oder verlässt Zlatko Junuzovic bald Bremen?

Baumann setzt auf Faktor Sicherheit

Wie sehr kämpft Werder um Junuzovic?

Zell am Ziller -  Werder-Sportchef Frank Baumann machte das, was er in schwierigen Situationen gerne mal tut: Er flüchtete sich in seinen trockenen Humor.

„Wie alle anderen auch wird er sich morgens die Trainingsklamotten anziehen, wird trainieren gehen und dreimal am Tag zu essen bekommen“, antwortete er auf die Frage, wie es nun im Trainingslager in Zell am Ziller mit Zlatko Junuzovic weitergeht. Doch allein mit spaßigen Aussagen wird der Kapitän nicht zu halten sein. Zu gut ist das Angebot von Trabzonspor, zu ungewiss die Perspektive in Bremen. Doch nimmt Baumann das Werben des türkischen Erstligisten wirklich ernst? Wie sehr kämpft Werder eigentlich um den 29-jährigen Mittelfeldspieler?

Immerhin wurde gesprochen. Erst am Dienstag, dann nochmal am Mittwoch. Offenbar ohne Ergebnis – zumindest wird keines verkündet. Baumann will nicht mal verraten, ob er Junuzovic das angekündigte Angebot für eine Vertragsverlängerung gemacht und wie dieser möglicherweise darauf reagiert hat. Der 41-Jährige betont nur noch mal, „dass wir mit ihm verlängern wollen“. Das sei ja auch nichts Neues, „das haben wir schon vor einigen Wochen gesagt“. Und genau darin liegt möglicherweise das Problem.

„Viele Faktoren“, die entscheiden

Absichtserklärungen sind nett, ersetzen aber nun mal keine Angebote. Diese Hinhalte-Taktik geht so lange gut, bis der Spieler plötzlich ein gutes Angebot bekommt. Wie im Fall Junuzovic aus der Türkei. Dort könnte der Österreicher drei Mal so viel verdienen wie in Bremen – und das drei Jahre lang. Da darf es nicht verwundern, dass der 29-Jährige ins Grübeln gerät. Es wäre der große Vertrag, den ein Profi so gerne abschließt, wenn bald eine drei am Anfang seines Alters steht.

Ärgerlich nur, wenn der Absender eine etwas schwierige Herkunft hat. Die Türkei gilt gerade nicht als der sicherste Standort auf dieser Welt, befindet sich speziell aus Deutschland betrachtet in einer politisch schwierigen Situation – und im Fußball gelten dort auch etwas andere Gesetze als in den europäischen Topligen. Darauf spielt auch Baumann an: „Es ist nicht das reine Geld, das entscheidet. Es sind viele Faktoren. Eine Wertschätzung, eine Sicherheit für die Familie, eine Kontinuität - und eine Sicherheit, das Geld überhaupt zu bekommen.“ Es klingt fast so, als könne sich der Sportchef nicht vorstellen, dass Junuzovic nur ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes Clemens in ein Land wie die Türkei wechselt.

Und das auch noch, nachdem er bei Werder gerade zum Kapitän aufgestiegen ist. Es besteht aus Baumanns Sicht also vielleicht gar kein Anlass, dem türkischen Angebot nun in aller Eile mit einer Verlängerung des 2018 auslaufenden Vertrags zu begegnen – schon gar nicht zu erhöhten Konditionen. Baumann sagt dazu nur: „Das ist bei vielen Fällen so. Auch Claudio Pizarro hätte woanders mehr verdienen können, hat sich hier aber wohl gefühlt. Max Kruse fühlt sich auch wohl und bleibt deshalb hier.“ Baumann setzt auf den Wohlfühlfaktor und die Sicherheit. Aber sieht so der Kampf um einen Kapitän aus?

Baumann wartet ab - Nouri will Junuzovic halten

Junuzovic wird als Nachfolger von Clemens Fritz das neue Gesicht des Clubs, der Anführer auf dem Feld. In anderen Branchen würde das zwangsläufig eine Gehaltserhöhung nach sich ziehen. Im Fußball ist alles anders – und der Fall Junuzovic etwas spezieller. Der Österreicher gehört mit über zwei Millionen Euro im Jahr schon zu den Topverdienern. Ein Resultat der letzten Vertragsverlängerung zu einem optimalen Zeitpunkt: Anfang 2015 war Junuzovic in Topform, in einem halben Jahr ablösefrei und der absolute Liebling der Fans. Da musste der damalige Manager Thomas Eichin fast zwangsläufig tiefer als gewünscht in die Tasche greifen.

Baumann wartet hingegen ab, hat Junuzovic bislang nicht von einem Verbleib überzeugen können. Sehr zum Verdruss von Alexander Nouri. Der Trainer will seinen Kapitän unbedingt behalten, saß in dieser Woche fast schon demonstrativ im Auto des Mittelfeldspielers. Und möglicherweise ist das der große Trumpf von Junuzovic: Zuletzt hat Nouri seinen Willen immer durchgesetzt – siehe Claudio Pizarro, Felix Wiedwald und Florian Bruns. Alle weg. Junuzovic soll bleiben. Aber will er das überhaupt noch? „Momentan bin ich bei Werder“, sagte er vor dem Abflug ins Trainingslager. Er wirkte schon ein bisschen angefasst. Vielleicht belässt er es auch deshalb bei einigen wenigen Worten, um sich verbal nicht zu verrennen und keine Partei zu verärgern. Denn momentan ist beides möglich: Ein Verbleib und ein Wechsel.

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