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Werder Bremen hat die Hinrunde der Fußball-Bundesliga mit einem Sieg abgeschlossen. Die kampfstarken Hanseaten bezwangen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen etwas glücklich, aber nicht unverdient mit 1:0 (0:0) und feierten nach fünf sieglosen Partien einen viel umjubelten Befreiungsschlag.

Wunderschöne Bescherung

Bremen - von Cord Krüger. Robin Dutt kämpfte vor Rührung mit den Tränen. „Ich finde es außergewöhnlich“, flüsterte der Trainer des SV Werder gestern nach der faustdicken 1:0 (0:0)-Überraschung seiner Mannschaft über den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen vor 39 145 Zuschauern: „Das kann man nicht in Worte fassen. Ich bin glücklich. Frohe Weihnachten!“

Ganz offensichtlich fiel ein Riesendruck von Dutt ab. Verständlich: Nach 37 Gegentoren in der Hinrunde hatte die Schießbude der Liga im letzten Spiel des Jahres endlich wieder zu null gespielt – dank einer leidenschaftlichen Leistung, die phasenweise einer Abwehrschlacht glich. Damit hatten seine „tollen Jungs“, wie Dutt das kampfstarke, konzentrierte und kompakte Werder-Kollektiv nannte, allen Grün-Weißen etwas frohere Weihnachten beschert. Das Tor von Santiago Garcia (74.) bedeutete drei Punkte und den Sprung um drei Tabellenplätze auf Rang elf. Zwar bleibt der Abstand auf Relegationsplatz 16 bei fünf Punkten, doch Sportchef Thomas Eichin atmete trotzdem tief durch: „Es freut mich riesig. Diesen Sieg hat sich die Mannschaft hart erarbeitet. Alle haben sehr verantwortungsbewusst gespielt.“

Mit einer deutlich tiefer stehenden Defensive neutralisierte Werder den haushohen Favoriten vor dem Strafraum. 65 Prozent Ballbesitz nutzten der Mannschaft von Sami Hyypiä nichts – bitter, meinte der Bayer-Teamchef: „Ich fühle mit meiner Truppe.“

Nur zwei Möglichkeiten seiner Werkself hatte er bis zur Pause notiert – doch beim Kopfball von Stefan Kießling (7.) und dem Schuss des Ex-Bremers Simon Rolfes (26.) war Werder-Keeper Raphael Wolf auf dem Posten.

Ansonsten kam Leverkusen aus dem Spiel heraus zu keiner echten Chance. Erstens, weil Innenverteidiger Sebastian Prödl bei seinem Comeback nach sechswöchiger Verletzungspause kopfball- und lautstark auffiel und mit Luca Caldirola das Abwehrzentrum zustellte. Zweitens, weil Werder fast alle Flanken durch permanentes Doppeln unterband. Auf der rechten Seite hatte Theodor Gebre Selassie als Vertreter des kurzfristig verletzten Clemens Fritz (Hüftbeuger-Beschwerden) da weniger zu tun als Garcia auf der linken Seite. Doch Offensivmann Eljero Elia half dort oft aus und raubte Giulio Donati dabei mehrfach den letzten Nerv.

„Wichtig war aber auch, dass Leverkusen gemerkt hat, dass wir offensiv gefährlich sind“, urteilte Eichin. So zielte Nils Petersen nach sechs Minuten knapp am kurzen Pfosten vorbei und hatte später bei einer Ecke von Aaron Hunt Pech (26.). Ohnehin gingen Werders Angriffsbemühungen meist vom bärenstarken Hunt aus, der seinen minimalen Faserriss in der rechten Wade offenbar gut abgeschüttelt hatte. Der 27-Jährige fand mit seinen schnellen Kontern jedoch zu wenige Anspielstationen in der Spitze. „In der Pause hat uns der Trainer aber gesagt, dass wir es weiter probieren sollen und schon noch eine Lücke finden werden“, berichtete Hunt aus der Kabine.

Die Worte zeigten Wirkung, Werder investierte mehr nach vorn, die Fans honorierten das mit frenetischem Anpeitschen – und in Minute 74 war der Knoten geplatzt: Garcia schickte Hunt über links auf die Reise und lief selbst mit, Cedric Makiadi fiel im Leverkusener Abwehr-Wust, Garcia kam an den Ball und schob die Kugel überlegt flach ein – 1:0! „Dass ausgerechnet ein Linksverteidiger mit nach vorn kommt, war eigentlich nicht geplant – aber egal“, grinste Hunt.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen

Werder Bremen hat die Hinrunde der Fußball-Bundesliga mit einem Sieg abgeschlossen. Die kampfstarken Hanseaten bezwangen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen etwas glücklich, aber nicht unverdient mit 1:0 (0:0) und feierten nach fünf sieglosen Partien einen viel umjubelten Befreiungsschlag. © nordphoto
Werder Bremen - Bayer Leverkusen - die Bilder vom Spiel © nordphoto
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In der folgenden Schlussviertelstunde brannte nicht mehr viel an, doch Dutts Nervenkostüm musste trotzdem noch gewaltig leiden. „Die letzten zehn Minuten haben sich wie nochmal wie 90 angefühlt“, gestand der Werder-Coach hinterher: „Alles Mögliche schießt einem da durch den Kopf. Da fragt man sich: Wie lange noch? Oder: Kann ich noch auswechseln?“ Nein, konnte er nicht, er hatte schon drei Mal getauscht. Allerdings ohne erkennbare Not.

Die Noten: Antreiber Hunt rennt allen davon

Raphael Wolf: Gute Eigenwerbung und Balsam für die Seele nach 14 Gegentreffern in seinen drei vorherigen Spielen: © nordphoto
Immer auf dem Posten, gegen Rolfes stark auf der Linie (24.), guter Reflex gegen Kruse (55.), sicher im Rauslaufen gegen Kießling (57.). Note: 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Übernahm für den verletzten Clemens Fritz die Rechtsverteidiger-Rolle. © nordphoto
„Theo“ hielt seine Seite sauber, kam in Halbzeit zwei öfter und teils auch sehenswert mit nach vorn. Note: 3 © nordphoto
Luca Caldirola: Mit Sebastian Prödl stellte er das Zentrum sicher zu. Der Spielaufbau kam – bei Gegenspielern wie Kießling und Kruse fast naturgemäß – etwas zu kurz. Note: 3 © nordphoto
Sebastian Prödl: Was für ein Comeback nach mehr als siebenwöchiger Verletzungspause! Der Österreicher brachte sofort Stabilität in die Abwehr – kopfballstark, kompromisslos in den Zweikämpfen und mit gutem Coaching seiner Nebenleute. Note: 2 © nordphoto
Santiago Garcia: Nach anfänglicher Unsicherheit besser im Spiel. Am Tor des Tages dreifach beteiligt – mit dem öffnenden Pass auf Aaron Hunt, als „Überspringer“ von dessen Hereingabe und schließlich als Torschütze. © nordphoto
„Santi“ untermauerte wie gegen Hannover seinen Ruf als Mann für Werders wichtige Treffer. Am Ende offensiv mehrfach gefährlich. Note: 2,5 © nordphoto
Cedric Makiadi: Engagiert und gewillt, aber mit Ballverlusten. Auffälligste Szene: Durch seinen Sturz in Leverkusens Strafraum ermöglichte er Garcia das 1:0. Note: 4 © nordphoto
Philipp Bargfrede: Was er in der ersten Halbzeit spielte, hatte Hand und Fuß: mehrere Balleroberungen, eingeleitete Konter, einsatzfreudig. © nordphoto
Im zweiten Abschnitt weniger auffällig, aber solide. Note: 3 © nordphoto
Franco Di Santo (bis 71.): Nach vorn mit wenig Akzenten, weiter hinten eine der Aushilfen. Trat selten in Erscheinung. Note: 4,5 © nordphoto
Aaron Hunt (bis 84.): So muss ein Kapitän spielen! Überraschend nach bestandenem Härtetest im Team, merkte ihm niemand seine Wadenverletzung an. © 
Bremens Bester riss das Spiel an sich, fast alle Angriffe liefen über ihn. Auch das 1:0 bereitete Hunt vor. Note: 2 © nordphoto
Eljero Elia (bis 90.): Fleißig auf der linken Außenbahn. © nordphoto
Hinten verhinderte er Flanken, vorn hielt er viele Bälle, zog oft zwei Mann auf sich. Hätte das 2:0 machen müssen. Note: 3 © nordphoto
Nils Petersen: Schöner Kopfball an den Außenpfosten (27.), Pech mit einem Schuss aus spitzem Winkel (58.) – mehr Gefahr strahlte er vor dem Tor nicht aus. Als eifriger Abwehr-Mitarbeiter auffälliger. Note 3,5 © nordphoto
Aleksandar Ignjovski (ab 71.): Unterband nach seiner Einwechslung bissig noch einige Bayer-Angriffe. Note: - © nordphoto
Assani Lukimya (ab 84.): In Leverkusens Druckphase als weitere Abwehr-Kante eingewechselt. Note: - © nordphoto
Tom Trybull (ab 90.): Ein Kurzeinsatz ohne Auffälligkeiten. Note: - © nordphoto

Denn Werder funktionierte gestern von Anfang bis Ende und brachte den fünften Saisonsieg sicher nach Hause. Was folgte, waren Freudentänzchen in Weihnachtsmann-Mänteln und Geschenke an die Fans. Eine wunderschöne Bescherung.

Quelle: kreiszeitung.de

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