Der SV Werder Bremen gastiert am 13. Zweitliga-Spieltag beim 1. FC Nürnberg.
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Der SV Werder Bremen gastiert am 13. Zweitliga-Spieltag beim 1. FC Nürnberg.

13. Zeitliga-Spieltag

Werder-Gegner-Check: Historie, Trainer, Form – So tickt der 1. FC Nürnberg

Ungeschlagen waren sie bis vor einer Woche. Wie Freiburg in der 1. Liga verblüffte der 1. FC Nürnberg im Unterhaus mit einer Serie, die erst Darmstadt 98 zerstörte. Die Franken, die am Freitag auf Werder Bremen treffen, spielen eine glänzende Saison und haben 21 Punkte auf ihrem Konto, halten so Tuchfühlung zur Tabellenspitze.

Seit dem Sommer zählt Olaf Rebbe, der Ex-Werderaner, gemeinsam mit Dieter Hecking, dem alten Bekannten aus dem Norden, zum Führungspotenzial bei dem „Club“, wie das Gründungsmitglied der Bundesliga im Volksmund heißt. Ein Duo, das aus der Fahrstuhlmannschaft auf Sicht gesehen wieder einen Erstligisten formen möchte.

Die Historie des 1. FC Nürnberg

Auf dem Briefkopf stehen die Auszeichnungen. Der „Club“, wie die Nürnberger prägnant gerufen werden, zählt zu den erfolgreichsten Vereinen in Deutschland. Die Einträge: neun Meisterschaften, die erste 1920, die letzte schon ein wenig her, genau 1968 mit Max Merkel, vier Pokalsiege, der letzte 2007, nicht ganz so „verjährt“ wie der Triumph mit der Meisterschale. Die besten Zeiten haben die Franken also hinter sich.

Das Gründungsmitglied der Bundesliga hat sich zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt, ohne echte Perspektive, sich dauerhaft in der 1. Bundesliga zu etablieren. Vor zwei Jahren ereilte Nürnberg nach einem Jahr in der Erstklassigkeit der neunte Abstieg, Rekord im deutschen Berufsfußball. Ein Jahr später wäre die Katastrophe um ein Haar perfekt gewesen. In letzter Minute retteten sich die Nürnberger und konnten ein Abrutschen in die 3. Liga vermeiden. In der letzten Spielzeit stabilisierten sie sich ein wenig und belegten in der Abschlusstabelle den Rang elf.

Der Trainer des 1. FC Nürnberg

Der Trainerstuhl am Valznerweiher, wie das Trainingsgelände in Nürnberg heißt, ist seit Jahren ein heißer Stuhl. Die Statistik der jüngeren Vergangenheit als Beleg: 14 Sportlehrer durften im letzten Jahrzehnt dort arbeiten und mussten schon nach kurzer Verweildauer wieder die Koffer packen. Auch Robert Klauß, der Sachse, der hauptsächlich in Leipzig, also in der Red-Bull-Schule ausgebildet wurde, spürte den kräftigen Gegenwind, der in der fränkischen Metropole weht, wenn die Siege ausbleiben. Das 36-jährige Trainertalent überstand seine erste Saison als Chef nur dank der Fürsprache seines Förderers.

(Verfolgt das Zweitliga-Spiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg im Liveticker der DeichStube)

Dieter Hecking, der Sportvorstand, der gemeinsam mit dem früheren Bremer Olaf Rebbe als Sportdirektor die Geschicke leitet, hielt zu dem von ihm geholten Rookie. Und das Experiment mit dem Nobody ging gut. Klauß durfte weitermachen und führt nun eine eingespielte, punktuell verstärkte Mannschaft an. „Wir beginnen nicht mehr bei null“, sagte der Coach vor dem Saisonstart. Sein Mentor ist übrigens der Coach mit der längsten Amtszeit beim für Trainerverschleiß bekannten Verein seit Einführung der Bundesliga: Hecking gab drei Jahre lang das Kommando. Und mit René Weiler ist er zudem auch der einzige Sportlehrer, der nicht herausgeworfen wurde, sondern selbst gekündigt hat.

Der Star vom 1. FC Nürnberg

1,5 Millionen Euro steht auf seinem Preisschild. Er ist der Premium-Transfer in diesem Sommer: Mats Möller Daehli, ein Norweger, der zuvor bereits von KRC Genk ausgeliehen war und nun fest verpflichtet wurde. Der 26-Jährige, mit 24 Berufungen in die Ländermannschaft der einzige im Kader mit Länderspielerfahrung, ist die Leitfigur in der Truppe, der Regisseur, der das Spiel bestimmt und lenkt. Möller Daehli hat schon einige Stationen in seiner Karriere hinter sich. In Deutschland hat er sich einen Namen gemacht seit seiner Zeit auf St. Pauli (Januar 2017 bis Januar 2020) und Freiburg (Januar 2015 bis Januar 2017). Zuvor war er auf der Insel bei Manchester United (von 2011 bis 2013 in der Jugend) sowie 2014 bei Cardiff City engagiert. In seiner Heimat war der offensive Mittelfeldspieler für Molde, Lyn Oslo und Stabaek IF aktiv. In allen zwölf Spielen der laufenden Saison wurde der Skandinavier eingesetzt. Mit einer Durchschnittsnote von 2,59 im kicker zählt er zu den Akteuren, die am besten benotet wurden – in Nürnberg, aber auch ligaweit. Seine Quote bei den Scorerpunkten: vier insgesamt – zwei Tore, zwei Vorlagen.

Werder Bremen-Gegner 1. FC Nürnberg: Die Form

Es dauerte bis zum zwölften Spieltag, da riss die Serie. Bis dahin waren die Nürnberger in der Liga noch ungeschlagen – als einziges Team im deutschen Profi-Fußball neben dem SC Freiburg, der dieses Gütesiegel immer noch besitzt und so ins Spitzenspiel der 1. Liga bei Bayern München am Wochenende geht. 0:2 gegen Darmstadt 98, die erste Niederlage für die Klauß-Mannen, die zwar deutlich besser agierten als die Heimmannschaft, zwischenzeitlich es auf 75 Prozent Ballbesitz brachten, mit Kombinationsfußball brillierten, indes an einem glänzend verteidigenden Kontrahenten scheiterte. Eine unverdiente Niederlage, genauso unverdient und vermeidbar wie das Aus im DFB-Pokal wenige Tage zuvor. Erst im Elfmeterschießen hatte der „Club“ das Nachsehen gegen den Hamburger SV: unglückliches 2:4. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit noch gewahrt, bis es nur gut 72 Stunden später gegen die Hessen die erste „echte Niederlage“ setzte.

Die Besonderheit vom 1. FC Nürnberg

Es gibt diese Redensart. Die Anhänger des 1. FC Nürnberg sind für ihre Leidensfähigkeit bekannt und für ihren Sinn für Humor, der in diesem bekannten Selbsturteil gipfelt. „Der Glubb is a Depp!“ heißt es im Frankenland. Gemünzt auf die berühmt-berüchtigten Schlappen in der Vereinsgeschichte. Zweimal brachten die Nürnberger das Kunststück fertig, nach grandiosen Erfolgen abzusteigen. Zwei Desaster nach den letzten Titelgewinnen: 1969 als amtierender Meister, 2008 als Vorjahrespokalsieger.

Grandios im Triumph, grandios im Scheitern – es kennzeichnet die Historie des Vereins, der bis zum Auftauchen des bayrischen Rivalen Bayern München der unerreichte Rekordhalter in Fußball-Deutschland war. „Faszination des Unvollendeten“, heißt es im Buch „Im Bann der Legende“, einer Chronik des Traditionsvereins, „die Legende wurde nicht nur durch die vielen großartigen Siege begründet, sondern auch durch die vernichtenden Niederlagen.“ Wenn der „Club“ verliere, dann tue er dies nicht einfach so, lautet der weitere Text: „Er erhebt es zu einer Kunstform und wurde so legendärer als die Titel, die er jagt.“ (hgk) Auch interessant: Die Aufstellung von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg: Das ist Weisers Startelf-Chance!

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