Olaf Rebbe (hier im Gespräch mit Dieter Hecking) ist Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg und hat eine Vergangenheit beim SV Werder Bremen.
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Olaf Rebbe (hier im Gespräch mit Dieter Hecking) ist Sportdirektor beim 1. FC Nürnberg und hat eine Vergangenheit beim SV Werder Bremen.

Vor Werder Bremen gegen 1. FC Nürnberg

„Keine Zeit für Gefühlsduselei“: FCN-Sportdirektor Olaf Rebbe im Interview vor Spiel gegen Ex-Club Werder Bremen

Bremen – Karrieren wie die von Olaf Rebbe finden sich so häufig nicht im Profi-Fußball. Beim SV Werder Bremen stieg er vom Mitarbeiter der Geschäftsstelle zum Assistenten des damaligen Clubchefs Klaus Allofs auf, hatte selbst Entscheidungskompetenz in den Bereichen Sport und Marketing. Rebbe, 43 Jahre alt, folgte Allofs 2013 zum VfL Wolfsburg, wurde dort erst Sportlicher Leiter, dann Sportdirektor. Via Huddersfield Town in England und PAOK Saloniki in Griechenland entwickelte Rebbe seine Karriere.

Seit sechseinhalb Monaten arbeitet er als Sportdirektor für den 1. FC Nürnberg. Logisch, dass das Duell mit dem SV Werder Bremen am Freitag für Olaf Rebbe ein besonderes wird. Wenngleich er im Gespräch mit der DeichStube klar sagt: „Keine Zeit für Gefühlsduselei.“ Nur der „Club“ zähle – und der hat pünktlich vor dem Duell mit den Bremern seine ersten Saisonniederlagen kassiert.

Elf Spieltage und eine Pokalrunde war der 1. FC Nürnberg ungeschlagen geblieben, dann setzte es im Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV das Pokal-Aus sowie mit dem 0:2 bei Darmstadt 98 die erste Niederlage in der Meisterschaft. Wir halten fest: Die englische Woche hätte besser laufen können für den 1. FC Nürnberg. Oder?

Von den Ergebnissen her ganz bestimmt, aber wir haben auch in diesen Partien einiges gezeigt. Gegen den Hamburger SV haben wir ein Superspiel über 120 Minuten gemacht, uns lediglich nicht belohnt. Im Elfmeterschießen hat uns das Glück gefehlt. In Darmstadt haben wir ein ordentliches Spiel abgeliefert, wobei natürlich ein Nachteil war, dass der Mannschaft die 120 Minuten in den Knochen steckten. Dennoch konnten wir das Spiel offen gestalten, ein Spiel, das auch in die andere Richtung hätte kippen können.

Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist nun zerstört. Welchen Effekt hat das?

Mit dieser Serie, die für die Öffentlichkeit ein Thema sein mag, haben wir uns nie beschäftigt. Auch wenn es wie eine Floskel klingt, wir gucken nur von Spiel zu Spiel und sind damit bis jetzt gut gefahren.

Platz fünf und Tuchfühlung zur absoluten Spitzengruppe – können Sie ein positives Zwischenfazit nach zwölf Spieltagen ziehen?

Viele Dinge, die wir uns vor der Saison vorgenommen haben, sind eingetreten oder auf einem guten Weg. Der „Club“ hat keine leichte Zeit hinter sich. Abstieg, Relegation, zuletzt ein stabiler Platz elf. Das muss man alles berücksichtigen. Wir wollten uns stabilisieren und haben als Saisonziel Platz fünf bis acht ausgegeben. Wenn wir dieses Saisonziel erreichen und es schaffen, etwas Kontinuität einziehen zu lassen, kann sich am Valznerweiher etwas Gutes entwickeln.

(Lest auch: Lars Lukas Mai und Niklas Schmidt bei Werder Bremen auf der Bank - Fingerzeig oder mehr?)

Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg: Wiedersehen mit Ex-Bremer Olaf Rebbe

Sechs Remis bislang verhinderten eine noch bessere Ausbeute. Zuletzt sprach Enrico Valentini gar davon, dass der Mannschaft der Punch gefehlt habe. Liegt der Defensivmann richtig?

Enricos Aussage war auf das Darmstadt-Spiel gemünzt. Die Unentschieden sind jeweils für sich zu bewerten: mal gut, mal schlecht für uns. In Paderborn beispielsweise hätten wir gewinnen müssen, gegen Regensburg sind wir zurückgekommen und haben uns über den Punktgewinn gefreut.

Mit nur neun Gegentoren stellt Nürnberg die beste Abwehr der 2. Liga. Ist die Defensive die Stärke der Truppe?

Wir lassen wenig zu, das stimmt schon. Aber wir arbeiten grundsätzlich gut als Mannschaft zusammen – jeder zerreißt sich für den anderen.

Die Kehrseite der Medaille: Nürnberg hat nur 16 Treffer erzielt, die wenigsten aller Spitzenmannschaften. Verspricht das Erfolg auf Dauer?

Wenn wir hinten wenig zulassen, kann das auch ein Modell sein. Aber natürlich arbeiten wir auch daran, mehr Tore zu erzielen.

Sie sind Sportdirektor an der Seite des Sportvorstands Dieter Hecking. Wie läuft die Zusammenarbeit? Wie sieht die Arbeitsteilung aus?

Als Vorstand Sport trägt Dieter Hecking die Gesamtverantwortung für den sportlichen Bereich. Ich bin für die Lizenzmannschaft, Transfers und für das Scouting zuständig. Wir verstehen das als Teamarbeit, dabei spielt auch das Wort von Cheftrainer Trainer Robert Klauß eine große Rolle. Mit Michael Wiesinger (Nachwuchsleiter) gibt es eine wichtige Schnittstelle zum FCN-Nachwuchs. Neben dem Platz sind wir eine eingeschworene Truppe, das macht schon richtig Freude.

(So seht Ihr das Zweitliga-Duell zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Nürnberg live im TV!)

Olaf Rebbe vor dem Duell mit Ex-Club Werder Bremen: „Nürnberg macht schon richtig Freude“

In Bremen und vor allem später beim VfL Wolfsburg galten Sie als die rechte Hand von Manager Klaus Allofs, haben eng mit ihm zusammengearbeitet…

… und in Wolfsburg auch mit Dieter Hecking, der damals Trainer war und die „Wölfe“ zum Pokalsieg führte. Mit Klaus Allofs war es damals eine ähnliche Konstellation wie nun hier in Franken mit Dieter Hecking.

Wie unterscheiden sich die beiden Vorgesetzten?

Es sind unterschiedliche Persönlichkeiten. Und es sind auch jetzt inhaltlich andere Themen, weil es andere Clubs sind, Clubs mit anderen Voraussetzungen und Erwartungen. Was vergleichbar ist: Mit beiden sehr erfahrenen Kollegen machte und macht die Arbeit richtig Spaß.

Nach der Station Wolfsburg sind Sie ins Ausland gegangen, erst nach Huddersfield Town in England und zuletzt in Griechenland bei PAOK Saloniki. War die Episode in Griechenland für Sie lehrreich?

Es war eine aufregende Zeit in Thessaloniki. Mitten in der Corona-Krise war es zudem ein Abenteuer. Ich habe das bekannte Tumba-Stadion leider nie gefüllt erleben dürfen. Sportlich war es eine sehr erfolgreiche Geschichte. Wir haben es bis in die Champions-League-Qualifikation geschafft und letztendlich in der Europa League gespielt. Der Club ist Pokalsieger geworden. Durch hohe Transfererlöse konnte der Verein die Vorgaben der Uefa und des Financial Fairplays kurz vor knapp erfüllen. Für mich war es eine erfolgreiche Mission.

Es folgte die Rückkehr nach Deutschland.

Dieter Hecking hat mich mit seinen Ideen und seiner Energie für den „Club“ begeistert. Gemeinsam mit Niels Rossow, dem Vorstand Finanzen, hat Dieter eine Vision für den „Club“ entwickelt, bei deren Umsetzung ich gerne dabei sein wollte. Ende letzter Saison habe ich meine Zelte in Nürnberg aufgeschlagen. Für uns war es wichtig, die neue Saison rechtzeitig zu planen. Unser Ziel war es, mit Beginn der Vorbereitung alle relevanten Transfers getätigt zu haben und die Mannschaft komplett zu haben.

(Lest auch: Mit Mitchell Weiser? Werder Bremens Startelf-Aufstellung gegen den 1. FC Nürnberg!)

1. FC Nürnberg-Manager Olaf Rebbe: „Werder Bremen wird noch eine gute Rolle in der 2. Liga spielen“

Anders als bei Werder, wo es extrem lange gedauert hat, bis das Aufgebot stand. Ein Grund dafür, dass Werder noch nicht ganz angekommen ist in dieser Spielklasse?

Der Abstieg nach 41 Jahren war für den SVW, von außen betrachtet, ein Riesenschock, von dem muss man sich erst einmal erholen. Werder im Hier und Jetzt hat einen qualitativ gut besetzten Kader, herausragende Einzelspieler. Dazu noch eine treue Anhängerschaft und immer ein volles Weserstadion. Das Team wird noch eine gute Rolle in der 2. Liga spielen.

Markus Anfang hatte als Trainer beachtlichen Erfolg in Kiel und hat den Aufstieg mit Köln vorbereitet. Schafft er auch mit Bremen den Aufstieg?

Bei seiner Verpflichtung wird der Punkt, dass er Mannschaften formen und nach oben führen kann, sicher eine Rolle gespielt haben. Werder ist sicher ein Kandidat für den Aufstieg – wie zwölf andere Teams auch.

Alle reden von einer extrem ausgeglichenen Spielklasse. Mit St. Pauli, Regensburg, Paderborn und Darmstadt stehen gleich vier Außenseiter im Vorderfeld. Auch für Sie eine Überraschung?

Wer sich die Standorte genau anschaut, muss feststellen, dass dort überall sehr gute Arbeit geleistet wird – und zwar seit Jahren. St. Pauli hat schon in der Rückrunde aufhorchen lassen, ist für mich kein Außenseiter mehr. Regensburg macht schon seit Jahren eine super Personalpolitik, hat mittlerweile ein neues modernes Trainingszentrum und auch ein tolles Stadion. Darmstadt besitzt mit dem neuen Stadion nun auch andere Möglichkeiten und schafft es Jahr für Jahr, trotz Abgängen eine gute Mannschaft aufzustellen. Paderborn war schon zweimal ganz oben, dort wissen sie, wie Aufstieg geht. Alle vier Clubs haben den Vorteil, dass bei ihnen die Erwartungshaltung im Rahmen bleibt und viele nicht so genau hinschauen.

Genau verfolgt werden indes die Top-Favoriten, die Traditionsclubs wie die beiden Absteiger Schalke und Werder sowie der HSV. Sind Sie enttäuscht von deren Performance?

Die großen Drei spielen schon eine Sonderrolle, stehen vom Budget her weit über allen anderen. Sie tun sich schwer, nicht zuletzt wegen der hohen Erwartung. Aber jeder kann jeden schlagen in der Liga. Nicht zu vergessen Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf, auch Kandidaten für ganz oben.

Für Olaf Rebbe zählt gegen Werder Bremen nur der 1. FC Nürnberg: „Keine Zeit für Gefühlsduselei“

Hat es sich bislang bewahrheitet, was dem Unterhaus als Etikett angeklebt wurde: „Die beste 2. Liga aller Zeiten“?

Diese 2. Bundesliga war lange nicht mehr so ausgeglichen wie aktuell. Toll sind zudem die zunehmend volleren Stadien und die Begeisterung, die zurückkommt.

Sie haben von 2004 bis 2013 beim SV Werder gearbeitet. Schlägt ihr Herz noch ein bisschen „grün-weiß“?

Es sind natürlich viele Freundschaften und tolle Erinnerungen an eine besondere Werder-Zeit geblieben. Es ist aber auch fast schon ein Jahrzehnt vergangen. Also: Keine Zeit für Gefühlsduselei. Am Freitag zählt nur der „Club“. (hgk) Auch interessant: Verfolgt das Zweitliga-Spiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg im Live-Ticker der DeichStube!

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