Werder Bremen zeigt auch gegen Hannover 96 zum Start in die 2. Liga ein verunsichertes Gesicht. Wohin geht die Reise?
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Werder Bremen zeigt auch gegen Hannover 96 zum Start in die 2. Liga ein verunsichertes Gesicht. Wohin geht die Reise?

Werder-Start in der 2. Liga

Auftakt ins Ungewisse: Nach dem 1:1 gegen Hannover 96 ist unklarer denn je, was vom SV Werder Bremen zu erwarten ist

Bremen – Markus Anfang sagte diesen einen Satz gleich fünf Mal, als er in der Nacht zu Sonntag im Innenraum des Wohninvest Weserstadions noch mit einigen Bremer Journalisten über das 1:1 des SV Werder Bremen zum Saisonauftakt gegen Hannover 96 sprach. Er sagte ihn nicht direkt hintereinander, denn das wäre dann doch etwas ungewöhnlich gewesen. Aber dennoch lag ihm dieser Satz sehr am Herzen – so sehr sogar, dass er ihn quasi als roten Faden in seine Analyse einwebte: „Das ist 2. Liga.“ Genauso gut hätte er sagen können: „Willkommen in der neuen Realität.“

Gleich am ersten Spieltag hatte der Bundesliga-Absteiger Werder Bremen einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie die Saison 2021/2022 im Unterhaus ablaufen könnte – nämlich mühevoll und schleppend, was Trainer Anfang zwar bestätigte („Es war das erwartet schwere Spiel“), Fans und Beobachter aber doch einigermaßen ratlos zurückließ. Hatten sie doch deutlich mehr von Werder erwartet, womit nicht nur das nackte Endergebnis gemeint ist. Sicher auch keine Wunderdinge – nach fünf Wochen Saisonvorbereitung aber doch ein fußballerisch deutlich ansprechenderer Vortrag. Den zeigte Werder gegen Hannover 96 nicht. Vielmehr waren auf dem Platz (vor allem in der Schlussphase des Spiels) plötzlich die alten Geister Verunsicherung, Fehleranfälligkeit und Hektik zurück, was die allgemeine Ungewissheit rund um den Verein noch ein Stück größer werden ließ. Wohin geht die Reise, Werder Bremen?

Werder Bremen nach Remis gegen Hannover 96: Der Kader wird noch weiter ausgedünnt

Das Problem: Eine Antwort darauf hat auch Cheftrainer Markus Anfang noch nicht, was ausdrücklich kein Vorwurf, sondern lediglich eine Tatsachenbeschreibung sein soll – die Sache aber freilich nicht besser macht. „Es ist keine leichte Situation, die wir hier haben – das reicht von der Kaderzusammenstellung bis hin zur Planung, wie wir spielen wollen und mit wem wir auf welcher Positionen spielen wollen“, sagte Anfang, der ob der großen wirtschaftlichen Not, die bei Werder Bremen herrscht, tatenlos dabei zusehen muss, wie sein Kader bis zum Ende der Transferphase ausgedünnt werden wird, denn auf (mehrere) Spielerverkäufe ist der Verein dringend angewiesen. Erst dann gibt es geringen Spielraum für Neuzugänge, die Angang zwingend für sein 4-3-3-System braucht.

Nun ließe sich argumentieren, dass gegen Hannover 96 aber doch noch etliche namhafte Spieler auf dem Platz standen, Werder insgesamt auf dem Papier also klarer Favorit war – und viel zu wenig daraus gemacht hat. In Anfangs Augen kratzt das aber nur an der Oberfläche. Zwar räumte der 47-Jährige offen ein, „dass wir nicht zwingend genug vor dem Tor waren“, oder „dass wir uns in vielen kleinen Situationen in eine schlechtere Position gebracht haben“. Er betonte mit Blick auf seine Mannschaft aber auch: „Es wird gerne davon gesprochen, dass es alles Spieler sind, die Bundesliga-Format haben und dass sie das doch hinkriegen müssen. Es sind aber auch alles Menschen. Menschen, die zwei Jahre lang gegen den Abstieg gespielt haben und letztes Jahr abgestiegen sind.“

Werder Bremen: Markus Anfang will Mannschaft fehlendes Selbstvertrauen zurückgeben

Dieses fehlende Selbstvertrauen wieder zurückzuholen – darin sieht Markus Anfang einen zentralen Ansatzpunkt: „Das geht nur durch spielen. Es ist ein Prozess“, sagte er. Allerdings ein – wie sollte es bei Werder Bremen im Jahr 2021 auch anders sein? – ziemlich komplizierter Prozess. Wer ihn in zwei Tagen oder Wochen überhaupt noch mitgeht, ist ja völlig unklar, was laut Anfang an der Mannschaft nicht spurlos vorbeigeht.

„Das ist ein Aspekt, den man nicht wegschieben darf. Die Jungs geben Gas, sie sind zu 100 Prozent bei der Sache, aber das Problem ist natürlich, dass sie irgendwo im Hinterkopf haben, dass sich irgendetwas verändern kann“, berichtete der Coach – und erklärte: „Der eine kann das super ausblenden, der andere vielleicht nicht so. Das wird uns begleiten. Bis spätestens zum 31. August.“

Werder Bremen: Trainer Markus Anfang bremst Erwartungen an die Saison - „Das ist 2. Liga“

An diesem Tag, ein Dienstag, schließt das Transferfenster und Werder Bremen wird bereits fünf Spieltage in der 2. Bundesliga hinter sich haben. Die meisten davon, so viel ist klar, sollen möglichst besser laufen als der Auftakt am Samstagabend gegen Hannover, bei dem das Eigentor von Simon Falette (49.) die 14.000 Werder-Fans zwar jubeln ließ, der Ausgleich durch Marvin Ducksch (56.) aber schnell für Ernüchterung sorgte. „Am Ende hätte Hannover uns auch killen können“, brachte Werders neuer Kapitän Ömer Toprak mit martialischen Worten das auf den Punkt, was alle gesehen hatten: ein letztlich glückliches Unentschieden für Werder.

Klar ist: Auch Markus Anfang hatte sich für seine Premiere mehr erhofft. Klar ist für ihn aber auch, dass die Ansprüche an sein Team ob der komplizierten Ausgangslage nicht zu groß werden sollten. „Ich will keine Erwartungen dämpfen. Ich will, dass die Leute Spaß haben im Stadion und dass sie guten Fußball sehen“, sagte er. Aber eben auch: „Das ist alles kein Selbstläufer. Wir werden kein Spiel haben, in dem wir den Gegner klar beherrschen und an die Wand spielen. Das wird es nicht geben, und das sollte man akzeptieren.“ Es folgte der fünfte und letzte Auftritt seines Lieblingssatzes nach dem ersten Spieltag: „Das ist 2. Liga.“ (dco)

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