Vor Trainer Markus Anfang liegt eine Mammutaufgabe: Er muss nicht nur den viel zu großen Kader von Werder Bremen sortieren, sondern gewiss auch einige Spieler aussortieren.
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Vor Trainer Markus Anfang liegt eine Mammutaufgabe: Er muss nicht nur den viel zu großen Kader von Werder Bremen sortieren, sondern gewiss auch einige Spieler aussortieren.

Bestandsaufnahme ist Mammutaufgabe

39 Spieler im Bremer Kader – jetzt startet Werder-Trainer Markus Anfang das große Casting

Bremen – Was ist eine vernünftige, eine gesunde Kadergröße? Auf diese Frage wird wohl jeder Manager eines Fußball-Clubs eine andere Antwort geben. Dem einen reichen 24 Spieler, der andere hätte lieber 26 und ein weiterer gönnt sich vielleicht sogar 28. Klar ist aber: Der aktuelle Kader des SV Werder Bremen fällt einen Tag vor dem Start der Saisonvorbereitung noch gewaltig aus dem Rahmen.

Aus der Vorsaison stehen nach den Abgängen von Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie (beide Ziel unbekannt) sowie von Davie Selke (zurück zu Hertha BSC) und Philipp Bargfrede (zurück in die U23) noch 23 Profis unter Vertrag. Dazu kommen acht Spieler, die nach abgelaufenen Leihgeschäften zu Werder Bremen zurückkehren, sowie sieben Talente, die sich Chancen ausrechnen dürfen, Teil des Zweitliga-Kaders zu werden. Nicht zu vergessen Anthony Jung, der bisher einzige externe Neuzugang. In Summe sind das 39 (!) Akteure. Viel zu viele natürlich.

Viel Arbeit auch für den neuen Trainer Markus Anfang, der sich ab Samstag, wenn die erste Trainingseinheit nach dem Bundesliga-Abstieg ansteht, ein Bild machen muss, welche Spieler seinen Ansprüchen genügen und welche nicht. Man kann es ein Casting nennen oder auch eine sportliche Bestandsaufnahme, die der Coach jetzt durchführen muss und wird. Bei 39 Spielern eine Mammutaufgabe.

Werder Bremen-Kader: Einige Spieler werden in Markus Anfangs Planungen keine Rolle mehr spielen

Wobei: Nicht alle werden schon am Samstag vor Ort sein. Die EM-Teilnehmer und andere Nationalspieler fehlen noch, macht schon mal acht Profis weniger. Und dann verbergen sich hinter der Zahl 39 natürlich auch einige Fälle, die in Anfangs Planungen schon beim Start keine Rolle mehr spielen dürften – gerade aus der Riege der Rückkehrer. Sportchef Frank Baumann rechnet dennoch am Samstag mit einem „Trainingskader in einer Größe von 25 bis 28 Spielern“. Und alle, die kommen sollen, werden auch kommen. Ein Boykott-Fall wie bei Sebastian Rudy und Schalke 04 ist demnach nicht zu erwarten.

Wobei natürlich auch Werder Bremen genügend Fälle im 39er-Kader hat, bei denen es nur noch ums Verkaufen geht. Josh Sargent (der bei Eintracht Frankfurt im Gespräch ist), Milot Rashica, Ludwig Augustinsson (den es nach Italien ziehen könnte), Marco Friedl und Jiri Pavlenka spielen in Anfangs sportlichen Planungen kaum eine Rolle, längst wird in Bremen nur noch ihr finanzieller Wert diskutiert. Sie sind Säulen des wirtschaftlichen Rettungsplans, aber keine Säulen für das Zweitliga-Team. Allerdings sollte man sich ob der andauernden Trägheit des Marktes gar nicht so sicher sein, dass alle genannten Transferkandidaten auch tatsächlich über den Ladentisch gehen und Erlöse bringen werden. Von den 9,4 Millionen Euro Transferüberschuss, die Werder bis Monatsende erwirtschaften will, sind durch Rashica und Co. bisher exakt null Euro aufs Konto gewandert.

Werder Bremen: Talente kämpfen um Kader-Platz - Für viele Rückkehrer wird es schwer

Nun zum anderen Teil des Bremer Kaders, zur Gruppe jener Spieler, die sich Anfangs prüfendem Auge stellen muss. Es sind die Leih-Rückkehrer und aufstrebenden Talente aus der U23, die sich nach dem Abstieg nach oben arbeiten wollen. 15 junge Männer gehören dazu, und nur bei wenigen gibt es schon jetzt Tendenzen. Zu denen mit den guten Aussichten auf einen dauerhaften Platz in Anfangs Kader dürften allen voran Johannes Eggestein (dem aber auch andere Türen offenstehen) und Stefanos Kapino gehören, dazu U23-Stürmer Abdenego Nankishi, vielleicht U23-Linksverteidiger Kyu-hyun Park, der allerdings noch keinen Vertrag für die neue Saison besitzt, sondern nur noch bis 30. Juni als Leihspieler an Werder Bremen gebunden ist.

Schwer wird es dagegen für die meisten Rückkehrer. Niklas Schmidt (zuletzt VfL Osnabrück) hat bereits erklärt bekommen, dass er keine Chance mehr hat bei Werder. Jannes Vollert ist am Mittwoch nach vorangegangenem Leihgeschäft fest zum Halleschen FC gewechselt. Benjamin Goller wird wohl ein weiteres Leihjahr beim Karlsruher SC verbringen. Beim großen Rest der Ex-Verliehenen sieht es eher danach aus, dass der Trainingsstart in Bremen für sie nur eine Durchgangsstation sein wird – wenn sie überhaupt alle dazu eingeladen worden sind. Die Antwort darauf gibt es am Samstag. „Gerade bei den jüngeren Spielern könnte sich in den nächsten Tagen noch etwas tun“, so Baumann.

Werder Bremen: Markus Anfang und Frank Baumann klopfen Zweitliga-Motivation der Spieler ab

Andere Antworten wollten er und Coach Markus Anfang in den vergangenen Tagen einholen. Sie fragten die Profis aus dem Abstiegsteam: Hast du Lust auf 2. Liga? Hast du Lust auf Wiederaufstieg? Es war eine Klärung der Motivationslage, die Baumann „intensiv angehen“, wollte, „um das Gefühl zu bekommen, wer diesen Abstieg auch wiedergutmachen möchte.“ Wie die Resonanz war? Offenbar alles andere als durchweg pro Werder Bremen. Baumann sagt es so: „Wir haben abgeklopft, welche Wünsche die Spieler haben, und wir haben natürlich auch unsere Sichtweise aufgezeigt. Es ist normal und nachvollziehbar, dass viele Spieler aus sportlichen, aber auch finanziellen Gründen gerne erstklassig bleiben möchten.“

Schön und gut, denkt sich der Manager, der Transfererlöse erwirtschaften muss: „Da muss dann aber auch etwas Passendes kommen. Wir werden schauen, wie sich das entwickelt.“ Und so lange sich nichts tut, wird mittrainiert. Ab Samstag. Dann geht‘s wieder los bei Werder. (csa)

Werder Bremen: Der (noch viel zu große) Kader im Überblick

Der Grundkader: Jiri Pavlenka, Michael Zetterer, Luca Plogmann, Eduardo dos Santos Haesler, Felix Agu, Milos Veljkovic, Ömer Toprak, Marco Friedl, Ludwig Augustinsson, Christian Groß, Patrick Erras, Kevin Möhwald, Ilia Gruev, Maximilian Eggestein, Manuel Mbom, Leonardo Bittencourt, Romano Schmid, Yuya Osako, Nick Woltemade, Milot Rashica, Eren Dinkci, Niclas Füllkrug, Josh Sargent (insgesamt 23 Profis)

Rückkehrer nach Leihgeschäft: Johannes Eggestein, Stefanos Kapino, Thore Jacobsen, Ole Käuper, Simon Straudi, Jonah Osabutey, David Philipp, Luc Ihorst (8)

Talente aus der U23: Kebba Badjie, Oscar Schönfelder, Abdenego Nankishi, Kyu-hyun Park, Johan Mina, Jascha Brandt, Yannik Engelhardt (7)

Neuzugang: Anthony Jung

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