Der SV Werder Bremen ist bekannt für seine wuchtige Fanbase.
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Der SV Werder Bremen ist bekannt für seine wuchtige Fanbase.

Trauer nach Abstieg des SVW

Werder Bremen ist weg - und die Bundesliga vermisst die Grün-Weißen schon jetzt

Bremen - Eigentlich ist Zweitklassigkeit beinahe ein Schimpfwort. Im deutschen Profifußball wird der Begriff aktuell aber fast schon zum Kompliment. Werder Bremen und der FC Schalke 04 bringen als Direktabsteiger aus der Bundesliga nicht nur elf Meisterschaften ins Unterhaus mit. Sie stehen neben der Tradition auch für eine wuchtige Fan-Basis. Der Hamburger SV, Hannover 96, Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Nürnberg oder die Aufsteiger Dynamo Dresden und Hansa Rostock sorgen außerdem für einen erstligareifen Anstrich, wenn am 23. Juli die neue Spielzeit beginnt.

Der Begriff der „Classic League“ macht längst die Runde, weil sich so viele Clubs mit einer großen Vergangenheit in einer für sie eigentlich zu niedrigen Spielklasse versammeln. Und nicht vergessen: Der 1. FC Köln als weiterer Ex-Champion könnte noch dazu kommen. Auch ohne den „Effzeh“ hat die Zweite Liga mit Werder Bremen und Co. schon 38 westdeutsche Meistertitel zu bieten – plus neun ostdeutsche, die von Dresden und Rostock eingebracht werden. Macht in der Summe 47 Meisterschaften. Zum Vergleich: 56 sind es bei den aktuellen Erstligisten. Sollten nun auch noch die drei Kölner Titel von der ersten zur zweiten Liga wandern, wäre das Verhältnis bei 53 zu 50 nur noch knapp besser für die Beletage.

Und noch mehr Zahlen belegen, dass die neue sportliche Heimat des SV Werder Bremen gar nicht so zweitklassig ist, wie der Name es besagt. Während die Erstligisten zusammen auf 16.690 Bundesliga-Spiele kommen, stehen die Zweitligisten bei 12.156 – Partien in der DDR-Oberliga nicht eingerechnet. „Das ist eine Zweite Liga, wie es sie noch nie gab“, jubelt Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne.

Werder Bremen: Zweite Bundesliga mit mehr Zuschauern als im Oberhaus?

„Solch eine Hammer-Liga gab es noch nie. Das wird etwas ganz Besonderes“, meint auch der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel, verkennt jedoch die Kehrseite des Ganzen nicht. „Der Bundesliga fehlen die illustren Namen, das ist seltsam.“ Der Hoffenheimer Manager Alexander Rosen sagt: „Das wird ein brutaler Wettbewerb. Wenn man bedenkt, welche Power viele Vereine haben, könnte es in der nächsten Saison in der Zweiten Liga mehr Zuschauer geben als in der Bundesliga.“ Der Bundesliga wird in der kommenden Saison eine Menge fehlen – bei allem Respekt vor einem direkten Aufsteiger wie der SpVgg Greuther Fürth. Die Massen vor dem TV oder Tablet mobilisiert der fränkische Traditionsverein jedoch noch nicht. 

„Wir machen uns große Sorgen über das Bild der Bundesliga“, räumt Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann im „Kicker“ ein. „Mit Schalke und Bremen steigen zwei absolute Traditionsclubs ab, die immer zwischen 4.000 und 8.000 Fans mitgebracht haben. Wenn der 1. FC Köln auch noch absteigen sollte, wäre das der nächste Club, der für ein volles Haus, eine hohe Attraktivität und Reichweite sorgt.“

PR oder ehrliche Einschätzung? Werder Bremen „in der stärksten 2. Liga aller Zeiten“

Es geht eben wie so oft im Profifußball ums Geld. „Wir haben innerhalb der Liga über die Aufwertung der internationalen Rechte der Bundesliga diskutiert. Für die internationale Vermarktung der Bundesliga ist das, was gerade mit dem Abstieg dieser Vereine passiert, alles andere als positiv. Da wird es uns nicht gelingen, irgendwelche Lücken zu schließen“, erklärte Hellmann. Werder Bremen und Schalke seien im „Gesamtkontext der Bundesliga enorme Verluste“.

Je attraktiver die Bundesliga ist, umso mehr lässt sich mit ihrer Vermarktung erlösen. Vor allem in Corona-Zeiten, wo die Vereine finanzielle Einbußen wegen fehlender Zuschauereinnahmen beklagen, ist das mittel- und langfristig ein gravierender Aspekt. Jahn Regensburgs Trainer Mersad Selimbegovic freut sich dagegen schon auf die seiner Einschätzung nach stärkste 2. Liga „aller Zeiten“. Das mag eine ehrliche Einschätzung sein, ist aber natürlich auch viel PR in eigener zweitklassiger Sache. (dpa/csa) Auch interessant: Einigung mit Markus Anfang: Werder Bremen fehlen beim Trainer-Transfer nur noch Details! Werder Bremen geht ans Tafelsilber: Ehemaliges Internats-Gebäude für Millionen-Betrag verkauft! Neuer Partner: Mercedes wird Werder Bremens Automobil-Sponsor! Und: Beben beim SV Werder Bremen - Marco Bode und Co. ziehen die Konsequenzen aus dem Abstieg!

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