Sie haben Werder Bremen einst groß gemacht. Nun betrauern Jürgen L. Born, Dieter Burdenski, Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller (v. l. n. r.) den Abstieg in die Zweite Liga.
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Sie haben Werder Bremen einst groß gemacht. Nun betrauern Jürgen L. Born, Dieter Burdenski, Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller (v. l. n. r.) den Abstieg in die Zweite Liga.

Erster Abstieg nach 1980

Nach Abstieg von Werder Bremen: Fischers „große Angst“ und Borns Skepsis beim Thema Aufstieg

Bremen – Sie gehören zu den Menschen, die Werder Bremen einst groß gemacht haben. Nun beweinen Klaus-Dieter Fischer, Jürgen L. Born, Manfred Müller und Dieter Burdenski den Abstieg in die Zweite Liga.

Klaus-Dieter Fischer (1970 bis 2014: Vorstand und Geschäftsführung von Werder Bremen):

„Ich bin so traurig, da ist etwas in mir zusammengebrochen“, sagt Klaus-Dieter Fischer mit leiser Stimme. Der Abstieg hat Werder Bremens Ehrenpräsidenten ziemlich zugesetzt. „Ich habe große Angst um unseren Verein. Es ist ja nicht nur der Abstieg, auch finanziell sieht es doch ganz düster aus“, klagt der 80-Jährige. Für die Arbeit der Verantwortlichen gibt er nur schlechte Schulnoten („Man darf sich nicht nur hinter den Folgen von Corona verstecken“), zudem habe der Aufsichtsrat seine Kontrollfunktion nicht ausreichend ausgefüllt. Einen personellen Kahlschlag hält Fischer aber aktuell für nicht zielführend. „Dafür haben wir jetzt keine Zeit, die Zweite Liga startet doch schon am 23. Juli. Wir sollten die Verantwortlichen lieber bei ihrem Wort nehmen, dass sie das richten wollen, was sie angerichtet haben.“

Im September hätten dann die Mitglieder bei der Wahl zum Aufsichtsrat die Möglichkeit, über die Ergebnisse zu urteilen und möglicherweise einen Kurswechsel einzuleiten – ein Jahr später dann auch, was den Vereinspräsidenten Hubertus Hess-Grunewald betrifft. Parallel dazu sei, so Fischer, eine Auseinandersetzung mit den Satzungen des Vereins und der Kapitalgesellschaft für den Profi-Sport bei Werder Bremen unabdingbar. Der Verein dürfe nicht mehr gleichzeitig im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung vertreten sein – allein schon, um den Compliance-Anforderungen für Unternehmen nachzukommen.

Jürgen L. Born (1999 bis 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung des SV Werder Bremen):

Für den ehemaligen Werder-Boss ist der Abstieg natürlich auch ein Schock, „aber es ist niemand gestorben, das Leben geht weiter“, sagt Jürgen L. Born (80) und empfiehlt, den Blick nach vorne und nicht nach hinten zu richten: „Werder sollte ein, zwei neutrale Berater, vielleicht ehemalige Chefs von Unternehmen, zu Rate zu ziehen. Bitte keine Werder-Fans! Damit sie einen ganz anderen Blick auf den Verein haben, unabhängig sind und Fehler offen ansprechen.“ In der aktuellen Führung würde sich Born zwar schon das „eine oder andere neue Gesicht wünschen“, warnt aber zugleich: „Der Ruf ,Alle raus’ bringt doch nichts. Wir müssen die Nerven bewahren.“ Gleiches gelte auch für das Thema Saisonziel: „Es klingt natürlich toll, den Fans jetzt zu sagen, dass wir schnell wieder aufsteigen. Aber dieser Schuss kann auch nach hinten losgehen, wenn das überhaupt nicht realistisch ist.“

Manfred Müller (1988 bis 2009, Werder-Finanzen): 

Der ehemalige Marketing-Manager mag noch gar nicht so recht an die Zweite Liga denken: „Das wird so schwer, die Liga ist richtig stark.“ Der Abstieg hat ihn getroffen. „Ich bin einfach nur traurig.“ Die finanziellen Probleme seines Clubs bereiten ihm ebenfalls große Sorgen. Der 76-Jährige hofft, dass Sponsoren, Logenbesitzer und Vip-Gäste Werder Bremen helfen und jetzt nicht weniger zahlen wollen. Da sei Fingerspitzengefühl in den Verhandlungen gefragt. Über die Arbeit seiner Nachfolger und der anderen Verantwortlichen will er nicht urteilen, mahnt aber: „Wenn man jemanden austauschen will, dann muss man auch eine bessere Lösung haben. Und nur weil viele nach Veränderungen schreien, muss man nicht nachgeben. Man sollte immer mit Bedacht handeln. Es ist nun mal nicht viel Zeit bis zum Start der Zweiten Liga.“

Dieter Burdenski (Werder Bremens Rekordspieler und Ehrenspielführer):

Dieter Burdenski (70) hat mit seiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Auch nach dem Abstieg übt der Bremer Ehrenspielführer deutliche Kritik. Die richtet er aber nicht vornehmlich an Sportchef Frank Baumann, sondern an den von Marco Bode geführten Aufsichtsrat. „Es ist nicht nur Baumann, nicht nur der Trainer und auch nicht nur Bode. Es sind auch die anderen fünf Mitglieder des Aufsichtsrates, die Verantwortung für diesen Abstieg tragen. Sie haben bei gewissen Transfers mitentschieden. Und Sie haben mehrheitlich gegen eine frühere Entlassung von Trainer Kohfeldt gestimmt. Es ist ja nicht so, dass sie keinen Einfluss haben. Aber außer Marco Bode sind das alles Leute, die nicht aus dem Fußball kommen. In ihren Bereichen sind das sehr qualifizierte Leute, aber Fußball ist eine andere Welt.“ Eine Welt, in der sich Burdenski bestens auskennt und gut vernetzt ist. Für ihn ist klar: „Werder Bremen muss sich jetzt neu aufstellen, muss neue Wege gehen.“ (kni/csa) Schon gelesen? Die Bundesliga vermisst Werder schon jetzt! Auch interessant: Umworbener Felix Agu - Bundesliga-Topclubs buhlen um Außenverteidiger des SV Werder!

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