Der SV Werder Bremen ist tatsächlich aus der Bundesliga abgestiegen - und jetzt?
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Der SV Werder Bremen ist tatsächlich aus der Bundesliga abgestiegen - und jetzt?

Werder Bremen in der 2. Fußball-Bundesliga

Wer muss jetzt gehen? Wie läuft der Neuaufbau? Wann startet die 2. Liga? Fragen und Antworten nach dem Abstieg von Werder Bremen

Bremen – Werder Bremen steigt zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die zweite Fußball-Bundesliga ab. Es ist eine Zäsur für Verein und Fans. Es gibt keine Garantie für ein wirtschaftliches Überleben im Unterhaus, schon gar nicht für einen schnellen Wiederaufstieg. Die Mannschaft steht vor dem Zerfall, es brechen ganz harte Zeiten an. Die DeichStube gibt Antworten auf die drängendsten Fragen nach dem Abstieg.

Wer muss jetzt gehen?

Trainer Florian Kohfeldt war ein Hauptbeteiligter des sportlichen Niedergangs - und nach dem 33. Spieltag auch dessen erstes personelles Opfer. Die Stimmen, die weitere personelle Konsequenzen fordern, mehren sich. Gefordert wird die Demission von Sportchef Frank Baumann oder gleich der kompletten Geschäftsführung mit Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald. Oder noch radikaler: Am besten gehen gleich alle - inklusive des Aufsichtsrates! Doch dessen Vorsitzender Marco Bode hat im Interview mit der DeichStube bereits deutlich gemacht, was er vorhat: „Ich werde beim Abstieg gewiss nicht hinwerfen.“ Und einmal die komplette Geschäftsführung mit dem großen Besen vor die Tür zu kehren, hält er auch für keine gute, weil wenig sinnvolle Idee: „Wir müssen handlungsfähig sein, speziell in diesem Sommer und ganz besonders im Fall eines Abstiegs.“ (Auch interessant: Klaus Filbry kritisiert Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt!)

Wer wird der neue Trainer des SV Werder Bremen?

Eines ist klar: Nach dem Abstieg muss Werder Bremen bei der Suche in ein etwas tieferes Regal schauen. Kiels Ole Werner, Fürths Stefan Leitl, der Österreicher Gerhard Struber von Red Bull New York, Dortmunds Edin Terzic - Trainer dieser Kategorie werden die Bremer als Zweitligist wohl nicht anlocken können. (Lies auch: Frank Baumann erklärt Prozess und Kriterien bei Werders Trainersuche!)

Welche Spieler verlassen den SV Werder Bremen?

Klar ist: Werder Bremen muss Davie Selke nun nicht mehr kaufen. Außerdem gilt der ablösefreie Abschied von Niklas Moisander (35/nach fünf Jahren) und Theodor Gebre Selassie (34/nach neun Jahren) als gesichert. Beide werden ihre Karrieren in oder nahe der Heimat ausklingen lassen. Und dann ist da noch die große Masse an Spielern, die Werder verkaufen wird, weil der Club Geld aus Transfers generieren muss, weil er sie in der Zweiten Liga zudem sowieso nicht bezahlen könnte. Pavlenka, Friedl, Augustinsson, Veljkovic, Bittencourt, Eggestein, Rashica, Sargent – sie alle gehen sehr sicher nicht mit in die Zweite Liga.

Wer bleibt überhaupt? Wer kommt zu Werder Bremen?

Fraglich ist, ob in die Jahre gekommene Spieler wie Toprak (31) und Osako (31) Lust haben, am Wiederaufbau der Bremer Mannschaft mitzuwirken. Zu teuer für die Zweite Liga sind sie allemal. Als mögliche Pfeiler bleiben möglicherweise nur Niclas Füllkrug, der schon vor einem Jahr versprochen hatte, mit in die Zweite Liga zu gehen, und Kevin Möhwald. Dazu Felix Agu, Manuel Mbom, Patrick Erras, Christian Groß, die Torhüter Michael Zetterer und Stefanos Kapino oder Luca Plogmann sowie die Talente Eren Dinkci, Ilia Gruev, Nick Woltemade. Werder Bremen kann theoretisch auch bei einigen derzeit ausgeliehen Spielern wie Johannes Eggestein, Jan-Niklas Beste, Niklas Schmidt, Benjamin Goller, Jonah Osabutey oder Luc Ihorst zugreifen. Und dann ist da auch noch Johan Mina, der 19-Jährige Kolumbianer, den Werder bisher bei den Profis nicht einsetzen wollte und bei der U23 nicht einsetzen durfte. Aber alle diese Namen werden nicht reichen, um ein Zweitliga-Team mit Perspektive auf die Beine zu stellen. Zugänge von außen müssen her – günstig und gut müssen sie sein.

Wie attraktiv ist die Zweite Liga?

Sagen wir es so: Sandhausen ist keine Krankheit, und sterben kann man daran auch nicht. Der noch abstiegsbedrohte SVS ist einfach nur der Club mit dem kleinsten Namen in einer Liga, die – und das ist die einzige gute Nachricht – ansonsten richtig was zu bieten hat. Der Hamburger SV ist dabei, Hannover 96, der FC St. Pauli – viel Nordkompetenz also mit vielen Derbys. Dazu Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf als große Namen. Aber klar: Jahn Regensburg, Erzgebirge Aue und eben der SV Sandhausen können Bayern, Dortmund und Mönchengladbach nicht ersetzen.

Wie lautet Werder Bremens Ziel für die kommende Saison?

Trotz aller Probleme: Es muss um den direkten Wiederaufstieg gehen. Zwar sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen extrem schwierig, aber alles andere wäre für einen Verein der Größenordnung, mit dem Anspruch und der Historie des SV Werder Bremen Blödsinn. Das Problem ist nur: Die Zweite Liga ist in der kommenden Saison voll mit Vereinen, für die das Gleiche gilt. Schalke, der HSV, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 – sie alle haben neben einer Erstliga-Vergangenheit auch Erstliga-Ambitionen.

Wie viel Geld kostet der Abstieg?

Werder drücken inklusive der gerade gestarteten Anleihe Verbindlichkeiten von 75 Millionen Euro, nun gehen auch noch die Einnahmen aus den TV-Rechten um cirka 30 Millionen zurück und halbieren sich damit. Die Summe der Sponsorengelder schmilzt zudem geschätzt um zehn Millionen Euro. Insgesamt rechnet Werder Bremen mit einem Einnahmeverlust von 40 Prozent. (Auch interessant: Insolvenz-Gefahr, Transfers, Gehälter - Klaus Filbry beantwortet nach dem Abstieg die wichtigsten Geld-Fragen.)

Verdienen die Spieler jetzt auch nur noch zweitklassig?

Ja! Zwischen 30 und 50 Prozent werden die Spieler künftig weniger verdienen. Das ist in den bestehenden Verträgen bereits so festgelegt. Der Gehaltsetat wird unter 30 Millionen Euro sinken.

Wann geht es los in Liga zwei?

Deutlich vor der ersten startet die zweite Liga in die neue Saison. Schon am 23. Juli geht es los. Für die Bremer Saisonvorbereitung bedeutet dies, dass das vom 14. bis 23. Juli geplante Trainingslager im Zillertal entweder etwas verkürzt oder aber vorgezogen werden muss. Noch im Kalenderjahr 2021 beginnt am Wochenende 17.-19. Dezember mit dem 18. Spieltag die Rückrunde, die Winterpause dauert dann bis zum 14. Januar 2022. Die Saison endet am 15. Mai 2022.

Wann kann ich Werder Bremen künftig auf welchen TV-Sendern spielen sehen?

Samstag, 15.30 Uhr – diese Anstoßzeit können Werder-Fans jetzt aus ihrem Kalender streichen. Fortan müssen sie sich an die für Liga zwei gültigen Spieltermine gewöhnen: Freitag, 18.30 Uhr (2 Spiele); Samstag, 13.30 Uhr (3 Spiele); Samstag, 20.30 Uhr (1 Spiel); Sonntag, 13.30 Uhr (3 Spiele). Der Zweitliga-Termin am Montagabend wurde abgeschafft, dafür das Spiel am Samstagabend, das fest zum Spieltagsplan gehört, eingeführt. Alle Spiele gibt es bei Sky im Pay-TV als Einzelpartien und als Konferenz live zu sehen. Das Samstagabendspiel zeigt Sport1 live im Free-TV.

Wie hoch ist die Quote an direkten Wiederaufsteigern?

Die Quote ist eher so lala. In den vergangenen elf Jahren schafften nur acht von 24 Erstliga-Absteigern die sofortige Rückkehr ins Oberhaus – also nur jeder dritte. Der HSV ist mittlerweile im dritten Anlauf am Wiederaufstieg gescheitert, auch 96 geht bereits ins dritte Zweitligajahr in Serie und der aktuell designierte Aufsteiger VfL Bochum hat seit dem letzten Abstieg elf Spielzeiten in Liga zwei verbracht. Diese Beispiele zeigen, wie schwer es ist, sich aus Liga zwei wieder nach oben zu arbeiten. (csa)

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