Das Auswärtsspiel in Mainz wurde für Theodor Gebre Selassie und den SV Werder Bremen zum Reinfall. Werder befindet sich im freien Fall in Richtung Zweite Liga.
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Das Auswärtsspiel in Mainz wurde für Theodor Gebre Selassie und den SV Werder Bremen zum Reinfall. Werder befindet sich im freien Fall in Richtung Zweite Liga.

Nach 1:3-Pleite in Mainz

Die Stille vor dem Sturz: Abstieg des SV Werder rückt näher

Werder Bremen hat den Bundesliga-Abstiegskrimi gegen den 1. FSV Mainz 05 mit 1:3 verloren und kaum noch Chancen auf die Relegation. Der Nachbericht der DeichStube*.

Mainz – Das einzige, was ihm nach diesem so bitteren Samstagnachmittag noch blieb, war dieser Appell. Keine Erklärungen mehr, kein Mutmachen oder Starkreden. Nein. Nur noch dieser Appell, der da um kurz nach 18.00 Uhr von den Lautsprechern in den Medienraum des Mainzer Stadions übertragen wurde. 

„Wir sind es uns selber, aber vor allen Dingen auch jedem Mitarbeiter und jedem Fan dieses Vereins schuldig, nächste Woche alles dafür zu tun, um den Sieg zu holen und nicht wieder so dazustehen wie heute“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt, dessen Mannschaft gerade eine vollkommen verdiente 1:3 (0:2)-Niederlage beim 1. FSV Mainz 05 kassiert hatte und damit rechnerisch zwar noch nicht, aber zumindest gefühlt aus der Bundesliga abgestiegen ist. Die direkte Rettung ist für Werder Bremen jetzt endgültig passé, und auch für den allerletzten Strohhalm Relegation muss am kommenden Wochenende schon ein mittelschweres Fußballwunder her. Ein Wunder, an das selbst Kohfeldt im Mainz-Moment der Enttäuschung kurzzeitig nicht glauben konnte. „Ich kann direkt nach dem Spiel keine Zuversicht verbreiten“, sagte er - es klang nach Aufgabe.

Werder Bremen kann heilfroh darüber sein, dass Fortuna Düsseldorf nicht gewonnen hat

Da Werders ärgster (und jetzt einzig verbliebener) Konkurrent Fortuna Düsseldorf in seinem Heimspiel gegen den FC Augsburg nicht über ein 1:1 hinaus gekommen war, hätten die Bremer mit einem Sieg in Mainz einen großen Schritt in Richtung Rettung machen können. Hoffnungen, die im Konjunktiv verpufften. Wegen der eigenen Niederlage musste Werder Bremen am Ende vielmehr heilfroh darüber sein, dass Düsseldorf nicht noch gewonnen hatte – sonst hätte das bereits den Abstieg bedeutet. 

„Wir haben heute eine Riesenchance vergeben. Deshalb bin ich sehr, sehr enttäuscht und leer“, gestand Kohfeldt, der das aber gar nicht hätte sagen müssen, weil es ihm deutlich anzusehen war. Ein konsternierter, ein enorm angeschlagener Trainer flimmerte da während der kontaktlosen Pressekonferenz über die Großbildleinwand.

Werder Bremen-Trainer Florian Kohfeldt: Niedergeschlagenheit in Nahaufnahme

Niedergeschlagenheit in Nahaufnahme. Florian Kohfeldt ist selten, eigentlich nie sprachlos. Dieses Mal aber schon, was unter dem Strich mindestens genauso viel von der Resthoffnung auf den Klassenerhalt schwinden ließ wie der blutleere Auftritt seiner Mannschaft. Vor TV-Kameras hatte sich Kohfeldt geärgert, wie das Team „so dumm“ hatte sein können, die Vorlage aus Düsseldorf nicht genutzt zu haben.

Sportlich ist das Spiel schnell zusammengefasst, denn auch in Mainz tat Werder Bremen das, was die Mannschaft schon während der gesamten Saison getan hatte: Sie machte Fehler, grob und entsprechend folgenschwer. Zunächst vor des Gegners Tor, wo Josh Sargent (4.) und Leonardo Bittencourt (8.) ihre Chancen zur Führung nicht nutzten. Dann auch hinten. Das 0:1 von Robin Quaison (25.) resultierte, klar, aus einem Standard. Das 0:2 von Jean-Paul Boetius (30.) aus Nachlässigkeiten im Mittelfeld. Das Spiel war damit praktisch schon gelaufen. Noch nie in dieser Saison hatte Werder nach einem Rückstand noch gewonnen. 

Werder Bremen: „Wir haben es an 33 Spieltagen nicht geschafft, da zu sein“

„Wir müssen einfach da sein in solchen Situationen“, kritisierte Kohfeldt und fällte ein vernichtendes Urteil: „In dieser Saison haben wir es an 33 Spieltagen nicht geschafft, da zu sein.“ Der Anschlusstreffer von Yuya Osako (58.) sorgte nach der Pause nur für kurzzeitige Hoffnung, die Edimilson Fernandes in der Schlussphase endgültig zunichte machte – 3:1 (85.). Kurz darauf waren sie dann zu sehen, die scharfen Kontraste, die es am Ende einer jeden Saison gibt: Hier die, die feiern, dort die, die trauern.

Während sich die Mainzer flugs ihre „Wir-haben-den-Klassenerhalt-geschafft“-Shirts überstreiften und in der leeren Arena zu tanzen begannen, sank Grün-Weiß zu den Klängen von „Olé, Olé, Fiesta hier am Rhein“ zu Boden. „Niemand hat etwas gesagt. In der Kabine war es einfach nur still“, berichtete Werder-Kapitän Niklas Moisander später. Tatsächlich scheint bei Werder Bremen der Punkt erreicht, an dem es nichts mehr zu bereden gibt. Ein Spiel noch. Gegen Köln. „Wir haben nur noch eine geringe Chance, aber es ist eine Chance“, sagte Kohfeldt. Dass dieser Satz auch nur im Ansatz kämpferisch klingt, wollte ihm am Samstagabend aber einfach nicht mehr gelingen. (dco)

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