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Claudio Pizarro – ein Mann mit einzigartigen Werder-Geschichte verlässt den Club.

Abschied der Stürmerikone

Goodbye, Legende! Claudio Pizarros Vertrag wird nicht verlängert

Bremen - Das Ende der Legende! Claudio Pizarros Zeit bei Werder Bremen ist vorbei, der am Freitag ausgelaufene Vertrag der Stürmerikone wird definitiv nicht mehr verlängert.

Die Wege trennen sich damit zum dritten und sehr sicher auch zum letzten Mal. 90 Minuten vor dem ersten Teamtraining der Saison verkündete Sportchef Frank Baumann am Sonntag die Entscheidung, die so erwartet worden war, die im Grunde schon lange feststand, die er aber sehr lange mit sich herumgetragen hat. Angeblich weil Pizarro es so wollte.

„Auf expliziten Wunsch“ des 38-Jährigen hätte er seit Wochen nicht gesagt, was er längst hätte sagen können. Nämlich dass Werder zu viele Stürmer hat, dass für Pizarro kein Platz mehr ist im Kader, dass es deshalb nicht weitergehen würde für den verletzungsanfälligen 38-Jährigen. Im Grunde habe diese Entscheidung „seit Ende April, spätestens aber Mitte Mai“ festgestanden, verriet Baumann.

Dass sie nicht früher verkündet wurde, lag nach offizieller Baumann-Darstellung an Pizarro selbst. Er habe darum gebeten, die Tür „nicht komplett zuzumachen“, denn er habe noch an eine „Restchance“ geglaubt, seine letzte Saison bei Werder verbringen zu können. „Und die Restchance war auch da“, behauptete Frank Baumann, der offen zugab, dass er in öffentlichen Statements „rumeiern“ musste. Bis Sonntag. Dann beendete Werder die Hängepartie.

Die Restchance bestehe nun nicht mehr, eine Pro-Pizarro-Konstellation sei „nicht mehr in Sicht“, erklärte Baumann und bestätigte, dass das eng mit der bevorstehenden Verpflichtung eines neuen Stürmers verknüpft ist: „Auf jeden Fall werden wir noch einen Stürmer holen.“ Möglicherweise handelt es sich dabei um den Chinesen Yuning Zhang (20) von Vitesse Arnheim.

„Richtige Entscheidung treffen“

Allerdings ist nicht nur der Neue der Grund, weshalb Pizarro nicht mehr gewollt ist bei Werder. Der bald 39 Jahre alte Peruaner, der bis vor kurzem noch als Förderer, Mentor und Orientierungshilfe für junge Spieler galt, soll eben diesen jungen Spielern nun nicht mehr im Weg stehen. Baumann: „Wir wollen die Entwicklung der Talente nicht blockieren. Deshalb haben wir uns entschieden, den Vertrag mit Claudio nicht zu verlängern.“

Natürlich haben auch Pizarros mittlerweile schon chronisch erscheinenden Rückenprobleme eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt. Der erfolgreichste ausländische Stürmer der Bundesliga-Geschichte war zuletzt ständig verletzt, sein Körper muss dem Alter mehr und mehr Tribut zollen. Doch das thematisierte Baumann Sonntag nicht. Schließlich will Pizarro seine Karriere noch bei einem anderen Club fortsetzen und in einem Jahr dann auch wohl beenden. „Ich bin überzeugt, dass er noch einen guten Verein finden wird“, sagte Baumann, der 1999 gemeinsam mit Pizarro bei Werder angefangen hatte. Seither sei natürlich eine Freundschaft entstanden, so der Geschäftsführer, „aber das zählt jetzt nicht. Es müssen die Entscheidungen getroffen werden, die die richtigen sind für den Verein.“

Claudio Pizarro: Seine Anfänge beim SV Werder

Claudio Pizarro war immer wieder eine goldrichtige Entscheidung für Werder Bremen. 1999, als er das erste Mal kam. 2008, als er das erste Mal zurückkehrte. Und 2015, als seine Ankunft kurzzeitig den Bremer Flughafen in den Ausnahmezustand versetzte. „Er hat überragende Leistungen in allen drei Etappen gebracht“, meinte Baumann. Dennoch: Nach insgesamt 271 Pflichtspielen für Werder, in denen er unfassbare 144 Tore erzielte (alleine 104 in der Bundesliga – Club-Rekord), ist er nicht mehr die richtige Wahl. Die Vergangenheit war seine, die Zukunft gehört anderen.

In einem via SV Werder verbreiteten Statement sagte Pizarro, dass es ihm immer „eine große Ehre“ gewesen sei, das Werder-Trikot zu tragen: „Der Verein, die Stadt und die Fans werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich hätte gerne noch weiter für Werder gespielt, aber ich akzeptiere die Entscheidung des Vereins.“ Frank Baumann berichtete mit einiger Erleichterung, dass Pizarro die Trennung zwar enttäuscht, aber auch mit Verständnis aufgenommen hat: „Claudio hat diesen Verein immer mit seiner offenen, optimistischen Art geprägt. Er hat es mir auch jetzt nicht schwer gemacht, ihm die Entscheidung zu vermitteln. Das zeigt auch seine menschliche Größe.“

Pizarros Karriere in Bildern

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