Niclas Füllkrug (r.) von Werder Bremen geriet im Testspiel gegen Hannover 96 mit Baris Basdas aneinander.
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Niclas Füllkrug (r.) von Werder Bremen geriet im Testspiel gegen Hannover 96 mit Baris Basdas aneinander.

Coach Kohfeldt gefällt die Mentalität

Im Türsteher-Modus: Werder Bremen mit neuer Aggressivität auf dem Rasen

Bremen – Um es gleich vorweg zu nehmen, soll sich ja schließlich keiner unnötige Sorgen machen: Am Ende ist die Sache glimpflich ausgegangen. Haben es Baris Basdas von Hannover 96 und Niclas Füllkrug, Stürmer des SV Werder Bremen, beim kurzen Infight belassen.

Ein Griff an den Kragen (Basdas), ein entschlossen-herausfordernder Blick (Füllkrug) – dann war das kurze Scharmützel auch schon wieder vorbei, das Testspiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 konnte weitergehen. Und normalerweise wäre diese kleine Szene im Nachgang keine große Erwähnung mehr wert gewesen – nur passt sie in diesem Sommer einfach zu gut ins Bild, das Werders Spieler bisher von sich gezeichnet haben.

Werder Bremen entdeckt neue Mentalität - und dann kracht es auch mal

Mentalität. Mit diesem Wort, so steht es im Lexikon, wird die „vorherrschende psychische Persönlichkeitseigenschaft im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters einer Person oder sozialen Gruppe“ beschrieben. Und Mentalität, dieses Wort, es zählt inzwischen zu den liebsten von Werder-Trainer Florian Kohfeldt, der es während der Vorbereitung immer wieder benutzt hat, um Folgendes auf den Punkt zu bringen: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen und nie aufhören.“ Deshalb hatte er schon das Training bisweilen sehr kompetitiv gestaltet, was dazu führte, dass es bei Werder Bremen regelmäßig und ordentlich zur Sache ging.

Ob nun Yuya Osako gegen Leonardo Bittencourt, Ömer Toprak gegen Davie Selke oder Florian Kohfeldt gegen Niclas Füllkrug – der Sommer 2020 lieferte Bilder vom Bremer Trainingsplatz, wie es sie in dieser Häufig- und vor allem Hitzigkeit schon lange nicht mehr gegeben hatte. „Wenn wir uns alle immer nur lieb haben, dann macht das keinen Sinn“, hatte Kohfeldt schon während des Trainingslagers im Zillertal erklärt. Das geforderte Jedes-Spiel-gewinnen-und-nie-aufhören-wollen – es scheint bei seinen Spielern, das lässt sich nach Abschluss der Vorbereitung nun festhalten, angekommen zu sein.

Werder Bremen: Mannschaft zu lieb? Spieler jetzt im Türsteher-Modus

So berichtete Kohfeldt zuletzt sichtlich erfreut, dass ihn die Mannschaft nach einer langen Einheit gebeten habe, das Trainingsspiel nicht beim Stand von 1:0 für das eine Team zu beenden, sondern noch 2x3 Minuten dranzuhängen. „Sie wollten es ausspielen und es klären. Das sind natürlich Dinge, die mir gefallen“, sagte Kohfeldt, betonte aber auch, „dass der Ernstfall erst nächste und übernächste Woche kommt“. Wenn die ersten Pflichtspiele gegen Carl Zeiss Jena (im DFB-Pokal) und Hertha BSC (in der Bundesliga) anstehen.

Während der Vorsaison war es einer (der zahlreichen) öffentlichen Vorwürfe an das sportlich taumelnde Werder gewesen, dass die Mannschaft auf dem Platz zu lieb agiere, dass ihr – mit Ausnahme des inzwischen wieder abgewanderten Kevin Vogt – die ekligen, die unangenehmen Spielertypen fehlen würden. Dazugekauft hat der Verein solche Profis bisher nicht, dafür aber offenbar in den eigenen Reihen Kandidaten für den Job im Türsteher-Modus gefunden. (dco)

Zur letzten Meldung vom 23. August 2020:

Trainings-Krach bei Werder Bremen - „Wenn wir uns alle immer lieb haben, dann macht das keinen Sinn“

Zell am Ziller – Zoff im Werder-Training wird so langsam zum Alltag. Im Trainingslager in Zell am Ziller entsteht mehr und mehr der Eindruck: Werder Bremen ist so giftig und so heiß wie selten zuvor in der Vorbereitung.

Nachdem am Dienstag Niclas Füllkrug von Coach Florian Kohfeldt wegen mangelhaften Engagements in die Kabine geschickt worden war, krachte es am Samstag zwischen Yuya Osako und Leonardo Bittencourt sowie kurz darauf auch zwischen Ömer Toprak und Davie Selke. Der Teamgeist beim SV Werder Bremen ist dadurch aber nicht in Gefahr.

„Ich fand es total geil gestern, das war ein richtig gutes Training. So etwas will man haben“, schwärmte Trainer Florian Kohfeldt am Tag danach und verriet noch: „Abends saßen sie alle wieder zusammen und haben gescherzt und gelacht. Alles gut, da ist Leben drin. Wenn wir uns alle immer lieb haben, dann macht das keinen Sinn.“

Bei Werder Bremen ist Feuer im Training: Davie Selke-Zoff mit Ömer Toprak

Kleinere Unstimmigkeiten hatte es beim SV Werder Bremen bereits in den Tagen zuvor im Zillertal gegeben. Am Samstag brach es dann so richtig heraus aus einigen Akteuren. Das mag auch am Wetter und den Bedingungen gelegen haben. Die Sonne war weg, es regnete und der Platz war tief und rutschig. Dazu hatte Kohfeldt ein Turnier auf kleinen Spielfeldern angesetzt. Beste Voraussetzungen also, dass es ordentlich zur Sache gehen konnte. Als es dann Leonardo Bittencourt übertrieb und Yuya Osako foulte, sprang dieser sofort auf und schubste den Übeltäter wutentbrannt weg. Der wehrte sich natürlich, und Co-Trainer Tim Borowski musste eingreifen, hielt Osako fest. Keeper Stefanos Kapino eilte ebenfalls herbei und beendete mit seinen 1,98 Metern in Türsteher-Manier den Vorfall.

„Ich habe heute Morgen Yuya beim Frühstück gefragt, ob er heute schon eine Schlägerei hatte“, scherzte Florian Kohfeldt .Aber nicht nur Osako war auf 180 gewesen. Im selben Spiel hatten Davie Selke und Ömer Toprak nach einem harten Zweikampf einen ordentlich Disput. Wild gestikulierend diskutierten die beiden erfahrenen Profis des SV Werder Bremen. Toprak schimpfte, dass sich Selke immer beschweren würde, und der fand dessen Vorwürfe wiederum völlig unangebracht.

Werder Bremen gegen Austria Lustenau im Live-Ticker

Es knisterte gewaltig zwischen diesen beiden Teams im Training von Werder Bremen. Als dann Bittencourt Sekunden vor Spielende auch noch den Siegtreffer erzielte, brachen alle Dämme. Bittencourt, Selke und Co. feierten den Treffer wie einen Titelgewinn. Bittencourt schaute noch hämisch zu Toprak und dürfte ihm auch noch passende Worte verabreicht haben, das war jedoch nicht zu hören. Schon bald gab es aber wieder etwas zu sehen – erneut mit Davie Selke in einer Hauptrolle. Der 25-jährige Stürmer konnte es nicht verknusen, dass ihn Nachwuchsmann Maik Nawrocki stehen gelassen hatte, und hielt ihn mal eben kurz am Leibchen fest. Der 19-Jährige beschwerte sich lautstark und fing sich dafür einen heftigen Anranzer vom älteren Kollegen ein. Harmonie sieht anders aus.

Werder Bremen-Zoff im Training: Trainer Florian Kohfeldt findet es gut

Für Ex-Profi Clemens Fritz, der neuerdings auch als Bindeglied zwischen Team, Trainern und Staff fungiert, gehören solche Szenen zum Fußball dazu. „Man sieht, dass die Mannschaft lebt“, hatte er schon vor dem durchaus denkwürdigen Training des SV Werder Bremen gesagt. Ohnehin gefällt es ihm, dass es im Parkstadion nicht mehr so still ist wie noch zu Beginn der Tage im Zillertal. „Es ist laut auf dem Trainingsplatz, jeder spricht, jeder beschäftigt sich mit den Themen. Da sieht man, dass die Jungs gewillt sind. Jeder ist mental komplett da. Das ist es, was wir brauchen“, lobte der Ehrenspielführer, mahnte aber zugleich: „Man muss natürlich auch aufpassen, das ist ein schmaler Grad. Wenn es zu laut wird, dann kann auch leicht Hektik entstehen, dann wird es wild auf dem Platz.“

Dafür müsse die Mannschaft ein Gefühl entwickeln, so Fritz. Die Trainer hätten gewiss ein Auge darauf. Am Samstagabend wirkte Chefcoach Florian Kohfeldt jedenfalls noch recht entspannt. Nach der Einheit ging er kurz zu Davie Selke, der im Training des SV Werder Bremen besonders emotional agiert hatte, nahm ihn in den Arm und schickte ihn mit einem Klaps weiter. Danach lächelte Kohfeldt – aus gutem Grund, wie er später betonte: „Das hat dem Trainer alles sehr gut gefallen.“

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