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Trainer Alexander Nouri hat mit Werder vier Spiele in Folge verloren. Folgt am Samstag in Mainz das fünfte, dürfte er seinen Job los sein.

Werder-Trainer glaubt weiter an seinen Weg

Nouri: „Ich fürchte nicht um meinen Job“

Bremen - Von Daniel Cottäus und Carsten Sander. Noch kein einziger Punkt in diesem Jahr, der Absturz auf den Relegationsplatz, dazu massive öffentliche Kritik an seiner Person – die Lage für Werder-Trainer Alexander Nouri spitzt sich vor dem Spiel bei Mainz 05 immer weiter zu.

Verliert seine Mannschaft auch das fünfte Spiel in Folge, ist für ihn mit großer Wahrscheinlichkeit sogar Abpfiff in Bremen. Inmitten der sportlichen Krise hat sich der 37-Jährige entschlossen, in die Offensive zu gehen. Zunächst stellte er sich gestern in einer Medienrunde den Fragen der Journalisten, ehe er im Anschluss den Reportern der Kreiszeitung noch zusätzlich Rede und Antwort stand. „Ich will mich nicht verstecken. Wenn ich von meiner Mannschaft fordere, mutig zu sein, dann muss ich diesen Mut auch vorleben“, sagte Nouri. Der Trainer sprach danach unter anderem von der Überzeugung in die eigene Arbeit, über die nicht vorhandene Angst vor einem Rauswurf sowie über sein Verhältnis zu Sportchef Frank Baumann.

Die öffentliche Kritik

Beim Blick auf die nackten Ergebnisse ist Alexander Nouri selbst unzufrieden, das ist auch kein großes Wunder. Er hat allerdings eine ziemlich exklusive Sicht auf deren Einordnung: „Dass wir uns daran messen lassen müssen, ist Fakt. Aber daraus jetzt eine komplette Talfahrt zu konstruieren, finde ich falsch“, sagt der Werder-Trainer. Gleichwohl weiß er um die Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts: „Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ich alle Zeit der Welt habe, um Punkte zu holen. Es ist völlig klar, dass jetzt eine Diskussion aufkommt.“ Ob er sich dabei von den Medien gerecht behandelt fühlt? Nouri antwortet mit einer Gegenfrage: „Kann man das erwarten? Wenn ich nach Gerechtigkeit streben würde, dann wäre ich Richter oder Anwalt geworden.“

Die Zukunft

Es gilt als nahezu sicher: Verliert Werder in Mainz, dann ist Nouri seinen Job los. Dass sich der Club die sportliche Misere noch eine Woche länger tatenlos mit ansieht und die Füße stillhält, während die Mannschaft der Zweiten Liga entgegentaumelt, ist kaum vorstellbar. Ein Ultimatum habe er vor dem Mainz-Spiel aber nicht erhalten. „Nein, so etwas kenne ich nicht“, versichert der Trainer und beteuert: „Ich fürchte nicht um meinen Job.“

Das Labbadia-Gerücht

Ein Name fällt in den vergangenen Tagen immer wieder, wenn es um einen möglichen Nachfolger für Alexander Nouri auf Werders Trainerbank geht: Bruno Labbadia, als Spieler von 1996 bis 1998 selbst an der Weser aktiv. Auch Nouri bekommt natürlich mit, dass öffentlich längst über seine Ablösung diskutiert wird, will sich damit aber nicht beschäftigen. „Das interessiert mich überhaupt nicht. Das sind Schlagzeilen, keine Fakten“, sagt er – und betont: „Fakt ist, dass ich mich mit der Mannschaft auf Mainz fokussiere.“ Die Arbeit mit dem Team fülle ihn voll aus: „Ich bin sehr gerne Trainer.“

Der Sportchef

Sportchef Frank Baumann ist am Ende der Mann, der die Entscheidung trifft, der Nouri weitermachen lässt oder ihn feuert. Da ist es klar, dass der Werder-Trainer in diesen Tagen darum bemüht ist, das gute Verhältnis zu seinem Chef zu betonen: „Wir stehen in einem offenen Austausch. Das Vertrauen ist riesengroß.“ Damit, dass Baumann die Mannschaft nach dem Gladbach-Spiel öffentlich angezählt, ja sogar ihren Einsatzwillen in Frage gestellt hat, scheint Nouri jedoch nicht glücklich zu sein. „Er hat natürlich das Recht, sich zu äußern“, sagt der Coach, „ich kann aber nur sagen, dass ich das Gefühl habe, dass in der Mannschaft sehr selbstkritisch mit der Situation umgegangen wird“. Und er hat das Gefühl, „dass wir als Kollektiv die Wende schaffen werden“.

Die Entwicklung

Es sind einige Zahlen, die der Werder-Trainer anführt, um zu untermauern, dass er die Mannschaft in seinen Augen vorangebracht hat. „Wir haben vom ersten bis zum zehnten Spieltag 27 Gegentore bekommen und vom elften bis zum 20. nur noch 15. Da ist eine Entwicklung zu sehen“, sagt Nouri. Auch wenn diese konkreten Zahlen stimmen – Punkte hat Werder das nur völlig unzureichend beschert.

Beharrlich behauptet der Coach dennoch: „Unsere Spielprinzipien und Verhaltensweisen funktionieren. Wir verteidigen schon deutlich besser und lassen weniger zu. Insgesamt fand ich, dass wir vor der Rückrunde und auch in den ersten drei Spielen nach der Winterpause gute Leistungen abgerufen haben. Gegen Gladbach war es dann in der Summe zu wenig, keine Frage.“

Die Spielidee

„Ich bin nach wie vor mit allem, was ich habe, davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, unterstreicht der Werder-Trainer und meint damit explizit seine Spielidee, seine Philosophie vom Fußball. Nouri ist ein Freund des hohen Pressings, lässt zudem gerne mit einer Dreierkette in der Abwehr spielen, kehrt aber hin und wieder – wie zuletzt beim 0:1 gegen Gladbach – zur Viererkette zurück. Auch in den anderen Mannschaftsteilen gibt es keine fixe Formation, mal spielt Werder mit zwei Sechsern, mal mit einem, mal mit zwei richtigen Stürmern, mal mit gar keinem. So etwas kann eine Mannschaft verunsichern, was Nouri allerdings nicht so sieht: „In meinen Augen ist es eine Stärke, wenn eine Mannschaft mehrere Grundordnungen spielen kann.“

Die Verunsicherung

Werders Ergebnisse waren zuletzt alles andere als förderlich für das Selbstvertrauen der Spieler, das räumt auch Alexander Nouri ein. „Man spürt schon eine gewisse Verunsicherung“, berichtet er – und erklärt: „Die Ergebnisse waren nicht hilfreich, um mit breiter Brust aufzulaufen.“ Die sportlichen Rückschläge hätten durchaus Spuren hinterlassen. „Es geht nun darum, sich in der Trainingswoche vor dem Mainz-Spiel das gute Gefühl wieder zu erarbeiten.“

Die Ansprache

Nouri ist ein Trainer, der als Kumpeltyp gilt, eher den Dialog mit seinen Spielern sucht, nicht wie ein Alleinherrscher auftritt. Auch in der Krise will er daran nichts ändern. „Für mich definiert sich Autorität nicht dadurch, dass ich rumbrülle. Für mich ist das eine Frage von Argumenten. Rumbrüllen hat für mich keinen Mehrwert“, sagt er.

Quelle: kreiszeitung.de

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