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Ankunft in Wiesbaden am frühen Donnerstagabend. Werder-Coach Alexander Nouri will im Kurztrainingslager vor dem Spiel in Mainz vor allem viele Gespräche mit seinen gefrusteten und verunsicherten Spielern führen.

Entschlossen ins Endspiel

Nouri: „Wir müssen es jetzt erzwingen“

Bremen - Von Daniel Cottäus. 21. Spieltag, auswärts bei Mainz 05: Im Grunde klingt das, was Werder Bremen am Samstag ab 15.30 Uhr bevorsteht, nach ganz normalem Bundesliga-Alltagsgeschäft. Business as usual, sozusagen. Für Werder ist es allerdings deutlich mehr.

Nach vier Pleiten in Serie steht die Mannschaft tief im Tabellenkeller und damit enorm unter Druck. Für den Club besteht die Gefahr, schon früh in der Rückrunde den Anschluss ans rettende Ufer zu verlieren, eine weitere Niederlage dürfte Trainer Alexander Nouri deshalb den Job kosten. Zwar vermeiden sie es bei Werder bewusst, von einem Endspiel zu sprechen. Das ist aber auch schon alles. Am Auftreten der Protagonisten war Donnerstag deutlich abzulesen, das es genau das ist.

Es wirkte fast so, als hätte er es extra gemacht, als wäre die Reaktion der umstehenden Mitspieler das Ziel seiner Aktion gewesen. Werders letztes Training vor der Abreise nach Mainz hatte gerade erst begonnen, da narrte Thomas Delaney seinen Teamkollegen Serge Gnabry mit einem formvollendeten Beinschuss – und sorgte damit umgehend für lautes Gejohle um sich herum. Eine kleine Episode nur, das schon. Aber dennoch ungeheuer wichtig. Die Lage ist schließlich ernst genug, etwas Auflockerung kann da nicht schaden.

Knapp zwei Stunden zuvor hatte Delaney während der Pressekonferenz noch über die bevorstehende Aufgabe in Mainz gesprochen – und dabei war dem ansonsten stets lockeren Dänen anzumerken gewesen, dass es eben kein gewöhnliches Spiel für ihn und Werder wird. „In dieser Situation ist es wichtig, ein Team zu sein. Wir müssen zusammenstehen“, betonte Delaney. Der Weg sei schließlich noch sehr weit.

Kurztrainingslager in Wiesbaden

Dass Mainz eine besondere Bedeutung für diesen Weg zukommt, hat Werder nicht zuletzt durch die Entscheidung hervorgehoben, schon einen Tag eher als sonst in Richtung Spielort aufzubrechen. Nach dem Training am Donnerstag ging es zum Flughafen und von dort ab nach Frankfurt. Um 19 Uhr kam das Team schließlich am Hotel in Wiesbaden an. „Wir wollen die Zeit nutzen, um im Detail nochmal einige Dinge mit den Spielern zu besprechen“, erklärte Trainer Nouri den Sinn des Kurztrainingslagers.

Normalerweise suchen kriselnde Bundesligisten erst kurz vor dem Saisonendspurt die Abgeschiedenheit, brechen erst dann mit gewohnten Mustern. Dass Werder es schon vor dem 21. Spieltag macht, verdeutlicht, dass der Verein fürchtet, im Endspurt schon gar nichts mehr ausrichten zu können, wenn sich nicht schon bald etwas tut. „Wir müssen es jetzt erzwingen“, betonte Nouri, der sein Debüt als Werder-Coach im Hinspiel gegen Mainz (1:2) gegeben hatte – inklusive Verweis auf die Tribüne. Seitdem habe er viel dazu gelernt. Er weiß: Um im Rückspiel einen Erfolg feiern zu können, gehört es auch dazu, „dass man mal unangenehm für den Gegner ist“.

„Wer Perfektion sehen will, muss in den chinesischen Staatszirkus gehen“

Genau das war Werder zuletzt abgesprochen worden: der letzte Kampf, der letzte Einsatz. Sportchef Frank Baumann hatte die Mannschaft als „zu nett“ bezeichnet und erneuerte am Donnerstag seine Forderung nach mehr „Engagement, Leidenschaft und Cleverness“. Anders, so unterstrich es der 41-Jährige, komme Werder aus seiner misslichen Lage nicht raus. Großartiges Selbstvertrauen, das freilich hilfreich wäre, um dieser Forderung nachzukommen, dürften die Spieler nach den jüngsten Ergebnissen jedoch nicht haben.

Nouri räumte offen ein: „Natürlich ist es auch Kopfsache. Wir haben ansprechende Leistungen gebracht und nichts geholt. Dass einen das frustiert, ist nur menschlich.“ Er und seine Spieler seien schließlich „keine Roboter“, betonte der Trainer und wählte dann einen ziemlich ungewöhnlichen Vergleich: „Wer Perfektion sehen will, muss in den chinesischen Staatszirkus gehen.“ Nun, Perfektion ist mit Sicherheit nicht das, was momentan von Werder verlangt wird. Mal wieder ein Sieg, das würde fürs Erste schon reichen.

Quelle: kreiszeitung.de

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