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Werder Bremen holen auch gegen Borussia Dortmund alte Probleme ein. Trainer Florian Kohfeldt war die Verzweiflung immer wieder anzusehen.

0:2-Niederlage gegen den BVB

Taktik-Analyse: Jede Woche grüßt das Murmeltier - Werder mit alten Problemen

Eine kompakte Defensivleistung. Ein Standard, der Werder Bremen in Rückstand bringt. Ein fehlendes Aufbäumen nach dem 0:1. Die 0:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund spielte sich praktisch genauso ab wie das 0:3 gegen Leipzig vor einer Woche, findet unser Taktikanalyst Tobias Escher.

„Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht“, sagte Sepp Herberger einst. Bei Werder Bremen gilt das Zitat dieser Tage nicht. Eher müsste es heißen: Die Leute gehen ins Stadion, obwohl sie wissen, wie es ausgeht. Werder Bremens 0:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund ähnelte frappierend den vergangenen Auftritten der Bremer Mannschaft. Werder-Coach Florian Kohfeldt gelingt es derzeit nicht, die Schwächen seines Teams abzustellen.

Werder Bremen: Kompaktes 5-2-3-System

Kohfeldt setzt auf dieselbe taktische Variante, die bereits erfolgreich beim 3:2-Pokalsieg gegen den BVB zum Einsatz kam. Bremen lief in einer 5-2-3-Formation auf. Die beiden Außenstürmer agierten dabei recht weit in der Mitte. Im Zentrum bauten die Bremer ein enges Fünfeck auf; vor der Doppelsechs agierte eine enge Dreierreihe.

In den ersten Minuten preschten die Bremer aus dieser Anordnung nach vorne. Sie gingen gegen Dortmund zum Pressing über. Später zogen sich die Bremer häufiger in eine kompakte Ordnung zurück.

Wie bereits im Pokalspiel funktionierte Bremens Spielidee gegen den Ball: Die Dortmunder kamen nicht in das von Bremen gesicherte Mittelfeld-Zentrum. Stattdessen mussten sie das Spiel über die Flügel aufbauen. Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro wurden nach hinten gezwungen, was ihren Stärken als offensive Antreiber entgegenlief. Die Dortmunder Stürmer wiederum nahm die Bremer Fünferkette über eine enge Deckung aus dem Spiel.

Die Grafik zeigt Bremens Fünfeck im Zentrum. Diese Strategie wandten sie bereits erfolgreich im Pokalspiel an: Sie isolierten Dortmunds Zentrum in einem dichten Fünfeck.

Defensiv standen die Bremer in der ersten Halbzeit kompakt und solide. Das war freilich nichts Neues: Im Jahr 2020 blieb Bremen in sechs von sieben Pflichtspielen vor der Pause ohne Gegentreffer. Auch beim 0:3 gegen Leipzig ließen sie aus dem Spiel keine Chancen zu. Bremen beherrscht das kompakte Verteidigen im Raum.

Borussia Dortmund gegen Werder Bremen passiver als im Pokal

Ebenso deutlich traten die Schwächen der vergangenen Partien erneut auf. Werder gelang es nicht, die kompakte Defensive mit schnellen Kontern zu würzen. Das lag nicht zuletzt an den Gästen aus Dortmund: Diese traten wesentlich passiver auf als im Pokalduell. In den ersten Minuten überließen sie sogar gänzlich den Bremern das Spiel.

Diese Passivität zeigte sich besonders auf drei Positionen: Wie bereits erwähnt agierten die beiden Außenverteidiger tiefer als im Pokal-Duell. Zudem hielt sich Emre Can als Sechser stark zurück. Mit seinen Grätschen fing er mehrere Konter ab.

Bremens Strategie, den schnellen Milot Rashica in Laufduelle mit Lukas Piszczek zu schicken, ging selten bis nie auf. Can bot vor der Abwehr die nötige Absicherung, sodass die Pässe meist gar nicht zu Rashica kamen. Stürmer Davie Selke wiederum war bemüht, eine Anspielstation in der vordersten Linie zu schaffen. BVB-Verteidiger Mats Hummels gewann jedoch die Mehrzahl der Duelle mit Selke.

Werder Bremen mit kleinen Unaufmerksamkeiten

Die Defensivreihen standen kompakt, auf beiden Seiten gab es kaum Chancen. Zur Pause stand es entsprechend 0:0. Auch nach dem Pausenpfiff änderte sich nichts an der grundlegenden Ausrichtung beider Teams. Werder Bremen lauerte weiter im 5-2-3 auf Konter. Die Dortmunder Außenverteidiger agierten nun etwas höher, um mehr Präsenz in der Offensive zu zeigen.

Wie bereits gegen RB Leipzig war es aber nicht Bremens Defensivleistung, welche die Niederlage einläutete. Es war ein schwach verteidigter Standard, der Bremen auf die Verliererstraße brachte. Diesmal setzte Werder auf eine Manndeckung. Das ging prompt nach hinten los, nachdem sich Davie Selke im direkten Duell nicht gegen Dan-Axel Zagadou durchsetzen konnte (52.).

Das Gegentor beendete praktisch die Partie. Auch dieses Muster kennen Bremer Fans mittlerweile zu gut: Die Offensivbemühungen der Mannschaft sind schlicht zu harmlos. Yuya Osako versuchte, Präsenz im Zehnerraum zu zeigen, verlor aber jeden Ball. Can dominierte diesen Raum eindrucksvoll. Das durch den Rückstand notwendige Vorrücken der Bremer Außenverteidiger nutzte der BVB wiederum für schnelle Konter.

Werder Bremen: Täglich grüßt das Murmeltier

Auch Kohfeldt konnte von der Bank keine Akzente mehr setzen. Sein später Wechsel auf eine Art 4-3-3 machte sich nicht bezahlt. Die Dortmunder interpretierten ihr 3-4-3 nun defensiver, sie ließen Ball und Gegner laufen.

Somit verkam die Partie zu einer Art Murmeltiertag. Es war praktisch eine Parallele zum Leipzig-Spiel vergangene Woche: Erst verteidigte Bremen gut, nur um durch ein Gegentor nach einem Standard in Rückstand zu geraten. Danach fehlte der spielerische Mut sowie eine klare Strategie, wie die körperlich überlegene Dortmunder Abwehr geknackt werden könnte. Nichts Neues also im Bremer Weserstadion.

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