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Nach 54 Minuten betrat Claudio Pizarro den Rasen im Kölner Rhein-Energie Stadion, und die Fans brüllten seinen Namen, als sei Lukas Podolski persönlich zurückgekehrt ins Trikot mit dem Geißbock.

Der Altmeister als Kölner Soforthelfer

Pizarro: "Ich brauche noch viel mehr Zeit"

Köln. Da war er also wieder! Claudio Pizarro. In Weiß und Rot gekleidet, mit dem Geißbock auf dem Herzen und nicht mehr mit der Werder-Raute feierte die Sturm-Legende am Sonntagabend ein schon nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback in der Bundesliga.

Schon im ersten Spiel nach seiner Verpflichtung durch den 1. FC Köln kam Pizarro zum Einsatz, die 1:2-Niederlage des Tabellenletzten gegen RB Leipzig konnte aber auch er nicht verhindern. Logisch, die Fitness kann nach fast fünf Monaten ohne Wettbewerb schließlich nicht die beste sein. Pizarro über seine körperliche Verfassung: „Ich brauche noch viel mehr Zeit. Das Gute ist, dass ich jetzt zwei Wochen Zeit habe, um mich auf das nächste Spiel vorzubereiten.“

Gegen Leipzig kam Pizarro, der sein bis dato letztes Spiel am 5. Mai für Werder und gegen den 1. FC Köln bestritten hatte, nach 54 Minuten für den verletzten Jhon Cordoba ins Spiel. Es war der Startschuss für seine wohl letzte Etappe in der Bundesliga. Nach der Saison soll definitiv Schluss sein für den Mann, der für Werder in 271 Pflichtspielen 144 Tore erzielt hatte.

Publikum hat Pizarro bereits ins kölsche Herz geschlossen

Dass er nach seinem Aus in Bremen überhaupt nochmal in der Bundesliga auf Torejagd gehen würde, hätte an der Weser wohl kaum jemand geglaubt, als ihm im Sommer mitgeteilt wurde, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird. Ständig verletzt war er, Tore hat er auch kaum noch geschossen und am Dienstag wird er auch noch 39 Jahre alt. Zeit abgelaufen? Ja, sagten die Bremer. Nein, sagen die Kölner und klammern sich in ihrer Stürmernot an den Peruaner. „Er wird nicht der alleinige Heilsbringer sein, das erwarte ich auch nicht von ihm“, sagte FC-Trainer Peter Stöger nach Pizarros Debüt im Köln-Trikot: „Aber er könnte der ganzen Gruppe gut tun.“

Der Kölner Soforthelfer blieb noch ohne Wirkung – das Spiel gegen RB Leipzig ging verloren.

Das Publikum hat Pizarro bereits ins kölsche Herz geschlossen und feierte seine Einwechslung ausgiebig. „Als er reinkam, war es so laut, dass ich dachte, wir hätten ein Tor geschossen“, schwärmte Leonardo Bittencourt. Seine Kollegen teilen die Begeisterung für den Peruaner. Verteidiger Dominique Heintz hat Pizarro als „überragenden Typen“ kennengelernt, FC-Kapitän Matthias Lehmann adelte den neuen Kollegen als „Legende“.

Auf Kölns komplizierte Lage als aktueller Tabellenletzter (noch hinter Werder Bremen) blickt Claudio Pizarro gewohnt optimistisch: „Im Fußball gibt es schlechte Phasen, in denen man viel mehr arbeiten muss als normalerweise, bis sich Sachen ändern. Mit der Qualität der Jungs schaffen wir das aber“, sagte er. 

(Von Saskia Gras und Carsten Sander)

Pizarros Karriere in Bildern

Claudio Pizarro
Willkommen in Bremen: Ein junger Claudio Pizarro macht sich im August 1999 für seinen allerersten Bundesliga-Einsatz bereit. © imago/Team 2
Claudio Pizarro
Beim Startelf-Debüt gelingt Pizarro gleich sein erstes Bundesliga-Tor. Kaiserslauterns Andreas Reinke ist machtlos. Innerhalb der nächsten Woche lässt er fünf weitere Treffer folgen und erobert die Fan-Herzen im Sturm. © imago/Jaspersen
Claudio Pizarro
Auch beim „Wunder von der Weser“ gegen Olympique Lyon, als Bremen eine 0:3-Pleite aus dem Hinspiel noch dreht, ist Pizarro beteiligt. Er erzielt den 4:0-Endstand. © imago/Jaspersen
29 Tore erzielte Pizarro in zwei Jahren für Werder. Hier bejubelt er einen Treffer mit Rade Bogdanovic.
29 Tore erzielte Pizarro in zwei Jahren für Werder. Hier bejubelt er einen Treffer mit Rade Bogdanovic. © imago
Claudio Pizarro
Nach zwei Jahren in Bremen folgt Pizarro dem Ruf aus München. Neben Vizepräsident Dr. Fritz Scherer (l.) und Karl-Heinz Rummenigge präsentiert er stolz das Trikot mit der Nummer 14. © imago/ActionPictures
Claudio Pizarro
Für den FC Bayern spielt Pizarro erstmals in der Champions League. Im April 2002 bejubeln Stefan Effenberg und Bixente Lizarazu seinen 2:1-Siegtreffer gegen die „Galaktischen“. Zinedine Zidane schaut enttäuscht zu, im Rückspiel setzt sich Real Madrid aber durch. © imago/WEREK
Claudio Pizarro
Zwei der erfolgreichsten ausländischen Bundesliga-Torschützen beim gemeinsamen Jubel: Claudio Pizarro nimmt Sturmpartner Giovanne Elber Huckepack. Ein Bild, an das sich die Konkurrenz im Oktober 2002 gewöhnen musste. © imago/WEREK
Claudio Pizarro
Mit den Bayern gewinnt Pizarro die ersten Titel. In der Saison 2002/03 werden sie Meister und Pokalsieger. Im Finale trifft „Pizza“ gegen Kaiserslautern und reckt anschließend den Pokal in die Höhe. © imago/Ulmer
Claudio Pizarro
Im Mai 2005 feiert Pizarro erneut das Double. Während er auf dem Münchner Rathausbalkon die Meisterschale präsentiert, verbirgt sich hinter dem DFB-Pokal sein langjähriger Mitspieler Torsten Frings. © imago/ActionPictures
Claudio Pizarro
Ausgebremst: In London wird Pizarro in der Saison 2007/2008 nicht glücklich. Für den FC Chelsea erzielt er nur zwei Tore und kommt über die Rolle des Einwechselspielers nicht hinaus. Nach einer einjährigen Leihe verpflichtet Ex-Klub Werder  den Peruaner 2009 erneut. © imago
Auch auf dem Bremer Rathausbalkon darf Pizarro sich den Pott krallen. Das DFB-Pokal-Finale 2009 gewann Werder Bremen dank Mesut Özil mit 1:0 gegen Bayer Leverkusen. Im UEFA-Cup-Finale hatten sie weniger Glück, verloren gegen Schachtar Donezk mit 1:2 in der Verlängerung.
Auch auf dem Bremer Rathausbalkon darf Pizarro sich den Pott krallen. Das DFB-Pokal-Finale 2009 gewann Werder Bremen dank Mesut Özil mit 1:0 gegen Bayer Leverkusen. Im UEFA-Cup-Finale hatten sie weniger Glück, verloren gegen Schachtar Donezk mit 1:2 in der Verlängerung. © imago
Die Entschlossenheit steht ihm ins Gesicht geschrieben: Pizarro trifft zum 1:0 gegen Twente Enschede und egalisiert damit das Hinspielergebnis in der Europa League. Seine beiden weiteren Tore markieren den Hattrick und bringen Werder in die nächste Runde. Dort scheiden sie trotz seiner drei Scorerpunkte gegen Valencia aus. (Februar 2010)
Die Entschlossenheit steht ihm ins Gesicht geschrieben: Pizarro trifft zum 1:0 gegen Twente Enschede und egalisiert damit das Hinspielergebnis in der Europa League. Seine beiden weiteren Tore markieren den Hattrick und bringen Werder in die nächste Runde. Dort scheiden sie trotz seiner drei Scorerpunkte gegen Valencia aus. (Februar 2010) © imago
Küsschen für die Fans: Auch gegen Köln gelingt Pizarro im November 2011 ein Hattrick. Nachdem er den 2:0-Vorsprung durch Christian Clemens und Lukas Podolski ausgeglichen hatte, erzielt er kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer.
Küsschen für die Fans: Auch gegen Köln gelingt Pizarro im November 2011 ein Hattrick. Nachdem er den 2:0-Vorsprung durch Christian Clemens und Lukas Podolski ausgeglichen hatte, erzielt er kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer. © imago
Der zweite Werder-Abschied: Die Werder-Bosse Klaus Filbry, Klaus Allofs und Klaus-Dieter Fischer (v.l.) verabschieden Pizarro im September 2009 aus Bremen.
Der zweite Werder-Abschied: Die Werder-Bosse Klaus Filbry, Klaus Allofs und Klaus-Dieter Fischer (v.l.) verabschieden Pizarro im September 2009 aus Bremen. © imago
Zwar rückt Pizarro bei seiner erneuten Station in München ins zweite Glied, Glanzpunkte setzt er aber weiterhin. Über einen dürften sich auch Werder-Fans gefreut haben: Beim 9:2-Schützenfest gegen den HSV erzielte „Pizza“ im März 2013 vier Tore und legt zwei weitere auf.
Zwar rückt Pizarro bei seiner erneuten Station in München ins zweite Glied, Glanzpunkte setzt er aber weiterhin. Über einen dürften sich auch Werder-Fans gefreut haben: Beim 9:2-Schützenfest gegen den HSV erzielte „Pizza“ im März 2013 vier Tore und legt zwei weitere auf. © imago
Aber nicht nur gegen den HSV zeigte er seine Klasse. Beim 5:2-Erfolg gegen Werder Bremen im April 2014 macht Pizarro zwei Tore selbst und bereitet eins vor.
Aber nicht nur gegen den HSV zeigte er seine Klasse. Beim 5:2-Erfolg gegen Werder Bremen im April 2014 macht Pizarro zwei Tore selbst und bereitet eins vor. © imago
Abschied mit einem Titel. 2015 war Pizarro kaum noch zum Einsatz gekommen.
Abschied mit einem Titel. 2015 war Pizarro kaum noch zum Einsatz gekommen. © imago
Claudio Pizarro
Weniger Glück hatte Pizarro im Trikot der peruanischen Nationalmannschaft. Für eine WM spielte er bisher nie. Bei der Copa America war der größte Erfolg die Teilnahme am Halbfinale 2015. Dort war gegen Chile Schluss. © imago/Fotoarena
Ankunft in Bremen im September 2015: Als Pizarro am Münchner Flughaften gesichtet wird, verbreiten sich die Bilder im Netz wie ein Lauffeuer. Als er in Bremen landet, erwarten ihn dort bereits zahlreiche Werder-Fans sowie Pressevertreter. Was für eine Rückkehr!
Ankunft in Bremen im September 2015: Als Pizarro am Münchner Flughaften gesichtet wird, verbreiten sich die Bilder im Netz wie ein Lauffeuer. Als er in Bremen landet, erwarten ihn dort bereits zahlreiche Werder-Fans sowie Pressevertreter. Was für eine Rückkehr! © imago
Wenig später ist es so weit: Gegen Hoffenheim feiert Pizarro die nächste Werder-Rückkehr. Der Einstand gelingt, mit einer Torvorlage in der Nachspielzeit bringt er Werder auf die Siegerstraße.
Wenig später ist es so weit: Gegen Hoffenheim feiert Pizarro die nächste Werder-Rückkehr. Der Einstand gelingt, mit einer Torvorlage in der Nachspielzeit bringt er Werder auf die Siegerstraße. © imago
Der Torhunger ist noch längst nicht gestillt. Im Spiel gegen Hertha trifft Pizarro per Elfmeter zum Anschluss und hat es danach ganz eilig. Sein Wille wird belohnt, wenig später stibitzt der Peruaner Santiago Garcia den Ausgleichstreffer. Er hatte den Ball noch mit den Haarspitzen gestreift.
Der Torhunger ist noch längst nicht gestillt. Im Spiel gegen Hertha trifft Pizarro per Elfmeter zum Anschluss und hat es danach ganz eilig. Sein Wille wird belohnt, wenig später stibitzt der Peruaner Santiago Garcia den Ausgleichstreffer. Er hatte den Ball noch mit den Haarspitzen gestreift. © imago
Pizarro hat immer noch den richtigen Torriecher und schenkt den Leverkusenern beim 4:1-Sieg drei Tore ein. 
Pizarro hat immer noch den richtigen Torriecher und schenkt den Leverkusenern beim 4:1-Sieg drei Tore ein.  © imago
Mitte März 2016 zieht Pizarro mit Marco Bode als Werders Rekordtorschütze gleich. Pizarro erzielte gegen Mainz 05 (1:1) seinen 101. Treffer im Werder-Trikot.
Mitte März 2016 zieht Pizarro mit Marco Bode als Werders Rekordtorschütze gleich. Pizarro erzielte gegen Mainz 05 (1:1) seinen 101. Treffer im Werder-Trikot. © imago
Rund vier Wochen später schoss er sich dann im Spiel gegen den VfL Wolfsburg (3:2) zum alleinigen Rekordtorschützen bei Werder.
Rund vier Wochen später schoss er sich dann im Spiel gegen den VfL Wolfsburg (3:2) zum alleinigen Rekordtorschützen bei Werder. © imago
Pizarro bejubelt mit Mannschaftskollege Santiago Garcia seinen 102. Treffer im Bremer Trikot.
Pizarro bejubelt mit Mannschaftskollege Santiago Garcia seinen 102. Treffer im Bremer Trikot. © imago
Der Peruaner brauchte für seinen Rekord gerade einmal 183 Spiele und somit 196 Partien weniger als der ehemalige deutsche Nationalstürmer Bode.
Der Peruaner brauchte für seinen Rekord gerade einmal 183 Spiele und somit 196 Partien weniger als der ehemalige deutsche Nationalstürmer Bode. © gumzmedia
Am 32. Spieltag der Saison 2016/17 lief Pizarro zum vorerst letzten Mal für Werder auf. Der Vertrag des Stürmer-Oldies wurde über die Zeit hinaus nicht verlängert.
Am 32. Spieltag der Saison 2016/17 lief Pizarro zum vorerst letzten Mal für Werder auf. Der Vertrag des Stürmer-Oldies wurde über die Zeit hinaus nicht verlängert. © imago
In der Saison 2017/2018 ging Claudio Pizarro noch einmal für den 1. FC Köln auf Torejagd. Sein einziges Tor für den neuen Club schoss er gegen den VfB Stuttgart.
In der Saison 2017/2018 ging Claudio Pizarro noch einmal für den 1. FC Köln auf Torejagd. Sein einziges Tor für den neuen Club schoss er gegen den VfB Stuttgart. © imago
Kaum zu glauben, aber wahr: Pizarro kam im  Sommer 2018 nochmal zum SV Werder zurück und unterschrieb für ein Jahr.
Kaum zu glauben, aber wahr: Pizarro kam im  Sommer 2018 nochmal zum SV Werder zurück und unterschrieb für ein Jahr. © gumzmedia
Sein Comeback gab Pizarro am ersten Spieltag gegen Hannover 96.
Sein Comeback gab Pizarro am ersten Spieltag gegen Hannover 96. © gumzmedia
Von wegen eingerostet! Claudio Pizarro zeigt auch im hohen Alter noch seinen sportlichen Mehrwert für Werder. Nur zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag bereitete er den Siegtreffer des halb so alten Johannes Eggestein sehenswert vor.
Von wegen eingerostet! Claudio Pizarro zeigt auch im hohen Alter noch seinen sportlichen Mehrwert für Werder. Nur zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag bereitete er den Siegtreffer des halb so alten Johannes Eggestein sehenswert vor. © gumzmedia
Im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen trifft Pizarro erstmals in dieser Saison für Werder. Unter der Woche knipste er dann im DFB-Pokal gegen Weiche Flensburg und am folgenden Wochenende erzielte er sein zweites Saisontor im Spiel gegen Mainz 05. Nun ist er der älteste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der zwei Tore mit über 40 Jahren schoss.
Im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen trifft Pizarro erstmals in dieser Saison für Werder. Unter der Woche knipste er dann im DFB-Pokal gegen Weiche Flensburg und am folgenden Wochenende erzielte er sein zweites Saisontor im Spiel gegen Mainz 05. Nun ist er der älteste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der zwei Tore mit über 40 Jahren schoss. © imago
Ganz besondere Ehre für den Altmeister: Am 16. November 2018 wird Claudio Pizarro der „Bambi“ in der Kategorie Sport verliehen.
Ganz besondere Ehre für den Altmeister: Am 16. November 2018 wird Claudio Pizarro der „Bambi“ in der Kategorie Sport verliehen. © Eventpress Fuhr für Hubert Burda Media
Mit einem Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen Hertha BSC wurde Claudio Pizarro mit 40 Jahren und 136 Tagen ältester Torschütze der Bundesliga-Geschichte.
Mit einem Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen Hertha BSC wurde Claudio Pizarro mit 40 Jahren und 136 Tagen ältester Torschütze der Bundesliga-Geschichte. © gumzmedia

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