Amos Pieper, Neuzugang des SV Werder Bremen, spricht im DeichStube-Interview unter anderem über sein abgebrochenes Studium, den Kampf um einen Stammplatz und die Bedeutung seines Vornamens!
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Amos Pieper, Neuzugang des SV Werder Bremen, spricht im DeichStube-Interview unter anderem über sein abgebrochenes Studium, den Kampf um einen Stammplatz und die Bedeutung seines Vornamens!

Werder-Verteidiger im Interview

„Selbstzweifel habe ich eigentlich nie“: Werders Amos Pieper über Chancen, ein missglücktes Studium und seinen Vornamen

Zell am Ziller/Bremen – Schnell wirft Amos Pieper noch einen Blick auf sein Smartphone, die aktuellsten Ergebnisse aus Wimbledon will er sich dann doch nicht entgehen lassen. Überhaupt ist der Innenverteidiger des SV Werder Bremen ein echter Ballsport-Narr, probiert auch selbst gern Neues aus. Da passt der jüngste Vereinswechsel des 24-Jährigen perfekt ins Bild, in Bremen begibt er sich nun ebenfalls auf Neuland. Im DeichStube-Interview erzählt Pieper unter anderem, wie er den Konkurrenzkampf in der Werder-Abwehr erlebt. 

Wie sieht für Sie der perfekte Sommer aus?

Erst eine erfolgreiche Saison abschließen, dann ab in den Urlaub und viel Zeit mit den Liebsten verbringen. Danach geht’s eigentlich auch schon wieder in die Vorbereitung, um möglichst fit und gesund in die Saison zu starten.

Wie war das zuletzt mit der Zeit? Sie haben im vergangenen Jahr erst mit der deutschen U 21 den EM-Titel geholt, dann an den Olympischen Spielen teilgenommen. Und in diesem Sommer gab es den Wechsel zu Werder. Wo bleibt da die Erholung?

Die ist schon da. Auch wenn es nicht so wirkt: Ich hatte letztes Jahr vier Wochen Urlaub, diesen Sommer waren es sogar fünf. Eigentlich findet sich immer eine Lücke, in der man Freiraum hat.

Werder-Bremen-Neuzugang Amos Pieper im Interview: „Selbstzweifel habe ich eigentlich nie“

Sie sind mit Bielefeld abgestiegen – wie gehen Sie mit Selbstzweifeln um?

Selbstzweifel habe ich eigentlich nie. Das ist eher Selbstkritik. Ich gehe grundsätzlich sehr reflektiert an die Dinge heran und schaue, was ich noch besser machen kann. Da ist es dann auch egal, ob es vorher ein EM-Finale oder ein simples Vorbereitungsspiel war. Manchmal beschäftige ich mich damit vielleicht sogar zu viel, aber insgesamt bin ich damit stets sehr gut gefahren.

Haben Sie trotzdem mit der Bundesliga noch eine Rechnung offen?

Nein, im ersten Jahr in Bielefeld ist ja eigentlich alles sehr gut gelaufen. Es war dort auch so, dass der Verein eher die Erwartungen gedämpft und nicht das Ziel ausgegeben hat, dass wir unbedingt die Klasse halten müssen.

Spüren Sie in Bremen eine andere Verantwortung beim Thema Klassenerhalt?

Auf gar keinen Fall will ich absteigen, das wollte ich allerdings auch in Bielefeld nicht. Ich habe im vergangenen Jahr vor allem gelernt, dass man sich von den großen Zielen vielleicht ein wenig lösen sollte. Man sollte sich stattdessen auf die tagtägliche Arbeit konzentrieren und im Training und in den Spielen alles dafür tun, um den maximalen Erfolg zu haben.

Ist es für Sie als Neuzugang schwierig, in eine funktionierende, erfolgreiche Mannschaft hineinzukommen?

Es wurde mir einfach gemacht. Die Jungs sind sehr locker, sehr hilfsbereit auf und neben dem Platz. Es ist so eine gute Truppe, dass ich mich da schnell integrieren kann und bisher auch konnte. Das passt auch zur Frage davor. Man merkt hier wie damals in meinem ersten Bundesligajahr in Bielefeld, dass eine große Euphorie vorhanden ist, weil etwas sehr Großes, Außergewöhnliches geschafft wurde. Insofern haben wir eine gute Basis, aber am Ende können wir uns davon auch nichts kaufen.

Marco Friedl hat kürzlich verlängert, Ihr vermutlich direkter Konkurrent Milos Veljkovic auf der rechten Seite der Abwehrkette zuvor auch schon. Und Niklas Stark ist ebenfalls da. Wie schätzen Sie Ihre Situation in der Defensive ein?

Es ist für mich schwierig zu sagen, wer der direkte Konkurrent ist, weil wir bislang immer in unterschiedlichen Konstellationen trainiert haben und Milos auch in der Mitte spielen kann – ich theoretisch auch. Darüber zu sprechen, wie es dann letztlich aussehen wird, dafür ist es noch ein bisschen zu früh. In der momentanen Phase helfen wir uns auch eher untereinander und stacheln uns zu Höchstleistungen an, damit das Niveau hoch bleibt. Und am Ende werden – so wie es aktuell aussieht – die Drei spielen, die es am besten während der Vorbereitung gemacht haben.

Werder-Bremen-Verteidiger Amos Pieper über den Kampf um einen Stammplatz: „Am Ende werden die Drei spielen, die es während der Vorbereitung am besten gemacht haben“

Wie enttäuscht wären Sie, wenn Sie die Nummer vier werden sollten?

Natürlich will jeder spielen, da würde ich sehr enttäuscht sein.

Ist das ein Thema, dass sie stets im Kopf haben – gerade weil sie neu sind? Marco Friedl und Milos Veljkovic könnten beim Trainer schließlich einen Vorteil haben, weil sie schon vorher bei Werder Bremen in der Bundesliga und zuletzt in der Aufstiegssaison dabei waren.

Solange man das nicht so häufig gefragt wird eher nicht (lacht). Je näher der Saisonstart rückt, desto mehr beschäftigt man sich natürlich damit, ob man spielt oder nicht – weil der Trainer dann ja auch allmählich eine Entscheidung fällen muss. Aber selbst wenn es mal nicht so sein sollte, dass ich spiele, dann kann ich ja immer noch alles dafür tun, dass sich das wieder ändert.

In Ihrer Karriere ging es stetig bergauf. Sie haben mit den A-Junioren von Borussia Dortmund 2016 und 2017 den deutschen Meistertitel geholt, später folgten die erwähnten Turnierteilnahmen für Deutschland. Wie häufig haben Sie sich selbst überrascht?

Wenn man in solch einer Saison oder großen Turnieren drin ist, bekommt man das gar nicht so mit. Dass es aber so schnell gehen kann, hat mich im Nachhinein schon hier und da überrascht. Es kam jetzt aber auch nicht unerwartet, weil ich eigentlich immer alles dafür tue, mich schnell zu integrieren und viel zu lernen – gerade in Situationen, in denen es vielleicht mal nicht so gut läuft. Es ging auch nicht in meiner ganzen Jugendzeit steil bergauf, das waren eher so die letzten zwei, drei Jahre. Die Erfahrungen von damals, als ich noch 15 oder 16 Jahre alt war, werden mir noch meine ganze Laufbahn über dabei helfen, auch mal mit kleineren Rückschlägen umzugehen und nicht alles zu überdramatisieren.

Also auch nicht einen Abstieg wie in der Vorsaison…

Natürlich ist das jedem Spieler und Mitarbeiter nahegegangen, jeder hat sich hinterfragt. Auch mich hat das sehr beschäftigt. Es war dieses Mal ein anderer Sommer als der zuvor. Da war alles erfolgreich, es gab den Klassenerhalt und den U 21-EM-Titel – ich habe damals im Urlaub gesessen und mir gesagt, dass es cooler ja gar nicht sein kann. Dieses Mal habe ich früh den Fokus darauf gelegt, möglichst fit in die neue Saison zu gehen, um auch Sachen, die vielleicht nicht so gut funktioniert haben, gleich ausbessern zu können.

Werder-Bremen-Neuzugang Amos Pieper im Interview: „Wenn wir arbeiten, arbeiten wir richtig“

Ole Werner setzt derzeit auf eine hohe Intensität, Sie und Ihre Kollegen sehen häufig ziemlich geschafft aus. Ist das die härteste Vorbereitung, die Sie bislang erlebt haben?

Es ist mit knapp sieben Wochen auf jeden Fall die längste. Mal schauen, was noch kommt (lacht). Bisher ist es schon knackig. Wenn wir arbeiten, arbeiten wir richtig. Aber es gibt auch immer genug Zeit zum Regenerieren. Das ist eine gute Mischung.

Wie schalten Sie ab, wenn Sie mal eine Auszeit brauchen?

Indem ich Freunde und meine Familie treffe, einfach mal über andere Sachen spreche. Gern probiere ich auch andere Ballsportarten aus. Im Urlaub habe ich jetzt beispielsweise ein, zwei Mal Paddle-Tennis gespielt.

Stimmt es, dass Sie ein ganz passabler Golfspieler sind?

(lacht) Da müsste man jetzt meine Kumpels fragen.

Was macht denn das Handicap?

Das habe ich tatsächlich noch gar nicht verbessert. Wir hatten uns das für diesen Sommer eigentlich fest vorgenommen, doch dann hat es zeitlich leider nie mit einem Anfängerturnier gepasst. Der Vereinswechsel und die Vorbereitung standen in der Prioritätenliste dann doch ganz oben. Ich habe während der Corona-Zeit mit dem Golfen begonnen, weil es eine Sportart war, die man immer ausführen konnte. Außerdem kann man auch dort Zeit mit Freunden verbringen und mal auf andere Gedanken kommen. Aber leider ist das Handicap aktuell noch immer bei -54.

Wir haben gehört, dass Sie ein ganz gutes Gedächtnis haben sollen, was Ihre eigenen Spiele angeht. Wie ist denn Ihre Bilanz gegen Werder?

Ja, wir haben beide Spiele verloren. Ich weiß auch noch, dass ich mich tierisch aufgeregt habe. Beim ersten Spiel gab es kurz vor Schluss eine Szene, in der wir das vermeintliche 1:1 machen, dann aber ein Foul gepfiffen wurde. Da wir eigentlich auch ein gutes Spiel gemacht haben, wäre ein Unentschieden gerecht gewesen. Beim Rückspiel in Bielefeld habe ich mich dann tierisch aufgeregt, weil wir, so meine ich, 25 Torschüsse gehabt haben. Das hatte es so bei uns noch nicht gegeben. Trotzdem standen da null Tore und eine 0:2-Niederlage. Das war schon bitter zu schlucken.

Werder-Bremen-Neuzugang Amos Pieper hat ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie abgebrochen

Der Kopf scheint in Ihrem Leben generell eine wichtige Rolle zu spielen: Sie haben kurz vor der Pandemie ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie begonnen. Wie läuft es damit?

Das habe ich abgebrochen (lacht).

Warum das?

Ich habe ehrlicherweise zu wenig dafür getan. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben und eine Prüfungsaufgabe eingereicht. Dann habe ich mich noch auf eine Klausur vorbereitet, weil ich das schon noch ausprobieren wollte, bevor ich das Studium möglicherweise abbreche. Da war etwas mehr als ein Jahr rum. Dann kam die Pandemie, es gab lange keine Lösungen für Klausuren. Da wurde mir bewusst, dass, wenn ich in dem Tempo weitermache, es noch ewig dauern würde. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich mich auf Dauer in dem Bereich dann doch nicht gesehen habe.

Einen Plan B gibt es also derzeit nicht, wenn – was wir nicht hoffen wollen – es verletzungsbedingt doch mal Probleme mit der Karriere gibt?

Das ist für mich eine Frage, die vor zwei, drei Jahren noch Sinn gemacht hat. Aktuell sehe ich es schon so realistisch, dass ich nun in der Position bin, dass ich die nächsten zehn Jahre mit Fußball mein Geld verdienen kann. Ich habe das Thema weiter im Hinterkopf, aber es wird nie wieder einen schöneren Beruf geben als Fußballprofi.

Zum Abschluss noch ein ganz anderes Thema: Wie oft haben Sie eigentlich Ihren neuen Teamkollegen schon die Bedeutung Ihres Namens erklären müssen?

Den Teamkollegen tatsächlich noch gar nicht so oft. Hier und da hat mich aber jemand schon mal gefragt.

Das begleitet Sie wahrscheinlich aber schon Ihr ganzes Leben, dass jemand sagt, er hat den Namen noch nie gehört, oder?

Amos ist ein Prophet aus der Bibel. „Der von Gott Getragene“ heißt es übersetzt. Ich finde das sehr schön, weil ich auch gläubig bin, meine Familie ebenfalls. Ich habe das in einem alten Interview mal etwas heruntergespielt, gesagt, dass wir nicht so gläubig sind und ich den Namen einfach schön finde. Danach habe ich dann direkt einen Anruf von meiner Mutter bekommen (lacht).

So klein ist das Thema also nicht…

Es ist jetzt auch kein großes Thema. Aber meine Mutter wollte schon noch einmal betonen, dass meine Eltern mir den Namen bewusst gegeben haben und er eine Bedeutung hat. (mbü)

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