Amos Pieper von Werder Bremen träumt von der deutschen Nationalmannschaft und seiner Teilnahme an der Heim-EM 2024.
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Amos Pieper von Werder Bremen träumt von der deutschen Nationalmannschaft und seiner Teilnahme an der Heim-EM 2024.

Medienrunde mit Amos Pieper

„Das wäre großartig“: Werder-Profi Amos Pieper träumt von der Teilnahme an der Heim-EM – und Kopfballtoren

Bremen – Die Frage kommt ein bisschen aus dem Nichts, denn aktuell dürfte wohl kaum jemand Amos Pieper mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung bringen. Da der Profi des SV Werder Bremen im vergangenen Jahr aber nicht nur U21-Europameister geworden ist, sondern für den DFB auch bei den Olympischen Spielen in Tokio auf dem Platz gestanden hat, wird er in einer Medienrunde prompt auf eine mögliche Teilnahme an der Heim-EM 2024 angesprochen.

„Das wäre großartig“, schießt es sofort aus dem 24-Jährigen heraus, die Augen funkeln: „Es spornt natürlich an, dass es eine Heim-EM ist. Aber ich will mich da überhaupt nicht irgendwo reinquatschen. Doch wenn ich mich frage, warum ich das tagtäglich mache, dann ist einer der Gründe: Ich möchte eines Tages für die Nationalmannschaft spielen können. Ob das schon in eineinhalb Jahren der Fall sein wird, das werden wir sehen.“

Innenverteidiger Amos Pieper „happy“ über sein erstes Halbjahr bei Werder Bremen

Typisch Amos Pieper, der Abwehrspieler geht mit einer bemerkenswerten Klarheit so ziemlich jedes Thema an. Selbstbewusst, aber nicht arrogant. Mit Selbstkritik hat er kein Problem. „Ich hänge da bei beiden Toren drin. Ich habe es mir inzwischen oft genug angeschaut“, sagt er zu seinem bis dato letzten Bundesliga-Auftritt bei der 1:2-Heimpleite des SV Werder Bremen gegen RB Leipzig. Das sei ärgerlich gewesen, weil gegen diesen starken Gegner ein Punkt oder sogar mehr möglich gewesen wäre. „In der Bundesliga wird es eben bestraft, wenn du eine Millisekunde nicht aufmerksam genug bist.“ Doch seinen Gesamteindruck von der Saison lässt er sich dadurch nicht verderben: „Trotzdem haben wir gut verteidigt. Ich bin happy, wie es für mich hier gelaufen ist. Ich wollte schnell ein Teil der Mannschaft sein, das ist mir gelungen.“

Ablösefrei war der Innenverteidiger im Sommer von Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld zu Werder Bremen gekommen. An der Weser war die Konkurrenz auf seiner Position nicht ohne. Marco Friedl, Milos Veljkovic und Niklas Stark (ebenfalls ein Neuzugang/Hertha BSC) verfügten alle über jede Menge Bundesliga-Erfahrung und wollten einen der drei Plätze für Innenverteidiger in der Startelf ergattern. Amos Pieper gelang das fast immer, nur einmal saß er auf der Bank, einmal fehlte er gesperrt. Letzteres habe ihn schon „gewurmt“, weil er bereits nach sieben Spieltagen die folgenreichen fünf Gelben Karten gesammelt hatte. „Aber mein Spiel habe ich deshalb nicht umgestellt. Ich bin ja kein unfairer Spieler.“ Was sich danach auch zeigte, zuletzt gab es in sieben Partien nur noch eine Verwarnung.

Amos Pieper erlebt bei Werder Bremen ungekanntes Gemeinschaftsgefühl: „Es ist nie jemand alleine“

Diese positive Entwicklung darf sich gerne fortsetzen, das ist sogar so etwas wie das Credo des Teams. „Wir müssen nicht besser werden, aber wir wollen es“, sagt Amos Pieper mit Blick auf die erste starke Saisonphase mit 21 Punkten aus 15 Spielen. Das ist für einen Aufsteiger sehr ordentlich, genauso wie Rang neun. „Wir haben uns in den einzelnen Mannschaftsteilen Dinge angeschaut, die wir besser machen wollen. Zum Beispiel in der Abwehrkette: Wir haben viele Tore kassiert, bei denen wir eigentlich hinten in Überzahl waren. Es war also noch nicht alles zu 100 Prozent perfekt abgestimmt.“

Daran soll in der durch die WM so ungewöhnlich langen Winterpause gearbeitet werden. Konzentriert und gut gelaunt. Denn Werder Bremen stellt für den 24-Jährigen schon ein Novum dar. „Wir unternehmen auch außerhalb des Platzes relativ viel als Mannschaft. Das habe ich in dieser Häufigkeit noch nicht erlebt. Du kannst immer jemanden fragen, einen Kaffee trinken zu gehen. Es ist nie jemand alleine. Jeder spricht mit jedem. Du hängst nicht immer mit denselben Jungs ab.“ Das habe sehr positive Folgen, betont Amos Pieper: „Wir wissen untereinander viel mehr von uns als nur das Fußballerische. Das ist cool, da fühlt man sich direkt wohl. Das geht hier sehr, sehr schnell.“

Amos Pieper von Werder Bremen will mehr Tore erzielen und träumt von der Nationalmannschaft

Es lebe der Teamgeist! Das habe sicher auch mit dem Aufstieg des SV Werder Bremen und den besonderen Emotionen zu tun. Das schweiße zusammen, genauso wie der gute Saisonstart, so Amos Pieper: „Aber wir haben auch coole Charaktere.“ Er ist einer davon – und scheut als Abwehrspieler nicht davor, von eigenen Toren zu sprechen. Dabei ist ihm in 71 Bundesligaspielen erst ein Treffer gelungen – immerhin bei einem 3:3 mit Bielefeld gegen den großen FC Bayern. Doch das reicht ihm bei Weitem nicht aus: „Ich meine schon, dass ich in der Luft ein gutes Timing habe, um mich durchzusetzen. Aber ich bekomme es nicht so gut umgesetzt, wenn der Ball aufs Tor gehen soll. Wir haben so super Standardschützen, da geht auf jeden Fall viel mehr.“

Amos Pieper grinst, wie er es häufig macht, wenn er einen Satz beendet hat. Da ist einer mit sich im Reinen und fühlt sich auch auf dem Podium eines Medienraums sehr wohl. Selbst auf das frühe WM-Aus hat er eine passende Antwort parat. „Ich fühle gerade als Abwehrspieler mit, wenn schnell die Defensivleistung kritisiert wird. Deutschland hat aber bis auf die 20 Minuten gegen Japan eine sehr gute Leistung gezeigt. Es hat dann ganz, ganz knapp nicht gereicht. So kann man das auch sehen.“ Sicherlich habe in einigen wenigen Momenten die Abwehrleistung nicht gepasst, „aber man muss das hier und da etwas differenzierter betrachten“. Im öffentlichen Umgang mit der Nationalmannschaft ist das jedoch eher selten der Fall. Aber wer weiß, vielleicht kann sich Pieper davon in eineinhalb Jahren als Protagonist dann selbst ein Bild machen. (kni)

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