Florian Kohfeldt kann wieder herzhaft lachen: Der Beinahe-Abstieg des SV Werder Bremen hat den Cheftrainer viel Energie gekostet - jetzt blickt er wieder positiv in die Zukunft.
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Florian Kohfeldt kann wieder herzhaft lachen: Der Beinahe-Abstieg des SV Werder Bremen hat den Cheftrainer viel Energie gekostet - jetzt blickt er wieder positiv in die Zukunft.

Werders Aufarbeitung des Fast-Abstiegs

Analyse mit langer Mängelliste - aber: „Werder muss Werder bleiben“

Bremen – Als endlich alles gesagt war, was gesagt werden sollte, verließ Florian Kohfeldt federnden Schrittes das Weserstadion. Nach der Pressekonferenz, auf der ihm die Chefs des SV Werder Bremen geschlossen das Vertrauen ausgesprochen hatten, machte der Trainer die ersten Schritte Richtung Urlaub, als ihm Aufsichtsrat Marco Bode noch einmal über den Weg lief.

Man wünschte sich gegenseitig gute Erholung, und es wirkte so freundschaftlich, befreit und leicht, als hätte es die zurückliegenden schweren Monate des Abstiegskampfs gar nicht gegeben. Monate, in denen Florian Kohfeldt viel einbüßen musste von der Leichtigkeit, die ihn sonst ausgezeichnet hat. Nun aber ist er offenbar zurück, der leichte Gang, das Lachen. Denn Kohfeldt ist weder mit Werder Bremen abgestiegen noch hat ihn die Katastrophensaison den Job gekostet. Er darf weitermachen. Genau wie Sportchef Frank Baumann. Gemeinsam sollen sie auf Basis der alten eine neue Mannschaft entwickeln in Bremen. 

Werder Bremen-Analyse: Keine Personalveränderungen in der Führung

Und wie Florian Kohfeldt so dahinging Richtung Auto, sagte seine Körpersprache genau das, was der 37-Jährige zuvor so in Worte gekleidet hatte: „Ich habe Energie und extrem viel Lust, diesen Weg mitzugehen.“ Was mit „dieser Weg“ gemeint ist, wurde während der Elefantenrunde mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode, den Geschäftsführern Klaus Filbry, Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald sowie eben Kohfeldt jedoch nicht so richtig klar. Veränderungen an der Spitze gibt es nicht, und was auf den Ebenen darunter bei Werder Bremen passiert, wurde angedeutet, aber nicht verkündet. Umwälzungen, das wurde aber deutlich, sind nicht geplant. Bode dazu: „Alle, die in Extremen denken, werden wir nicht glücklich machen.“ Weder werden alle gefeuert, noch bleibe alles beim Alten. Obwohl: Wesentliche Veränderungen gibt es nicht. Denn weiterhin werden Baumann und Kohfeldt das operative Geschäft bestimmen – dass sie dabei zuletzt gemachte Fehler nicht wiederholen wollen, ist logisch.

Marco Bode hätte es allerdings als falsch angesehen, den Laden nach dem Mit-Ach-und-Krach-Klassenerhalt mit dem großen Besen auszufegen. Denn das wäre nicht Werder-like gewesen: „Ich glaube fest daran, dass wir uns treu bleiben müssen. Werder muss Werder bleiben – das ist auch eine wichtige Botschaft.“ Dazu gehöre eben auch, einen Trainer und einen Sportchef, denen man bei Werder Bremen über die gesamte Saison das Vertrauen ausgesprochen hat, nun nicht vor die Tür zu setzen. „Wir sind alle gemeinsam und mit voller Überzeugung zu der Auffassung gelangt, dass wir mit diesen Personen so weitermachen wollen“, erklärte Bode. Um die Werder-Welt nicht zu heile erscheinen zu lassen, formulierte auch der Chef des Aufsichtsrates Einschränkungen. „Wir haben alle keinen perfekten Job gemacht, aber wir haben auch nicht alles falsch gemacht.“ Jedoch genug, um beinahe abzusteigen. In der Aufarbeitung der Geschehnisse gingen Baumann und Kohfeldt voran und schonten sich selbst nicht.

Werder Bremen-Analyse: Florian Kohfeldt und Frank Baumann räumen Fehler ein

Baumanns Thema: die Kaderplanung, sein Verantwortungsbereich. „Viele der Ideen, die wir hatten, sind nicht aufgegangen“, räumte er ein und gestand auch, dass bei den Problemen, die während der Saison im Umfeld der Mannschaft auftraten – Stichwort: medizinische Abteilung –, „wir nicht immer konsequent gehandelt haben.“ Dass zudem der Verlust von Max Kruse unterschätzt worden war – es fehlte „der Gegenpol, der dem Trainer auch mal ganz klar den Standpunkt der Mannschaft nahegebracht hat“ –, war ein weiterer Punkt auf der Liste der Selbstkritik. Und rückblickend wäre es dann doch besser gewesen, den Begriff Abstiegskampf nicht so lange zu umdribbeln, wie Werder Bremen es in der Kommunikation nach außen getan hatte. „Das hätte vielleicht die Sinne geschärft“, meinte Frank Baumann, der die wortreiche Analyse irgendwann beendete, um auch noch wenige Worte über die Zukunft zu verlieren. Er könne „nicht versprechen, dass in der kommenden Saison alles besser wird“, erklärte der Sportchef, formulierte aber ein weiches, positives Ziel: „Wir wollen wieder der einfallsreiche Herausforderer werden, der wir einmal waren.“

Mit Florian Kohfeldt als Trainer. In seiner Aufarbeitung der Saison hatte der Coach Fehler bei sich ausgemacht, die im Grunde die Wurzel allen Übels waren. Sein Eingeständnis: In der Saisonvorbereitung sei es zu einer „Überlastung“ der Spieler gekommen, die Folge seien einige, vor allem muskuläre Verletzungen gewesen. „Die Verantwortung für die Trainingssteuerung liegt bei mir. Das darf mir nicht noch einmal passieren“, erklärte Kohfeldt: „Ich war getrieben vom Ehrgeiz und von den sehr guten Ergebnissen der Leistungsdiagnostik, die aussagten, dass die Mannschaft bereit war für diese Belastung. Aber das war sie nicht.“

Ein beinahe fataler Irrtum. Denn die Verletzungsmisere ist der Hauptgrund des Absturzes von Werder Bremen. Befeuert noch durch interne Konflikte in der medizinischen Abteilung, deren Schlichtung ihn selbst „Zeit und Energie gekostet“ hätten, sagt Kohfeldt. Damit er sich künftig wieder mehr auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann, sind laut Baumann „Neu- und Umbesetzungen“ im Trainerteam und im Staff geplant. Konkrete Entscheidungen verkündete die Bremer Chefetage zwar noch nicht, doch dass Clemens Fritz, derzeit Chef der Scoutingabteilung, künftig im Viereck zwischen Trainerteam, Mannschaft, Management und Staff die verbindenden Fäden spinnen wird, gilt schon als ausgemacht. Welchen Titel er dann trägt, ist noch offen. Teammanager eher nicht. „Den haben wir schon“, meint Frank Baumann mit Blick auf Tim Barten, der in der Funktion allerdings mehr ein Teambetreuer ist. Wie viele und welche Assistenten künftig mit Kohfeldt arbeiten werden, ist ebenfalls noch ein Geheimnis.

Florian Kohfeldt erklärt seine Entscheidung pro Werder Bremen

Öffentlich machte Chefcoach Florian Kohfeldt dagegen, wie seine Entscheidungsfindung pro Werder Bremen abgelaufen war. Dabei trat er dem Gerücht entgegen, er habe mit einem Wechsel zu 1899 Hoffenheim geflirtet. Wenn es denn so war, dann ist es über seinen Mittelsmann und Berater Marc Kosicke geschehen. Er selbst beteuerte, dass „ich nur mit Werder gesprochen habe“. Dabei seien von ihm – anders als mitunter berichtet – „zu keinem Zeitpunkt Forderungen und Bedingungen gestellt“ worden. Vielmehr sei die Entscheidungsfindung bei ihm eine relativ schnelle Nummer gewesen. Kohfeldts Zeitraffer: „Montag Rettung in Heidenheim, Bier – erst im Bus und Flugzeug, dann irgendwo in Bremen –, schließlich ein Gespräch mit Frank. Dann war ich durch.“ (csa)

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