Der SV Werder Bremen bringt Anleihen auf den Markt um sich finanziell zu wappnen, dass bestätigt Werder-Boss Klaus Filbry gegenüber der DeichStube.
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Der SV Werder Bremen bringt Anleihen auf den Markt um sich finanziell zu wappnen, dass bestätigt Werder-Boss Klaus Filbry gegenüber der DeichStube.

Werder geht an die Börse

Die Anleihe des SV Werder Bremen: Mit 1000 Euro ist man dabei!

Bremen – Vom Fußballplatz aufs Börsenparkett – der SV Werder Bremen hat ein neues Terrain betreten. Nicht ganz freiwillig, denn der Bundesligist braucht Geld, viel Geld, um sich vor möglichen weiteren finanziellen Folgen der Corona-Pandemie zu wappnen und wichtige Investitionen zu sichern, wie Werder-Boss Klaus Filbry im Gespräch mit der DeichStube betont.

Nach einem 20-Millionen-Euro-Kredit im vergangenen Dezember mit Hilfe einer Landesbürgschaft wird nun gemeinsam mit dem Bankhaus Lampe eine Mittelstandsanleihe vermarktet, die künftig an der Frankfurter Börse gehandelt werden soll. Die Verzinsung liegt bei mindestens sechs Prozent, die Laufzeit beträgt fünf Jahre und drei Monate. Die erste Zeichnungsphase, die am vergangenen Montag endete und ausgesuchten institutionellen Investoren (zum Beispiel Versicherungen oder Kapitalgesellschaften) sowie Freunden und Sponsoren von Werder Bremen vorbehalten war, bewertet Filbry als Erfolg: „Wir sind alle sehr zufrieden.“ Das zugesagte Gesamtvolumen habe mehr als zehn Millionen Euro betragen.

Etwa die doppelte Summe möchte Werder Bremen einnehmen, bis zu 30 Millionen Euro lässt die Anleihe zu. „Stand heute gehe ich aber davon aus, dass wir diese Summe nicht benötigen“, so Filbry. Geplant ist, dass ab Mitte Mai auch jeder Privatanleger einsteigen kann, der ein Wertpapierdepot besitzt. Die Zeichnungsgröße der Anleihe beträgt dann nicht mehr wie in der ersten Phase gesetzlich erforderlich mindestens 100.000 Euro, sondern 1.000 Euro. Vergleiche mit einer Fan-Anleihe seien aber absolut falsch, betont Filbry : „Wir geben keine Schmuck-Anleihen aus, und es gibt auch keine Werder-Goodies. Wir spielen nicht mit den Emotionen der Menschen. Wir bieten ein seriöses, faires Produkt an.“ Und noch etwas ist dem 54-Jährigen wichtig: „Wir betteln nicht um Geld, sondern machen ein interessantes Angebot.“

Werder Bremen stellt sechs Prozent Verzinsung in Aussicht

Die in Aussicht gestellte Verzinsung von mindestens sechs Prozent, der exakte Wert wird erst nach Zeichnungsende festgelegt, sind in der Tat im Marktvergleich sehr verlockend. Allerdings ist eine Anleihe auch riskanter als andere Anlageformen wie zum Beispiel Festgeld oder ein Sparbuch. Denn bei einer Insolvenz des Emittenten kann das Geld komplett futsch sein. Für Werder Bremen ist der Weg ebenfalls riskanter, weil kostspieliger. Jedes Jahr muss die Verzinsung ausgezahlt werden, was bei einem Volumen von 20 Millionen Euro und einem Zins von sechs Prozent immerhin 1,2 Millionen Euro bedeuten würde. Am Ende der Laufzeit wird dann noch der komplette Betrag fällig, den die Anleger zurückerhalten.

Doch in der Krise und nach dem bereits vorhandenen 20-Millionen-Euro-Kredit mussten bei Werder Bremen neue Lösungen her, um das Fortbestehen und die Weiterentwicklung zu sichern. Denn schon die Saison 2019/20 hat der Bundesligist mit einem Rekord-Minus von 23,71 Millionen Euro abgeschlossen, und auch in der aktuellen Spielzeit wird es einen großen Verlust geben. „Aufgrund der Pandemie haben wir in den vergangenen beiden Spielzeiten 35 Millionen Euro weniger an Einnahmen“, erklärt Filbry und verweist auf die Geisterspiele. Es fehlen aber nicht nur die Zuschauereinnahmen. Auch TV-Erlöse und Sponsorengelder sind gesunken. Dazu ist der Transfermarkt fast zum Erliegen gekommen. Sollte sich das allerdings schon im Sommer ändern, würde das Geld aus der Anleihe nicht für das Tagesgeschäft benötigt, so Filbry: „Dann gibt uns diese Anleihe noch mehr die Möglichkeit, in strategische Themen zu investieren – in die Digitalisierung, unsere Nachhaltigkeitsoffensive und vor allem in die Aus- und Weiterbildung junger Spieler.“ Speziell der letzte Punkt sei für die Rückzahlung der Anleihe wichtig. Werder will wieder Stars machen und sie dann teuer verkaufen. Filbry nennt in diesem Zusammenhang ehemalige Spieler wie Thomas Delaney, Per Mertesacker oder Mesut Özil und verweist auf aktuelle Profis wie Josh Sargent und Marco Friedl.

Größere Investoren haben Werder Bremen größere Beträge in Aussicht gestellt

Ausführlich hat Filbry dieses Konzept und natürlich auch die Anleihe in den vergangenen Wochen einem ganz speziellen Teilnehmerkreis vorgestellt – virtuell in vier Veranstaltungen. Als Vorabvermarktung. „Wir haben geschaut, zu wem dieses Angebot gut passen könnte“, berichtet der Werder-Boss. Im Bereich „Sponsoren und Friends“ wären dies dann 90 Personen gewesen. Einige davon berichteten der DeichStube, dass sie den Kontakt als zu unpersönlich empfunden hätten. Das kann Filbry nicht nachvollziehen. „Wir haben jeden erst persönlich angerufen und dann auf Wunsch per Mail über die weiteren Möglichkeiten und Abläufe informiert.“ Nur in Einzelfällen sei die Kontaktaufnahme über Dritte erfolgt.

„Es war eine sehr intensive Zeit für uns. Das gute Ergebnis ermutigt uns, dass wir die Anleihe für unseren Verein sehr erfolgreich platzieren können“, sagt Filbry und ist natürlich gespannt, wie die Privatanleger reagieren werden. Von einigen größeren Investoren gebe es schon klare Signale, dass größere Beträge dazukommen könnten. „Das Orderbuch wird sicher voll“, so der Werder-Boss.

Auch Liga-Konkurrenten von Werder Bremen setzen auf Anleihen

Doch er möchte auf keinen Fall zu euphorisch wirken. Es geht schließlich nicht um Fußball, sondern um die Börse. Und dabei kommen mit der Anleihe durchaus Veränderungen auf die Werder Bremen GmbH & Co Kg aA zu. Dieses „aA“ im Namen der ausgegliederten Profi-Abteilungen bedeutet zwar „auf Aktien“, doch die werden nicht an der Börse gehandelt, sondern sind im Besitz des Vereins. Mit der Anleihe hat Werder nun einen anderen Weg auf die große Finanzbühne gewählt. Hier gelten andere Spielregeln. Schon im Prospekt der Anleihe, der durch die Commision de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) gebilligt und an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet werden soll, müssen die Bilanzen offengelegt werden. Künftig wird der Konzernabschluss halbjährlich veröffentlicht. „Wir wollen auch am Kapitalmarkt Vorbild sein“, findet Filbry die geforderte Transparenz nicht schlimm: „So, wie ich für die Veröffentlichung der Beraterhonorare in der Bundesliga war, halte ich auch das für einen wichtigen Schritt hin zu einer weiteren Professionalisierung – nicht nur für unseren Verein, sondern für die gesamte Branche.“ Verschiedene Clubs wie der Hamburger SV, Schalke 04 oder der 1. FC Köln haben bereits auf Anleihen gesetzt, allerdings auf Fan-Anleihen. Werder wählt nun einen anderen Weg. (kni)

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Bankhaus Lampe vermarktet Mittelstandsanleihe für Werder Bremen: Eine lange Tradition

Das Bankhaus Lampe wurde 1852 von Hermann Lampe in Minden gegründet und ist seit drei Jahrezehnten im Besitz der Dr. August Oetker KG. Allerdings wurde bereits ein Verkauf an die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser, die zum chinesischen Mischkonzern Fosun gehört, vereinbart. Das Bankhaus Lampe hat seinen Stammsitz in Bielefeld, das zentrale Verwaltungsgebäude für die 400 Mitarbeiter steht in Düsseldorf. Es gibt zahlreiche Niederlassungen – allerdings nicht mehr in Bremen. Diese ist Ende 2019 geschlossen worden. (kni) Auch interessant: Kommt nach der Anleihe der große Investor beim SV Werder Bremen? Das sagt Werder-Boss Klaus Filbry!

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