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Hertha-Trainer Ante Covic warant seine Mannschaft vor der Mentalität des SV Werder Bremen.

Klemm-Brett vor Werder gegen Hertha

Hertha-Coach Covic warnt im Interview: „Werder ist eine gewachsene Einheit“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner des SV Werder Bremen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 8. Spieltag gegen Hertha BSC mit Ante Covic (44) im Kurz-Interview Hertha im Form-Check und Statistiken.

Werder Bremen gegen Hertha: BSC-Trainer Ante Covic im Kurz-Interview

Was zeichnet die neue Trainer-Generation aus, Ante Covic?

Es ist sicher ungewöhnlich, dass zu Beginn einer Saison acht Trainer ihr Bundesliga-Debüt feiern. Aus meiner Sicht ist es also in erster Linie eine gewisse Frische im Job. Und es ist sicher kein Nachteil, mit der neuen Generation Spieler schon länger zu tun zu haben. Sie wollen viel mehr mitgenommen werden als wir früher – das bedeutet mehr Kommunikation. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu den guten und erfahrenen älteren Trainern.

Sehen Sie sich in der Nachfolge von Kollegen wie Julian Nagelsmann und Florian Kohfeldt?

Uns verbindet zumindest ein ähnlicher Weg, wir haben alle längere zeit im U-Bereich gearbeitet, dort den Job von der Pike auf gelernt. Mir hat das gut getan. Ich wollte möglichst viel lernen und Erfahrungen sammeln, habe mir die Chance so quasi erarbeitet.

Was fällt Ihnen besonders schwer beim Übergang vom Nachwuchstrainer zum Chefcoach?

Der größte Unterschied ist sicherlich die mediale Aufmerksamkeit. Glücklicherweise kannte ich das schon aus meiner Zeit als Profi. Dazu ist der Kreis der Mannschaft deutlich größer, die wollen alle geführt werden. Aber durch die Fachleute um einen herum hat man auch wesentlich mehr Unterstützung.

Anfangs lief es nicht so besonders bei der Hertha, nun sieht es wesentlich besser aus. Wie haben Sie die Wende geschafft?

Es war von Beginn an klar, dass wir mit unserem veränderten spielerischen Ansatz auch Zeit brauchen werden. Das ist normal, wenn eine Mannschaft vorher über vier Jahre mit einem Trainer zusammengearbeitet hat und für einen gewissen Stil stand. Wir erfinden den Fußball nicht neu, dennoch sind viele Abläufe anders. Das Wichtigste in dieser Phase war, dass wir alle ruhig geblieben sind, weil wir wissen, wie und woran wir täglich arbeiten.

Ballbesitzfußball und Dominanz im Spiel – so haben Sie Ihr Ideal vom Fußball beschrieben. Beim Sieg gegen Paderborn sind Sie davon abgewichen. Wie wollen und werden Sie künftig spielen lassen?

Wichtig ist mir, dass wir mutig und aktiv spielen. Nun wissen wir aber auch alle, dass das wesentlich leichter fällt, wenn man entsprechende Ergebnisse erzielt. Wenn die ausbleiben, will eben nicht mehr jeder auf dem Feld den Ball. Deshalb haben wir unsere Ausrichtung in Paderborn an die Situation angepasst. In Köln waren dann durch das Erfolgserlebnis schon wieder deutlich mehr spielerische Elemente gefordert, die auch umgesetzt wurden. Gegen Düsseldorf war eine weitere Steigerung zu sehen. Daran wollen wir in Bremen anknüpfen.

Wie lautet dabei Ihre Devise?

Stabilität in unserem Spiel, eine gute Balance und das Selbstvertrauen nach drei Siegen in Folge auf den Platz bringen.

Wie sehen Sie die Werder-Elf?

Wir wissen, was uns in Bremen erwartet. Eine Mannschaft, die durch die Unterstützung der Fans mit viel Mentalität ins Spiel gehen wird. Sie wollen unbedingt gewinnen, wir aber auch.

Eine Begegnung, die darüber entscheidet, wer den Anschluss an die erweiterte Spitzengruppe hält. Oder?

Die Saison ist noch lange. Wichtiger aus meiner Sicht, mit einer ordentlichen Ausgangslage in die Rückrunde zu gehen. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.

Wer qualifiziert sich eher für Europa? Werder oder Hertha?

Beide Mannschaften haben ein gewisses Potenzial. Werder ist mit dem Trainer eine über längere Zeit gewachsene Einheit und hat dieses Ziel klar für sich ausgerufen. Wir sind noch in der Entwicklungsphase, wollen uns stetig weiterentwickeln und besser abschneiden als in der Vorsaison.

Vor Werder Bremen gegen Hertha BSC notiert Hans-Günter Klemm wissenswertes auf seinem Klemm-Brett.

Dodi Lukebakio auf den Spuren von Markus Rosenberg und Cristiano Ronaldo

Er steht in einer Reihe mit prominenten Kollegen. Dodi Lukebakio, schon im Dress der Düsseldorfer Fortuna in der Allianz-Arena mehrfach erfolgreich, traf auch für seinen neuen Arbeitgeber Hertha BSC Berlin. Ihm glückte im Saisoneröffnungsspiel ein Treffer beim 2:2 bei den Bayern. Sein viertes Tor in München. Vor ihm waren dort Cristiano Ronaldo und Markus Rosenberg, der frühere Bremer, so häufig erfolgreich.

Hertha BSC mit Fehlstart

Die Hertha hat den schlechtesten Saisonstart seit 29 Jahren hingelegt. Nach vier Spieltagen standen die Berliner auf Platz 18, was zuletzt 2009/10 der Fall gewesen ist. Ebenso miserabel war der Club aus der Hauptstadt nur zweimal in die Saison gestartet: 1979/80 sowie 1990/91. Das schlechte Omen: In beiden Spielzeiten stand am Ende der Abstieg. „Wir bleiben ruhig“, kommentierte Manager Michael Preetz den unbefriedigenden Beginn und stärkte somit Neu-Trainer Ante Covic den Rücken.

Letzter Hertha-Sieg bei Werder Bremen liegt 13 Jahre zurück

Die letzten Erfolgserlebnisse für die Berliner an der Weser liegen schon eine Weile zurück. Vor 13 Jahren gab es den letzten Hertha-Sieg: 3:0 am 11. März 2006. Ein Jahr zuvor haben die Berliner mit 1:0 am 16. April 2005 gewonnen.

Spielt Werder Bremen gegen Hertha, trifft Claudio Pizarro fast immer

Treffsicher erwies in den Spielen gegen Berlin einmal mehr Claudio Pizarro: Ihm gelangen in elf Partien 13 Tore. Rekordschütze auf der Gegennseite: Michael Preetz, der Manager. Der frühere Torjäger traf fünfmal bei elf Einsätzen.

Vedad Ibisevic ist wieder heiß gelaufen – auch gegen Werder Bremen?

Trainer Ante Covic scheut auch nicht davor zurück, verdiente Spieler auf die Bank zu setzen. So erwischte es Vedad Ibisevic. Der Bosnier, der Kapitän der Truppe ist, flog bei der 1:2-Niederlage in Mainz überraschend aus der Startelf. Neuland für den seit 2015 in Berlin, zuvor in Aachen, Hoffenheim und Stuttgart tätigen Torjäger, der es in 321 Ligaspielen auf 123 Tore gebracht hat. In den beiden letzten Partien überzeugte der 35-Jährige: Zwei Tore in vier Minuten gelangen beim 4:0 gegen Köln, ein Treffer beim 3:1 gegen Düsseldorf. Eine mehr als glanzvolle Rückkehr in die erste Elf.

Hertha BSC im Form-Check – was geht bei Werder Bremen?

Es begann so gut. Saisoneröffnungsspiel beim Meister Bayern - Hertha verkaufte sich recht teuer und punktete sogar in der Allianzarena: 2:2 beim haushohen Favoriten. Danach gtibng es bergab für die Berliner: Drei Niederlagen am Stück: 0:3 gegen Wolfsburg, 0:3 auf Schalke und 1:2 in Mainz. Die Wende brachte dann das Auswärtsspiel in Paderborn. Hertha landete im Duell der Kellerkinder gegen Paderborn mit 2:1 den ersten Sieg. Es folgte weitere souveräne Auftritte: ein beeindruckendes 3:0 beim Aufsteiger Köln und ein standesgemäßes 3:1 zuhause gegen Düsseldorf.

Werder Bremen trifft auf Wunsch-Transfer Marko Grujic

An einem Hertha-Spieler war auch Werder interessiert: Marko Grujic, ausgeliehen vom FC Liverpool, flirtete mit Bremen, doch blieb an der Spree. Hertha verlängerte die Ausleihe für zwei Millionen Euro. Premiumtransfer im Sommer war aber ein anderer: Dodi Lukebakio, zuvor in Düsseldorf, nun für stolze 20 Millionen Euro Ablöse ein Hertha-Angestellter.

Mehr News zu Werder Bremen

Trainer Florian Kohfeldt hält salutierende Profis von Werder Bremen für ausgeschlossen und hat sich dazu auch ein Meinungsbild in der Mannschaft verschafft. Die Länderspielreisen in die USA sind hart, aber der Schlafrhythmus wurde schon angepasst – so macht Werder Bremen Josh Sargent wach für das Hertha-Spiel.

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