Werder Bremen-Verteidiger Anthony Jung (rechts) unterlief gegen den 1. FC Heidenheim vor dem Gegentor zum 0:2 ein grober Fehlpass.
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Werder Bremen-Verteidiger Anthony Jung (rechts) unterlief gegen den 1. FC Heidenheim vor dem Gegentor zum 0:2 ein grober Fehlpass.

Werder-Verteidiger über Gegentor in Heidenheim

Selbstkritik statt Ausreden: Werder-Profi Anthony Jung ärgert sich über seinen folgenschweren Fehlpass

Heidenheim - Der Ball hatte den Weg ins Netz noch gar nicht richtig gefunden, da klappte der Oberkörper von Anthony Jung bereits nach vorne. Sekunden vorher hatte der 30-Jährige im Spielaufbau einen ganz schlimmen Fehlpass fabriziert, der dem 1. FC Heidenheim nach exakt 62 Minuten ein ziemlich einfaches Tor ermöglichte. Und zu allem Bremer Unglück war es das vorentscheidende 0:2 aus ihrer Sicht, was Jungs Enttäuschung nur noch größer werden ließ. Er schloss die Augen, fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht und führte verärgert ein kurzes Selbstgespräch. Als die Niederlage des SV Werder Bremen wenig später endgültig feststand, gab er sich äußerst selbstkritisch.

„Ich habe die falsche Entscheidung getroffen. Der Raum sah größer aus, als er eigentlich war“, versuchte Anthony Jung seinen Aussetzer zu erklären. „Das war ein individueller Fehler von mir, da gibt es nichts drumherum zu reden.“ Dass er überhaupt in die Verlegenheit kam, den Ball direkt dem Gegner aufzulegen, hatte auch damit zu tun, dass die Abwehr des SV Werder Bremen an diesem Abend allerlei Turbulenzen erlebt hatte. Der verletzungsbedingte Ausfall von Ömer Toprak (Wadenprobleme) sorgte schon vor der Partie für die erste Umstellung, im weiteren Verlauf fielen dann auch noch Marco Friedl (Beckenprellung) und Lars Lukas Mai (Knieprobleme) aus. Den Bremern gingen gegen Heidenheim also die Innenverteidiger aus, in der letzten Reihe war reichlich Improvisationstalent gefragt. So verließ Jung bereits nach einer halben Stunde seinen angestammten Platz auf dem linken Flügel, um erst in einer Dreier-, später dann in einer Viererkette zu verteidigen.

Werder Bremen: Anthony Jung sucht die Schuld nach Fehler gegen 1. FC Heidenheim bei sich

Genau deshalb gab es auch Rückendeckung vom Trainer des SV Werder Bremen. „Tony hat unter mir noch nie als Innenverteidiger gespielt, hat auch die gesamte Trainingswoche über auf dem linken Flügel gestanden“, sagte Ole Werner nach der Niederlage in Heidenheim. „Gerade in der Spieleröffnung ist das eine ganz andere Rolle. Eine einfachere Option wäre sicherlich gewesen, Felix Agu zu finden oder wenn Pavlas den Ball direkt in den Zehnerraum spielt, aber das sind eben Dinge, die entstehen, wenn die Abläufe nicht ganz klar sind. Das war heute bei uns leider der Fall.“

Anthony Jung selbst wollte die ungewohnte Umgebung auf dem Platz anschließend jedoch nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Das hatte gar nichts damit zu tun“, betonte der Verteidiger des SV Werder Bremen nach der 1:2-Niederlage beim 1. FC Heidenheim. „Das ist keine unbekannte Position für mich, das kann ich jetzt nicht als Ausrede verwenden. Das war einfach eine schlechte Entscheidung von mir und ich bringe das Team somit in eine noch schwierigere Situation. Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Ein gut eingestellter Gegner und fehlende Umstellungen - Werder Bremens erste Niederlage unter Werner in der Taktik-Analyse

Werder Bremen-Stürmer Niclas Füllkrug nach Anthony Jung-Fehler gegen Heidenheim: „Kann man keinen Vorwurf machen“

Immerhin, den Zorn seiner Mitspieler musste er trotz des Fehlers nicht fürchten. Stattdessen gab es Zuspruch, etwa von Niklas Schmidt. „Tony brauchen wir nicht aufzubauen“, war sich der 24-jährige Profi des SV Werder Bremen nach dem Spiel beim 1. FC Heidenheim sicher. „Er hat viel Erfahrung, ist ein super Spieler und ein super Typ. Deswegen habe ich da überhaupt keine Angst, dass er jetzt zurückfällt.“ Auch Niclas Füllkrug verteidigte seinen Teamkollegen. „Der zweite Gegentreffer ist halt bitter, aber da kann man keinem einen Vorwurf machen“, meinte er. „Alle Spieler in der Defensive bei uns haben in den vergangenen zehn Spielen Top-Spiele gemacht und dann ist das halt mal so, dass einer auch mal einen Fehler machen darf.“ Anthony Jung, das war nicht nur seinem traurigen Blick anzusehen, hätte sicherlich trotzdem gern darauf verzichtet. (mbü)

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