Jung über Werder-Gegner Hansa, HSV und FCI

Werder-Profi Anthony Jung geht „ohne Angst“ in die Duelle mit den Tormaschinen

Bremen – Platz eins winkt! Ein ganz bisschen klimpert Anthony Jung zwar auf dem Klavier der Ausflüchte, wenn er sagt, dass er „gar nicht so oft auf die Tabelle“ schaut. Doch dass der SV Werder Bremen am Freitagabend die Tabellenspitze in der 2. Liga erklimmen kann, ist ihm natürlich nicht entgangen. Mit einem Sieg bei Hansa Rostock würde der Bundesliga-Absteiger wenigstens für eine Nacht ganz oben stehen. „Ein schöner Nebeneffekt“ wäre das, sagt Jung in einer Medienrunde.

Damit beweist Anthony Jung mit dieser bewusst gezügelten Euphorie, wie sehr eine Eigenschaft von Trainer Ole Werner, die sein Spieler als eine Art emotionale Neutralität beschreibt, schon auf ihn abgefärbt hat. Darüber sowie über die Serie des SV Werder Bremen von sechs Siegen in Folge, die kommenden Spiele gegen die zu Tormaschinen mutierten Gegner aus Rostock, Ingolstadt und Hamburg und seine eigene Unerfahrenheit beim Torjubel spricht der Matchwinner des vergangenen Spieltags im „Anthony Jung über…“

…seinen Jubel gegen den KSC:

Die Flanke kam, Anthony Jung kam ungehindert zum Kopfball – drin! Mit seinem zweiten Saisontor hatte der 30-Jährige am Samstag die Partie gegen den Karlsruher SC (2:1) entschieden. Eigentlich ein Grund für unbändige Freude. Aber Jung lachte nicht, der Jubel hatte eher etwas unbeholfen Aggressives. Was wiederum im Nachhinein beim Torschützen des SV Werder Bremen für ein Schmunzeln sorgt: „Ich habe schon mit zwei Freunden darüber gescherzt, dass ich mir für den Fall, dass ich noch mal treffen sollte, besser einen Jubel ausdenken sollte.“ Noch hat er allerdings keine Idee, „ich warte noch auf Inspiration“.

…die Tabellensituation:

Sechs Teams, die nur zwei Punkte trennen – und Werder Bremen könnte sich am Wochenende für wenige Stunden oder länger an die Spitze setzen. Schöner Gedanke, findet auch Anthony Jung, verfolgt ihn aber nicht weiter: „Das wäre vielleicht ein schöner Nebeneffekt, aber auch danach bleiben noch viele Spiele. Die Tabelle ist so eng, da kann man mit einer Niederlage schnell wieder abrutschen. Diese Liga ist einfach unberechenbar.“

Anthony Jung über Siegesserie des SV Werder Bremen: „Die Energie ist gut, es läuft einfach“

…die Energie des Erfolges:

Sechs Spiele in Folge hat Werder Bremen nun schon gewonnen – dass das etwas mit der Mannschaft macht, ist klar. Anthony Jung hat eine ähnliche Situation in der vergangenen Saison erlebt, als er sich mit Bröndby Kopenhagen durch eine Serie von acht Siegen in zehn Spielen an die Tabellenspitze setzte und letztlich dänischer Meister wurde. „Wenn du gewinnst, lässt es sich leichter arbeiten. Das Selbstbewusstsein ist da, die Selbstsicherheit auf dem Platz auch. Die Energie ist gut, es läuft einfach.“ Der Fehler könnte jetzt aber sein, sich unschlagbar zu fühlen. „So naiv sollten wir nicht sein“, mahnt der Linksverteidiger: „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden und denken, dass wir mit halber Kraft weiter den vollen Erfolg haben können. Unser Fuß muss auf dem Gas bleiben.“

…den Werner-Effekt:

Dass der Fuß auf dem Gas bleibt, dafür sorgt bei Werder Bremen vor allem Ole Werner. Schon erstaunlich, dass die Bremer unter dem neuen Trainer noch keinen Punkt abgegeben und auch schwierige Spiele wie die in Regensburg (3:2), Paderborn (4:3 nach 1:3) und zuletzt gegen den Karlsruher SC alle gemeistert haben. Das Zutun des Trainers bestehe laut Anthony Jung vor allem in dessen Art, die er als „hier und da mal emotionslos“ beschreibt. Erläuterung: „Bei ihm gibt es nicht viel Ausschläge nach oben, aber auch nicht viele nach unten. Es ist eine sehr ausgeglichene Energie, die bei uns herrscht.“

Werder Bremen: Anthony Jung lobt Trainer Ole Werner für seine Bodenständigkeit

Der Trainer lebe „eine Bodenständigkeit vor.“ Und dann findet Anthony Jung noch Worte, die man so über Werner noch nicht gehört hat. Der 33-Jährige habe „eine Neutralität gegenüber der Situation“, sagt der Profi, der in seiner Karriere schon mit Ralf Rangnick und Christoph Daum gearbeitet hat. Ole Werner halte das Team immer in einer guten Balance aus Lockerheit und Konzentration, dabei sei er – wie schon oft beschrieben – eben „absolut norddeutsch. Er bleibt bei Erfolg bescheiden. Dieses Mindset tut uns gut, das kann man adaptieren.“ Vor Werners Einstieg hatte die Mannschaft den Aufstieg fast schon abgeschrieben, räumt Jung ein. Vor der 1:2-Niederlage bei Holstein Kiel „war das Gefühl so, dass es schwierig wird, oben dran zu bleiben, wenn wir nicht gewinnen.“ Doch seither läuft‘s wie geschmiert, und Werder Bremen ist vorne voll mit dabei. „Zurecht“, meint Anthony Jung, und platziert eine weitere Wertschätzung für den Coach: „Mit Ole Werner ist mehr Struktur, mehr Klarheit in die Geschichte gekommen.“

…die kommenden Aufgaben:

Preisfrage: Was haben Hansa Rostock, der FC Ingolstadt und der Hamburger SV gemein? Nein, nicht die Saisonziele. Rostock und Ingolstadt wollen nur nicht absteigen, der HSV will aufsteigen. Es ist die Performance am vergangenen Spieltag, die die Schnur zwischen den drei kommenden Gegnern des SV Werder Bremen spannt. Rostock hat vier Tore gegen Dynamo Dresden erzielt, Ingolstadt fünf gegen den 1. FC Nürnberg, ebenso viele wie der HSV gegen Spitzenreiter Darmstadt. Beeindruckend? Ja, sagt Anthony Jung, aber dass Rostock oder Ingolstadt auch mal einen Tag erwischen, an dem alles klappt, „war ja zu erwarten. Ich habe jetzt aber keine Angst vor diesen Spielen. Rostock ist unsere nächste Aufgabe, und das wird sicher schwer. Jeder Gegner möchte jetzt doch unsere Serie zerstören, möchte der Stolperstein für uns sein. Aber wir haben unsere Serie im Rücken.“ (csa) Lest auch: Werder Bremen-Aufstellung gegen Hansa Rostock: Rutscht Lars Lukas Mai in die Startelf?

Rubriklistenbild: © Imago Images / Teresa Kroeger

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