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Anthony Ujah steht am Samstag seinem Ex-Verein Werder Bremen mal wieder als Gegner gegenüber – als Stürmer des Aufsteigers Union Berlin.

Stürmer von Union Berlin vor Duell mit Ex-Club Werder

Ujah im DeichStube-Interview: „Ich denke oft an dieses eine Spiel“

Berlin – Trikot aus und ab dafür! Mit seinem Jubellauf beim großen Saisonfinale 2016, als Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag der Klassenerhalt gelang, hat Anthony Ujah für ein Bild gesorgt, das längst in die Bremer Vereinsgeschichte eingegangen ist.

„Der Moment war überwältigend“, sagt der Stürmer, der am Samstag als Gegner von Werder Bremen auf den Platz gehen wird: im Trikot des Aufsteigers Union Berlin. Im Gespräch mit der DeichStube hat Anthony Ujah im Vorfeld erklärt, worauf sich die Bremer im Stadion an der Alten Försterei einstellen müssen und warum er darüber nachdenkt, seine Karriere eines Tages in der Kreisliga zu beenden. Außerdem hat der 28-Jährige verraten, dass er trotz der Nachhilfe von Franco Di Santo bis heute nicht schwimmen kann.

Herr Ujah, sollte es am Samstag für Sie perfekt laufen und Sie schießen Ihr erstes Bundesliga-Tor für Union Berlin – würden Sie gegen Ihren Ex-Verein Werder jubeln?

Nein, jubeln möchte ich gegen Werder eigentlich nicht. Ich weiß aber nicht, was passiert, wenn ich in der 90. Minute das Siegtor mache, weil ich ein sehr emotionaler Mensch bin (lacht). Wenn es mir gelingt, cool zu bleiben, werde ich aber auf den Jubel verzichten.

So einen Jubellauf wie damals im Mai 2016 während des großen Saisonfinals gegen Frankfurt werden wir von Ihnen also nicht zu sehen bekommen?

(lacht) Nein, ich glaube nicht.

Sie standen bei Werder nur ein Jahr lang unter Vertrag – und werden in Bremen trotzdem für alle Zeit unvergessen bleiben. Dieser 14. Mai 2016, die Rettung gegen Frankfurt mit Ihnen als Vorlagengeber zum Siegtreffer, gehört längst zur Folklore des Vereins. Wie oft denken Sie noch an dieses spezielle Spiel?

Ganz ehrlich: Oft. Sehr, sehr oft sogar. Wenn ich nur das Wort Werder höre, sind die Bilder sofort wieder in meinem Kopf. Auch mit meiner Familie und mit Freunden spreche ich regelmäßig über dieses Spiel. Ich glaube, ich bin in meiner ganzen Karriere noch nie so schnell gelaufen wie beim Torjubel nach dem 1:0. Der Moment war überwältigend, alle waren glücklich, und das Stadion ist explodiert. Ich habe bis heute ein Video von diesen Szenen auf meinem Handy. Das schaue ich mir hin und wieder an, auch wenn ich das gar nicht bräuchte, denn vergessen werde ich den Tag nie wieder. Wegen solcher Momente lieben wir den Fußball doch alle so.

Anthony Ujah: Letzte Station als Fußballer beim Afrika FC in der Kreisliga?

Nach Stationen beim Liaoning FC in China und bei Mainz 05 sind Sie in diesem Sommer bei Union Berlin gelandet. Wie kam es dazu?

Als ich aus China zurück war, wollte ich eigentlich für lange Zeit in Mainz bleiben. Ich habe jetzt Familie und wollte dieses Hin und Her nicht mehr. Das war einfach zu viel. Früher, als ich alleine war, war das kein Problem. Aber jetzt möchte ich, dass meine Kinder möglichst an einem Ort aufwachsen und nicht ständig umziehen müssen. Als es mit Mainz dann nicht mehr so gepasst hat, kam aber der nächste Schritt zu Union. Ich hatte schon viel über den Verein gehört, auch Berlin als Stadt ist super. Meine Familie habe ich mitgenommen. Für uns ist aber klar, dass wir nach meiner Karriere in Köln leben wollen.

Sie haben von 2012 bis 2015 für den 1. FC Köln gespielt, sind mit dem Verein in die Bundesliga aufgestiegen, Ihre sportlich erfolgreichste Zeit. Ist Köln deshalb jetzt Ihr Sehnsuchtsort?

Ja, ich will irgendwann zurück in diese Stadt und für den Rest meines Lebens dort mit meiner Familie wohnen. Und wer weiß? Vielleicht spiele ich in Köln ja auch noch mal Fußball. Cedric Mferi, mein bester Freund, hat vor drei Jahren einen Verein gegründet, den Afrika FC, der aktuell in der Kreisliga spielt. Dort kicken Jungs aus Afrika, der Türkei, Deutschland und Italien. Es macht einfach großen Spaß. Vielleicht wird das, wenn ich alt bin, irgendwann meine letzte Station. Vorher möchte ich aber noch ein paar Jahre in der Bundesliga spielen.

Anthony Ujah von Union Berlin schwärmt von der Alten Försterei

Von Mainz 05, einem seit Jahren etablierten Erstligisten, sind Sie zu Union, einem Aufsteiger und Neuling, gewechselt. Ist das sportlich betrachtet nicht ein Rückschritt?

Nein! Ich habe ja mit Köln auch in der Zweiten Liga gespielt und kenne Union deswegen schon länger. Jetzt für diesen tollen Verein spielen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Die Atmosphäre in unserem Stadion ist der Wahnsinn. Dieser Verein ist jetzt bereit für die erste Liga, und seine Fans sind es schon viel länger. Wir haben einen tollen Kader, können mithalten. Für mich ist der Wechsel definitiv kein Rückschritt.

Wie wichtig ist denn das Stadion als Erfolgsfaktor? Es ist immer wieder zu hören, dass die Alte Försterei wahre Wunder bewirken kann...

Das Stadion ist für uns sehr, sehr wichtig. Ich habe viele laute Stadien erlebt, aber dieses ist noch mal spezieller, weil die Fans so nah dran sind, dass sie fast auf dem Spielfeld stehen. Es ist kaum möglich, die Mitspieler während des Spiels zu verstehen. Auch bis eine halbe Stunde nach dem Abpfiff bleibt es unverändert laut. Am ersten Spieltag haben wir 0:4 gegen Leipzig verloren, hatten nicht gut gespielt – und die Fans? Haben trotzdem für tolle Stimmung gesorgt! Unglaublich. Das gibt uns Spielern Extra-Energie.

Anthony Ujah startet nach dem goldenen 1:0 von Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt im Saisonfinale 2016 seinen großen Jubellauf.

Anthony Ujah hat noch Kontakt zu Claudio Pizarro und Theodor Gebre Selassie von Werder Bremen

Die spezielle Atmosphäre hat bereits ihr erstes prominentes „Opfer“ gefordert: Borussia Dortmund hat mit 1:3 an der Alten Försterei verloren...

Ja. Dieses Ergebnis hat ganz Deutschland überrascht. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es nur ein Spiel war. Jetzt wollen wir mehr, auch das nächste Spiel wieder gewinnen. Nur weil wir Dortmund geschlagen haben, wird es gegen Werder nicht einfacher.

Was erwarten Sie denn für ein Spiel gegen Werder?

Die Bremer werden nach dem Sieg gegen Augsburg mit reichlich Selbstvertrauen zu uns kommen. Sie hatten keinen guten Start in die Saison, aber jeder weiß, wie gefährlich Werder ist. Wenn wir Punkte holen wollen, müssen wir alles richtig machen am Samstag.

In Theodor Gebre Selassie und Claudio Pizarro stehen zwei Profis im Bremer Aufgebot, mit denen Sie früher noch zusammengespielt haben. Freuen Sie sich auf die beiden besonders?

Ja, ich habe zu beiden ab und zu noch Kontakt. Ich freue mich, jetzt gegen sie zu spielen. Erstmal wollen wir aber die Punkte behalten. Nach dem Spiel können wir uns dann die Hand geben (lacht).

Anthony Ujah ist sehr stolz, mit Claudio Pizarro zusammen gespielt zu haben

Was sagen Sie zu Claudio Pizarro, der am 3. Oktober seinen 41. Geburtstag feiert und immer noch spielt?

Ich werde meinem Sohn in 20 Jahren noch davon erzählen, dass ich mal mit Claudio Pizarro in einer Mannschaft gespielt habe. Ich hatte in der Kabine den Platz neben ihm. Das war ein Highlight meiner Karriere. Ich bin ein Junge aus Afrika, habe früher ohne Schuhe gespielt und kann jetzt von mir sagen, dass ich mit Claudio Pizarro gemeinsam in der Bundesliga auf dem Platz gestanden, Spiele gewonnen und gefeiert habe. Das macht mich stolz.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt kennen Sie auch noch von früher. Er war zu Ihrer Bremer Zeit Co-Trainer von Viktor Skripnik. Was denken Sie beim Blick auf seinen Werdegang?

Ich bin davon nicht überrascht. Er hatte schon damals gute Ideen, auch wenn er in der zweiten Reihe stand. Florian war und ist ein guter Trainer, und jetzt kann das jeder in Deutschland sehen.

Anthony Ujah: Klassenerhalt mit Union Berlin „oberstes Ziel“

Sie waren bei Werder damals so etwas wie der „Gute-Laune-Fachmann“ der Mannschaft, immer bestens gelaunt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Haben Sie diesen Job bei Union auch schon übernommen?

(lacht) Das ist einfach mein Charakter. So etwas kannst du ja nicht vortäuschen, das ist keine Show. Ich weiß, wann ich hart arbeiten muss, ich weiß aber auch, wann ich Spaß haben muss. Generell bin ich ein positiver Mensch und sehe in jeder Situation eine Chance.

Mit diesem positiven Blick betrachtet: Ist für Union vielleicht sogar mehr drin als der Klassenerhalt?

Nein, nein. Der Klassenerhalt ist unser oberstes Ziel. Wenn wir das früh schaffen sollten, können wir weitersehen. Aber erstmal müssen wir es schaffen und in jedem Spiel um jeden Punkt kämpfen. Da hilft es sehr, dass unser Trainer Urs Fischer ein richtig guter Lehrer ist.

Anthony Ujah kann immer noch nicht schwimmen - trotz Lehrstunden mit Franco Di Santo bei Werder Bremen

Wie meinen Sie das?

Na ja, ich zum Beispiel habe in meiner Karriere schon über 100 Bundesligaspiele gemacht, habe bei ihm aber trotzdem das Gefühl, dass ich noch viel Neues lerne, dass er mich besser macht. Ich freue mich sehr auf die Saison mit ihm.

Herr Ujah, bleibt nur noch eine Frage: Können Sie inzwischen schwimmen? Während des Bremer Trainingslagers im Sommer 2015 hatte Franco Di Santo hartnäckig versucht, Ihnen die Technik im Hotelpool beizubringen.

(lacht) Nein, da bin ich bis heute nicht wirklich besser geworden. In diesem Sommer waren wir mit Union in Österreich im Trainingslager. Am freien Tag gab es eine Bootstour. Als Nichtschwimmer bin ich aber lieber im Hotel geblieben und habe Fußballgolf gespielt.

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