Fabian Kunze von Arminia Bielefeld erwartet ein schweres Nachholspiel gegen Werder Bremen, sieht aber eine „reelle Chance“.
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Fabian Kunze von Arminia Bielefeld erwartet ein schweres Nachholspiel gegen Werder Bremen, sieht aber eine „reelle Chance“.

Interview vor dem Bundesliga-Nachholspiel

Arminia-Profi Kunze will Werder im Abstiegskampf halten: „Erst am Ende wird abgerechnet“

Bielefeld - Von einem „schweren Gang“ gegen Werder Bremen spricht Fabian Kunze, der Mittelfeldspieler von Arminia Bielefeld vor dem Nachholspiel am Mittwoch – „doch wir haben eine reelle Chance.“

Der 22-Jährige, zuletzt wegen der fünften Gelben Karte gesperrt, zuvor in 17 Spielen der Saison eingesetzt, erwartet im Interview mit der DeichStube einen spannenden Abstiegskampf bis zum Ende. Auch bei einem Sieg in der SchücoArena, so der Defensivspieler, sei Rivale Werder Bremen noch nicht gerettet. Fabian Kunze thematisiert den Trainerwechsel bei Arminia Bielefeld, bewertet die Änderungen unter Frank Kramer und bezieht Stellung zur Diskussion über das lautstarke Agieren der Werder-Ersatzbank.

Am Wochenende mussten Sie Ihre Gelb-Sperre absitzen. Sie haben also das 0:0 gegen Union Berlin auf der Tribüne verfolgt. Zählten Sie zur Gruppe, die sich lautstark bemerkbar gemacht hat, um einen möglichen Wechselfehler des Neu-Trainers Frank Kramer zu vermeiden?

Ich habe natürlich die Szene gesehen und verfolgt, war aber in keiner Weise aufgeregt. Mir war schnell die Situation bewusst. Mit Cedric Brunner hatte sich ein Außenverteidiger verletzt, daher wurde ein vierter Einwechselspieler an die Seitenlinie geholt. In diesem Moment ging es also um zwei Positionen und zwei potenzielle Wechsel, die offen waren. Schließlich wurde mit Nathan de Medina ein Verteidiger hereingenommen, ein positionsgetreuer Wechsel also. Ein Wechselfehler stand somit nie zur Debatte.

Die Arminia hat nach langen Wochen erstmals wieder zu null gespielt – nach 17 Gegentoren in den fünf Partien davor. Bewerten Sie dies als Erfolg?

Auf jeden Fall! Wichtig war, dass wir erst einmal stabil stehen. Das ist die Basis. Dafür sind alle Mannschaftsteile verantwortlich, alle müssen mitmachen. In der Folge kann es für uns um eine Verbesserung im Spiel nach vorn gehen.

Auch Werder, der Gegner im Nachholspiel, setzt auf eine kompakte Defensive, so dass mitunter das Offensivspiel darunter zu leiden hat. Sehen Sie Parallelen?

Mit fällt es schwer, in dieser Beziehung Vergleiche zu ziehen, weil sich in jedem Spiel eine andere Ausgangslage ergibt. Fakt ist, dass du in der Bundesliga nur wenige Chancen erhältst, die musst du nutzen, um erfolgreich zu sein.

Werder hat am Sonntag in Köln, wie alle Beobachter bestätigen, eine miserable Leistung geboten. Macht dies Bielefeld Mut vor dem Vergleich?

Schwer zu beantworten. Die Bremer haben zuletzt ja auch schon ganz anders, deutlich besser agiert. Für uns gilt wie in jedem Spiel: Wir müssen alles geben, um erfolgreich zu sein und Werder zu schlagen.

Fabian Kunze von Arminia Bielefeld: Werder Bremen auch bei Sieg „noch nicht gerettet“

Das Nachholspiel ist richtungsweisend für beide Seiten. Steht die Arminia unter Siegzwang? Müssen jetzt unbedingt drei Punkte her?

Mir gefällt das Wort „müssen“ nicht. Es ist eine unglückliche Formulierung. Natürlich verbessert sich unsere Lage immens, wenn wir einen Sieg einfahren. Doch wenn wir zu sehr Druck aufbauen im Sinne von „Siegen-Müssen“, ist dies gewiss nicht vorteilhaft. Uns ist klar: Es wird ein schwerer Gang gegen Werder, doch wir haben eine reelle Chance.

Im Interview für die DeichStube hat der Kölner Ismail Jakobs von acht Clubs im Abstiegskampf gesprochen. Mit dem Sieg am Wochenende hat sich womöglich Hoffenheim aus der Gruppe der Gefährdeten verabschiedet. Sollte Werder in Bielefeld gewinnen, wären es vermutlich nur noch sechs Kandidaten. Wie beurteilen Sie die Lage im Tabellenkeller?

Alles ist relativ eng beisammen, sehr geringe Punktabstände, so dass es bis zum Schluss so bleiben sollte. Mit einem Sieg könnte sich Bremen ein wenig Luft verschaffen, wäre indes noch nicht gerettet. Erst am Ende wird abgerechnet.

Wie lebt ein Arminia-Profi mit der vor dem Start von allen Experten vorgenommenen Einstufung als Absteiger Nummer eins?

Dass ein Neuling so betitelt wird, ist doch normal. Grundlage dafür ist der Qualitätsunterschied zwischen der Bundesliga und der 2. Liga. Bei uns im Team war dies nie Thema. Jeder Spieler war sich dessen bewusst, jedem war auch klar, dass es für uns in dieser Saison längere Durststrecken geben könnte.

Trainerwechsel in Bielefeld: Frank Kramer für Uwe Neuhaus in der letzten Woche. Hat Sie diese Maßnahme überrascht?

Es ist nicht meine Angelegenheit, nicht meine Sache, darüber zu urteilen. Daher möchte ich mich dazu auch nicht äußern. Die Clubführung entscheidet.

Was hat sich unter Kramer geändert?

Die Form des Trainings ist schon unterschiedlich. Es wäre auch schlimm, wenn alle Trainer gleich trainieren würden.

Fabian Kunze von Arminia Bielefeld: VAR ein Problem - „sehr aktive“ Bank von Werder Bremen weniger

Welche Änderungen?

Wir trainieren nun kurz und knackig. Die Schwerpunkte sind indes weitgehend identisch. Spiel mit Ball, Spiel gegen den Ball, Passgenauigkeit und Verhalten im Zweikampf.

Im Hinspiel saßen Sie auf der Reservebank. Thema zuletzt war bundesweit das aggressive und lautstarke Verhalten der Werder-Bank, moniert nicht zuletzt von Frankfurts Trainer Adi Hütter. Wie haben Sie es erlebt?

Ich will es mal so formulieren: Die Bremer Ersatzbank ist schon sehr aktiv, dies war im Hinspiel gegen uns auch so. Das kann ich absolut bestätigen, möchte es indes nicht bewerten. Für mich sind in einem Bundesliga-Spiel andere Dinge viel wichtiger und entscheidender als die Kommentare von außen. Mich hat es nicht gestört. Jeder probiert, wie auch immer, Einfluss zu nehmen. Es mag andere Charaktere geben, die dieses Verhalten kritisieren.

Zu umstrittenen Szenen am letzten Spieltag: Wie haben Sie die Szene mit Werder-Keeper Pavlenka beim Kölner Treffer zum 1:1 gesehen? Foul oder nicht?

Eine Situation, die schwer zu entscheiden ist. Doch prinzipiell verstehe ich nicht, wie der VAR vorgeht. Uns wurde gesagt, es werde jede Szene im Strafraum überprüft. Hier ist Handspiel überprüft worden, jedoch nicht das mögliche Foulspiel. Es bleibt ein Problem, wann der VAR eingreift und wann nicht, was er kontrolliert und was nicht. Es bleibt unbefriedigend. Ich wünsche mir mehr Klarheit.

Sie sind waschechter Bielefelder, haben in der Jugend aber für Schalke 04 gespielt. Nach der Station SV Rödinghausen spielen sie seit zwei Jahren für die Arminia…

… und darauf bin ich sehr stolz. Wer hier geboren ist, hat einen besonderen Bezug zu der Stadt.

Sind Sie auch stolz, dass die Arminia den Nachbarn Paderborn überholt hat und wieder die Nummer eins in Ostwestfalen ist?

Auch das! Wir sind wieder Spitze. Es muss unser Ziel sein, das auch zu bleiben. Bei einem Verbleib in der höchsten Spielklasse wären wir weiterhin das Aushängeschild der Region.

(Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld sehen! Und: So seht Ihr Werder gegen Bielefeld live im TV und im Live-Stream!)

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